Wenn aus Verlierern Legenden werden

Keine andere Schlacht der Weltgeschichte ist so sprichwörtlich geworden wie jenes Debakel in einem Dorf südlich von Brüssel, das Napoleons Schicksal endgültig besiegelte. Zahlreiche Autoren analysieren die letzten 100 Tage der napoleonischen Ära.

Waterloo ist die berühmteste Schlacht der Weltgeschichte, das Synonym für den zweiten Griff nach den Sternen - und für das finale Scheitern. Nach Niederlage, erzwungener Abdankung und Exil wollte es der Ex-Kaiser Napoleon noch einmal wissen. Zwei Tage nach der für Preußen verlorenen Schlacht von Ligny standen sich am 18. Juni 1815 bei dem Weiler Mont St. Jean, 15 Kilometer südlich von Brüssel, 180 000 preußische, niederländische, englische und französische Soldaten gegenüber. Im Scheitern entsteht die Napoleon-Legende.

Günther Müchler: "Napoleons Hundert Tage" (256 Seiten, 24,95 Euro, Theiss-Verlag): Der Adlerzug des Korsen, die Rückkehr Napoleons aus Elba 1815, versetzte Europa in Angst und Schrecken. Welche Umbrüche und dramatischen Unwägbarkeiten die Herrschaft der 100 Tage brachte, die mit Waterloo ihr Ende fand, das erzählt der Historiker und Journalist Günter Müchler in seinem mitreißenden Buch. Wie ein Lauffeuer ging die Nachricht von Napoleons Landung bei Antibes am 1. März 1815 durch Frankreich. Der Mann, der immer alles auf eine Karte setzte, wollte es nach seiner Absetzung nochmals wissen. Die Massen strömten ihm zu, und siegreich zog er erneut in Paris ein. Balzac bemerkte dazu später schwärmerisch: "Hatte es vor ihm jemanden gegeben, der ein Reich nur dadurch eroberte, dass er seinen Hut zeigte?"

Napoleons "Invasion eines Landes durch einen Mann" (Chateaubriand) ist in der Geschichte singulär. Günter Müchler erzählt die dramatische Geschichte der 100 Tage, von der Vorgeschichte, der ersten Abdankung Napoleons in Fontainebleau 1814, bis zur endgültigen Verbannung auf Sankt Helena. Es ist für ganz Frankreich und für den Rest Europas ein kurzes Zeitfenster extremster Anspannung, eine Episode, die erst den Grundstein legte für den Napoleon-Kult. Denn mit den 100 Tagen endet endgültig das Ancien régime und eine neue Epoche bricht an.

Hans-Jürgen Bremm: "Die Schlacht - Waterloo 1815" (256 Seiten, 24,95 Euro, Theiss-Verlag): Waterloo ist wohl die berühmteste Schlacht der Weltgeschichte, DAS Synonym für den zweiten Griff nach den Sternen und für das finale Scheitern. Trotz seiner erzwungenen Abdankung im Vorjahr und dem Exil in Elba wollte es der Ex-Kaiser Napoleon noch einmal wissen: Zwei Tage nach den Schlachten von Ligny und Quatre Bras standen sich am 18. Juni 1815, einem Sonntag, etwa 15 km südlich von Brüssel, nahe der kleinen Ortschaft Mont St. Jean, erneut 180.000 deutsche, niederländische, englische und französische Soldaten gegenüber. Der Militärhistoriker Klaus-Jürgen Bremm schildert die dramatische Vorgeschichte dieses Feldzuges und seine Etappen, analysiert das Schlachtgeschehen des Tages detailliert, porträtiert die Akteure, die Armeen und untersucht die Bewaffnung der Soldaten.

Und er beschreibt Nachleben und Rezeption wie auch die Möglichkeiten und Grenzen, Kriegsgeschehnisse der Vergangenheit zu rekonstruieren. Eindrucksvoll geschildert entsteht so ein Porträt der dramatischen Schlacht von Waterloo mit all ihren Facetten.

