Wenn da Scheer gschom hat

Für den Namenstag des heiligen Benedikt, den 21. März, gilt laut Heimatpfleger Josef Schmaußer die alte Bauernregel: "Da geht ma mit de Henna ins Bett und steht mit de Henna wieda af." Bild: sön

"Früher hom ma in de Osterferien Stoana klaubt": Eigentlich gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Und doch ließen sie manchem das Herz aufgehen, bei einem Brauchtums-Abend mit Heimatpfleger Josef Schmaußer. Denn der weckte bei manchem Erinnerungen an die Kindheit.

(sön) "Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte": Mit Eduard Mörikes bekanntem Frühlingsgedicht führte Josef Schmaußer, Heimatpfleger der Gemeinde Ursensollen, in altes Oberpfälzer Brauchtum im Frühjahr, in der Voroster- und Fastenzeit ein. Der Heimatverein hatte zu diesem Abend beim Bärenwirt eingeladen.

"Nach dem Winter freuen sich die Menschen über das Erwachen der Natur, nach Wärme und den Frühling", sagte Schmaußer. Er stamme selbst aus einem christlich geprägten Haus, verriet er - und bedauerte, dass 1968 in Bayern der Josefitag ("Mein Namenstag") als Feiertag abgeschafft worden sei. Die Bauernregel zu Josefi, "Der Michl zündt's Lichtl a, der Seppl löscht's wieder aus", weise auf die Tag- und Nachtgleiche hin. Mit solchen Regeln, auch wie etwa zu Maria Verkündigung ("Da kehrn d' Schwalm wieda um", "Wenn die Drossel schreit, ist der Lenz nicht mehr weit" oder "An Kunigund kummt d' Wärm vo unt"), habe man früher versucht, einen Blick in die Zukunft zu werfen: "Da waren sie kleine Hilfen."

Zwiegespräche entwickelten sich, als Schmaußer auf die bäuerliche Arbeit noch vor einigen Jahrzehnten einging. Die Zuhörer wussten beispielsweise noch gut, dass Maulwurfhaufen abgetragen werden mussten, "denn da Scheer hot wieda gschom." Lacher hörte man, als sich Schmaußer erzählte, dass "d' Oarschkritzl-staudn" (Sanddornstauden) zurückgeschnitten werden mussten. An das "Strahrechan" konnten sich noch viele der Zuhörer erinnern und auch daran, dass die Mädchen mit Schürzen zur Schule gingen. Arm sei die Landbevölkerung gewesen, habe sich mit Ocker-Abbau, dem "Amberger Dreck," ein Zubrot verdient.

Das Einssein mit der Natur habe das bäuerliche Leben geprägt, betonte Schmaußer. "Und weil ma grad ja in der Fastenzeit san" las er dazu aus seinen Erinnerungen vor. Fasten gebe es in allen Religionen, das Nachdenken über die Vergänglichkeit tue gut, "aber warum fasten wir nicht bei bösen Worten?". Wir wären jedoch keine Menschen, wenn wir kein Hintertürl fänden - damit wies er auf die Starkbierzeit hin. Denn da gelte "Flüssiges bricht das Fasten nicht."

Allzu Menschliches wusste Schmaußer dann auch noch. Etwa die Mär, "dass angeblich Beichtzettel früher im Wirtshaus mit zwei Maß Bier gehandelt wurden". Als er sich zurückerinnerte, wer früher in sein Dorf gekommen sei, vom Postboten, Kreweibl "und dem G'schirrmann Res Koller aus Rieden, der auch Hunde verkaufte", wurden die Zuhörer richtig munter. Sie berichteten von Kesselflickern und Störschneiderinnen. Dialektwörter zu sammeln, ist seit Jahren ein Hobby Schmaußers. Glufern (Sicherheitsnadel), Glupperl (Wäscheklammer) oder der Scheer (Maulwurf) sind auch in Rieden noch bekannt.

Für die Zuhörer war es ein Abend, der sie auch in ihre Jugendzeit zurückführte. Und der - da muss man Heimatvereinsvorsitzendem Hubert Haas zustimmen - mehr Besucher verdient hätte.
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