Wenig fesselnd

Ist da nun harter Sex drin? Oder bloß heiße Luft? Die Verfilmung des Erotikbestsellers "Fifty Shades of Grey"ist ein Drama um eine junge Frau, die vor allem eins will: ein richtig romantisches Date.

Die gute Nachricht ist: Der Film ist besser als das Buch, dieser rätselhafte, in 52 Sprachen übersetzte Millionen-Seller, der selbst unter Fans nicht mal entfernt als literarisch gehandelt wird. Die schlechte Nachricht lautet: Bei dem lange erwarteten BDSM-Kracher handelt es sich um ein Problemdrama. Das "Fifty Shades of Grey"-Massageöl der Parfümeriekette Douglas und den Kabelbinder aus dem Baumarkt können wir erst mal wieder wegpacken.

40 Minuten bis zum Sex

Eine gute halbe Stunde dauert es, bis die 21-jährige Literaturstudentin Anastasia Steele (Don Johnsons Tochter Dakota) und der sechs Jahre ältere, in Seattle residierende Telekommunikationsunternehmer Christian Grey (Jamie Dornan), die sich bei einem Interview für eine Studentenzeitung kennenlernen, den ersten Kuss tauschen. Nach rund 40 Minuten verliert die sehr schüchterne, sehr dünne und sehr langbeinige Ana ihre Unschuld. Und nach weiteren fünf Minuten steht sie am Herd, um Frühstück zu machen. Denn Ana ist eigentlich eine ganz "normale" Frau, die nach der Liebe sucht.

Christian scheint es nicht zu sein, jedenfalls hält er sich selbst nicht dafür. Der begehrte unverheiratete Superreiche ist smart, kühl und herrisch. Er steht auf Bondage und möchte Ana zu seiner Sklavin machen. Für ein solches Verhältnis gibt es in der SM-Szene Regeln. Deren höchste lautet: Was immer man tut - es hat im Einverständnis zu geschehen. Und das liefert dem Film eine Fülle von Konflikten, die tränenreich bearbeitet werden müssen und vorerst nicht gelöst werden - es gibt ja noch zwei "Shades of Grey"-Bände. Will Ana wirklich den verruchten Sex, der den Roman angeblich so populär gemacht hat? Oder unterwirft sie sich in der Hoffnung, Christian, der eine schwere Kindheit hatte und dunkle Geheimnisse hütet, könne reformiert werden und irgendwann eine romantische, eine "echte" Beziehung eingehen? Wird sie den Pakt mit dem Teufel unterschreiben, ein seitenlanges Dokument, das von der Verhütung über die Diät bis zur Frage des Sexspielzeugs sämtliche Details der angepeilten Verbindung erfasst?

Die Herkunft des Romans aus dem "Twilight"-Universum - Ana und Christian hießen früher, als die Geschichte von E. L. James unter Fans im Internet frei kursierte, Bella und Edward - lässt sich im Film an der Figurenkonstellation noch erkennen. Und an dem beunruhigenden Beziehungsmodell: ein verhuschtes Mädchen aus der Mittelklasse, das einem gut situierten, konsumfreudigen Stalker mit Daddy-Allüren erliegt.

Der unbeholfene Stil der Vorlage aber ist unter den Händen der Regisseurin Sam Taylor-Johnson ("Nowhere Boy") in einer kontrollierten, ein bisschen "neureichen" Ästhetik aufgegangen. In dieser Art wird auch der SM-Sex, zu dem es im letzten Drittel dann doch noch kommt, abgefedert: Nur edelste Accessoires geraten da in den Blick, sehr gerne ein schöner Po, einmal ein Hauch von Schamhaar. Die Frivolität des Films erschöpft sich in augenzwinkernden Andeutungen. "Was ist ein Buttplug?", fragt Ana bei den Vertragsverhandlungen. Das hätte sie auch googlen können.

Frei ab 16 Jahren

Unter dem Aspekt "expliziter Sex" geht die Altersfreigabe ab 16 in Ordnung. Was junge Zuschauerinnen mit den ideologischen Komponenten des "Shades"-Kosmos anfangen, müssen sie selbst entscheiden. Ab und zu mal einen "Buttplug" zu benutzen, ist vielleicht nicht so ungesund, wie sich von einem Typen ein Leben lang sagen zu lassen, welches Auto man fahren, wie viel Sport man machen und wann man ins Bett gehen soll.

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Regie: Sam Taylor-Johnson - Mit Dakota Johnson, Jamie Dornan, Jennifer Ehle, Marcia Gay Harden, Eloise Mumford - Musik: Danny Elfman - 125 Minuten - frei ab 16 Jahren - Im Internet: www.fiftyshades-film.de
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