Johannes Willms: "Waterloo - Napoleons letzte Schlacht" (288 Seiten, 21,95 Euro, Verlag C. H. Beck): Waterloo - keine andere Schlacht der Weltgeschichte ist so sprichwörtlich geworden wie jenes Debakel in einem Dorf südlich von Brüssel, das Napoleons Schicksal endgültig besiegelte. Zum 200. Jahrestag erzählt Johannes Willms noch einmal die Vorgeschichte und den dramatischen Verlauf der Schlacht. Lebendig und dicht geschrieben, ist sein Buch nicht nur für Liebhaber der Militärgeschichte eine mitreißende Lektüre. Lange Zeit schien Napoleon unbesiegbar zu sein. Doch im Juni 1815 kämpft der Kaiser um sein politisches Überleben. Von Elba zurückgekehrt, hat er sich in den berühmten "100 Tagen" zwar erneut in Windeseile in Frankreich an die Macht gebracht, doch noch muss er die gegnerische Koalition zerschlagen und ihren Truppen eine empfindliche Niederlage beibringen. Im Lager seiner Feinde warten auch der britische Herzog von Wellington und der preußische Marschall Blücher auf ihre historische Stunde. Im Morgengrauen des 18. Juni ist es soweit. Napoleons letzte Schlacht beginnt.

Brendan Simms: "Der längste Nachmittag" (191 Seiten, 18,95 Euro, Verlag C.H. Beck): Die legendäre Verteidigung des Meierhofs La Haye Sainte durch die Kings German Legion am Nachmittag des 18. Juni 1815 war der Wendepunkt der Schlacht von Waterloo. Der prominente irische Historiker Brendan Simms liefert eine dichte Beschreibung der blutigen und brisanten Stunden. Die Verteidigung des Hofes misslang zwar letztlich, aber der dadurch erreichte Zeitgewinn sorgte dafür, dass die preußischen Truppen in die Schlacht eingreifen konnten, was entscheidend war für Napoleons Niederlage noch am selben Abend.

La Haye Sainte wurde von knapp 400 Mann der Kings German Legion, einem deutschen militärischen Verband in britischen Diensten, gehalten. Die Franzosen drangen um den Hof herum vor und versuchten die Hügel zu stürmen. Dort wurden sie beschossen. Die Angreifer mussten sich zwar zurückziehen, doch sie fügten der Kings German Legion große Verluste zu; zuletzt blieben ihr nur noch wenige Kugeln pro Soldat. Da trotz mehrfacher Anforderungen keine Munition geliefert wurde, musste La Haye Sainte zwischen 17 und 18 Uhr geräumt werden. Von den Männern der Kings German Legion waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 42 einsatzfähig.

Simms Buch versieht die Stunden der Verteidigung mit menschlichen Gesichtern. Wir werden nicht Zeugen eines Schlachtgemäldes, sondern des Schicksals von Individuen: Unbekannte, die an diesem Tag zu Helden wurden, rücken ins Zentrum der Darstellung; so etwa der deutsch-jüdische Wundarzt Georg Gerson, der von der französischen Kavallerie in Stücke zerhauen wurde, während er der Garnison zu helfen versuchte. Aber auch die französischen Angreifer werden nicht als eine gesichtslose Masse geschildert, sondern als Menschen aus Fleisch und Blut. Simms schließt mit Überlegungen dazu, ob dieser Nachmittag nicht eine andere Tradition deutscher Militärgeschichte begründen helfen könnte.

Marian Füssel: "Waterloo 1815" (128 Seiten, 8,95 Euro, Verlag C.H.Beck): Am 18. Juni 1815 wurde die Schlacht bei Waterloo (oder La Belle-Alliance) geschlagen. Dort beendeten Wellington, Blücher und Gneisenau mit ihren englischen und preußischen Truppen die Herrschaft der Hundert Tage, die Napoleon I., aus dem Exil zurückgekehrt, noch einmal hatte errichten können. Marian Füssel erläutert die historischen Voraussetzungen der Schlacht, beschreibt den Weg Napoleons nach Waterloo, erzählt den Verlauf der Kämpfe, resümiert das Nachleben und erhellt die Entstehung des "Mythos Waterloo".
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.