Weniger Milch muss fließen

Groß war das Interesse der Milchbauern am Diskussionsabend. Auch viele junge Landwirte, deren Existenz stark von der Entwicklung des Milchpreises abhängt, waren gekommen. Bild: jr

Der Milchpreis ist im freien Fall. Eins steht fest: Es ist zu viel Milch auf dem Markt. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nimmt da keinen Kollegen in Europa aus der Verantwortung: Zwei Prozent weniger produzieren und der Milchpreis steige wieder.

"Wir kommen an einer Rückführung der Milchmenge nicht herum. Die Menge muss zurück, ansonsten wird sich der Markt nicht bereinigen", sagte Romuald Schaber. Der BDM-Bundesvorsitzende aus dem Allgäu war zur Protestkundgebung und zur Diskussion ins Gemeinschaftshaus Kleinsterz gekommen.

Kritik an Bauernverband

Die Teilnehmer kamen nicht nur aus dem Landkreis, sondern aus der gesamten Region. Kritik gab es am Bauernverband, dessen Losung mit immer größeren Ställen und noch mehr Kühen dem Ziel, die Milchmenge zu senken, klar entgegenstehe. Die kleineren Landwirte würden nicht unterstützt. "Willst du einen Stall für 40 Kühe bauen, heißt es nein, zu brauchst einen Stall für 80 Kühe und am besten noch so, damit du später nochmals um die gleiche Größe erweitern kannst. Immer nur größer und größer", meinte eine Bäuerin aus dem Landkreis Neustadt/WN.

BDM-Kreisvorsitzender Matthias Zahn freute sich, dass auch die Spitze des Bauernverbandes mit Kreisvorsitzendem Ely Eibisch und seinem Stellvertreter Martin Härtl der Einladung gefolgt war. "Der Milchpreis ist weiter im Absturz", eröffnete er den Abend und machte die Meinung des BDM deutlich, der ganz klar für eine Mengensteuerung eintrete. Die jetzige Situation sei dem Umstand geschuldet, dass es keine Milchquote mehr gibt. "Wir haben heute einen globalisierten Weltmilchmarkt. Wenn in China ein Sack Reis umfällt, dann spüren wir das und sind betroffen", sagte der Kreisvorsitzende des BDM.

BDM-Bundesvorsitzender Romuald Schaber warnte die Berufskollegen davor, die jetzige Milchkrise zu verdrängen. "Wenn wir etwas erreichen wollen, dann müssen wir an die Öffentlichkeit." Auch deshalb sei die Demonstration am Dienstag in München so wichtig. "Die CSU beansprucht für sich, gute Politik für die Bauern zu machen. Doch außer Worten ist nicht viel geschehen", kritisierte der Sprecher. Nach der Kundgebung in München gehe es weiter nach Brüssel, wo es am 7. September eine weitere Demonstration der Milchbauern geben wird. "Wir müssen auf die Straße und Druck machen. So kann es nicht weitergehen", sagte ein kämpferischer Romuald Schaber. "Die Politik muss sich bewegen und nicht nur immer beobachten."

Jedes Jahr mehr Milch

Auf dem Milchmarkt sei derzeit das Angebot höher als die Nachfrage. "Um dem entgegenzusteuern, wäre es am einfachsten, die Milchmenge zu reduzieren", sagte Schaber. In Sachsen-Anhalt liege der Milchpreis aktuell bei 24 Cent, in Neuseeland bei 19,6 Cent. "Da können wir wirtschaftlich nicht mithalten", sagte der BDM-Chef und sah hausgemachte Probleme: "Wir in Europa produzieren zu viel Milch. Wir haben jedes Jahr Steigerungen."

"Die Lage ist ernst"

Der Vorschlag, die Milchproduktion zu deckeln, trage zur sofortigen Lösung bei. Schaber war überzeugt, dass es vor 2016 keine Entwarnung auf dem Milchmarkt geben wird. "Nur mit vernünftigen strukturellen Lösungen lässt sich etwas erreichen." Den Milchbauern schrieb er ins Stammbuch: "Die Lage ist ernst. Wir müssen das Maul aufmachen, sonst gehen wir den Bach runter. Krempeln wir also die Ärmel hoch und packen wir es an." Wenn Europa nur ein oder zwei Prozent weniger Milch erzeuge, sei das Problem gelöst und der Milchpreis steige wieder.

BDM-Kreisvorsitzender Zahn blies ins gleiche Horn. "Vielen Landwirten ist der Ernst der Lage noch gar nicht bewusst. Wir produzieren zu viel Milch, wo keine Nachfrage da ist. Wir machen den Milchmarkt doch selber kaputt." Die Kürzung der Liefermenge könnte eine Lösung sein. "Zwei Prozent weniger Milch produzieren und schon wäre das Problem gelöst und der Milchpreis steigt wieder."
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