Wenig Aufwand für eine große Sache

Ein Leben zu retten kann relativ einfach sein, nämlich durch eine erfolgreiche Stammzellenspende. Zuvor ist aber eine Typisierung nötig - "und da könnten schon noch mehr mitmachen", sagt Arthur Roßner aus Kemnath. Dank seiner Stammzellenspende kann ein junger Franzose weiterleben.

Kemnath. (stg) Vor sieben Jahren hatte der heute 37-Jährige beschlossen, an einer Typisierungsaktion teilzunehmen. "Das war ganz einfach zu machen", erinnert er sich. Mit einer Stammzellenspende, die in einem geeigneten Fall folgt, könne ohne großen Aufwand ein Menschenleben gerettet werden. "Es ist eine ganz einfache Rechnung: Je mehr Leute sich typisieren lassen, umso weniger Leute müssten auch an Leukämie sterben", meint der Kemnather.

Vor gut einem Jahr hat Roßner einen Anruf von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) bekommen, wonach er als Spender in Frage kommen könnte. Für genauere Untersuchungen habe er sich nochmals Blutabnehmen lassen, aber dann erst einmal nichts mehr gehört. "Ich dachte eigentlich, dass die Sache abgeschlossen ist", so Roßner.

Ende Juni sei ihm mitgeteilt worden, dass er in Frage komme. Roßner brachte in Erfahrung, dass es sich um einen Patienten handelte, der bereits eine Abstoßung hinter sich hatte. "Er war an Leukämie erkrankt, wog bei 1,87 Meter Körpergröße nur noch 53 Kilo", schildert Roßner den dramatischen Zustand des 23-jährigen Franzosen, der dringend Stammzellen brauchte.

Dialyse verschlafen

Es ging im Anschluss recht zügig: In Nürnberg erfolgten weitere Untersuchungen, um die endgültige Eignung festzustellen. In der Woche vor der Stammzellenentnahme musste sich Roßner selber alle zwölf Stunden Spritzen geben, um eine entsprechende Erhöhung der Blutplasmen zu erreichen. "Da hatte ich dann schon Nebenwirkungen wie Knochen- und Gliederschmerzen sowie eine Erkältung, aber angesichts der Wichtigkeit der Maßnahme war mir das egal." Die Stammzellen wurden während einer sechsstündigen Dialyse im Klinikum Nürnberg-Nord herausgefiltert. "Am Anfang hatte ich leichtes Herzrasen und ich begann zu schwitzen. Das hat sich aber ganz schnell gegeben", erinnert sich Roßner. Die meiste Zeit während der Dialyse habe er einfach geschlafen.

Roßners Einsatz hat sich gelohnt: "Von der DKMS habe ich erfahren, dass der Franzose es geschafft hat und über den Berg ist." Er bedauert allerdings, dass er den Empfänger nie kennenlernen wird, aufgrund gesetzlicher Regelungen in Frankreich und auch Italien. Dies sind die beiden einzigen Länder in Europa, wo eine direkte Kontaktaufnahme nie möglich sein wird. "Das stimmt mich schon traurig, denn wir sind ja untrennbar miteinander verbunden", erklärt Roßner. Am liebsten würde er ihn in den Arm nehmen und zu ihm sagen: "Mach' was daraus und lebe intensiv."

Der zweifache Familienvater will viele Menschen dazu ermuntern, sich typisieren zu lassen: "Ich sehe das auch als Verpflichtung an, wenn man durch eine einfache Aktion ein Menschenleben retten kann." Gerade in der heutigen "Wegschaugesellschaft" könne man damit ein Zeichen setzen, für das es vergleichsweise wenig Aufwand bedürfe.
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