"Welt nicht vom Krieg befreit"

Bürgermeister Heinz Lorenz, Juliane Krockauer und Rebecca Höhne (Zweiter bis Vierte von links) sprachen am Kriegerdenkmal. Die 18-jährige Offiziersanwärterin Lena Stauter (links) sowie Michael Zimmerer(Dritter von rechts) bildeten die Ehrenwache. Bilder: bkr (2)

Jährlich gibt Johann Schäffler dem Sängerbund für die Gestaltung der Gedenkfeier am Ehrenmal seine Stimme. Diesmal stand er selbst im Mittelpunkt der Rede des Bürgermeisters - obwohl er gar nicht anwesend war.

Immenreuth. (bkr) Schäffler war einer Einladung gefolgt, um über die Fallschirmjäger im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Zu ihnen wurde er 1941 eingezogen. Kämpfe an allen Fronten folgten nach der Ausbildung. Am 3. Mai 1945 nahm ihn die 1. kanadische Division in Holland gefangen, 1946 kam er wieder frei.

Zwei Brüder gefallen

Am Samstag stand erstmal mit Lena Stauter eine junge, 18-jährige Offiziersanwärterin, die seit dem 1. Juli Dienst für Deutschland leistet, neben dem Ehrenmal. Es trägt die Namen von 66 im Zweiten Weltkrieg gefallenen, vermissten oder in der Gefangenschaft verstorbenen Immenreuther. Unter ihnen auch die zwei Brüder von Johann Schäffler. Josef, gefallen am 4. Oktober 1942, Willi am 15. März 1944 und Vetter Johann am 14. November 1943. Den 72. Todestag machte Bürgermeister Heinz Lorenz zum Inhalt seiner Rede. Er erinnerte an die 100 Millionen Toten, die Kriege seit 1945 gefordert haben. "Die Welt ist nicht vom Krieg befreit", sagte er auch im Hinblick auf die Ereignisse von Paris.

Johann Schäffler war laut dem Rathauschef einer der Letzten, die aus dem Krieg nach Hause zurückkehrten. Er gehörte einer 112 Soldaten starken Falschirmjägertruppe an. Sie wurde an allen brennenden Orten eingesetzt, um wichtige Punkte zu sichern und zu halten. In Rumänien, so erzählte Schäffler dem Neuen Tag, wurden vier seiner Kameraden von einem Kirchturm aus erschossen. Es gab immer wieder Tote. Ihre Gefangenen brachten die Fallschirmjäger zur Hauptkampflinie. Den Satz: "Es werden keine Gefangenen gemacht", habe es nicht gegeben.

Ehrfurcht haben

Johann Schäffler sagt in Erinnerung an die Kriegsjahre: "Den Volkstrauertag dürfen wir nicht abschaffen. Ein bisschen Ehrfurcht muss vor den Leuten sein, die gedient haben. Auf alle Fälle nie wieder Krieg. Der Mensch ist ehr- und wehrlos."

Seine Erfahrungen und seine Botschaft hätte er gerne selbst an Lena Stauter weitergegeben. Die heutige Jugend müsse immer eine Möglichkeit der Verständigung suchen und Konflikte ohne Kämpfe austragen. Die Lage heute, die Glaubenskonflikte und den aufkommenden Unmut, beurteilt Schäffler als sehr brenzlig. "Es ist traurig, wenn Leute fliehen müssen."

Lena Stauter pflichtet ihm bei, das Gedenken an die Opfer der Kriege nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. "Es ist etwas ganz anderes, als nur in der Schule davon zu hören", fasste sie ihre Eindrücke zusammen.

Der Vortrag "Frieden" der Grundschülerinnen Liane Krockauer und Rebecca Höhne sowie der Liedvortrag "O Herr, gib Frieden" des Sängerbundes rundeten die Kranzniederlegung ab. Die musikalische Gestaltung der Zeremonie hatte die Stadtkapelle Kemnath übernommen.
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