Wenn die Schwalben umkehren

Die Nitzlbucher Moidln steuerten einige Frühlingslieder bei. Bild: swt

Namenstage bestimmten einst das bäuerliche Leben in der rauen Juralandschaft. Einige besondere Daten dieser Art fallen in den März. Josef Schmaußer weiß darüber viel zu erzählen. Und es versteht sich von selbst, das er das in Oberpfälzer Mundart tut.

"Es göiht schou aussewarts zou!" Diese beruhigende Erkenntnis brachte Heimatpfleger Josef Schmaußer aus Ursensollen mit, als er am Mittwochabend im Kolpinghaus über die Bräuche in der Oberpfalz während der Fastenzeit und zu Ostern referierte. Unterstützung bekam er von den Nitzlbucher Moidln. Sie stimmten einige zur Jahreszeit passende Lieder an.

Geboren und aufgewachsen mit 13 Geschwistern in Hohenkemnath, lernte der Konrektor der Schule Hirschau das bäuerliche Leben nach dem Kalender kennen. In den 60er Jahren richteten die Menschen ihren Alltag an den Jahreszeiten aus. Den Frühling prägten die ersten Arbeiten in der freien Natur.

Schmaußer selbst ging ins Internat. Nach zwei Jahren trieb ihn das Heimweh zurück, und ihm fiel einiges auf, was sich im Dorf verändert hatte. Diese Zeit prägte ihn dahingehend, dass er begann, alles aufzuschreiben, was an alten Traditionen vorhanden war.

Wichtiger als Geburtstage

Einen Schwerpunkt nahm der Namenstag ein. Auf ihn legten die Familien mehr Wert als auf den Geburtstag. Zum Beispiel am 3. März Kunigunde: Wer kennt nicht die Bauernweisheit "Kunigund kummt d' Wärm von unt"? Sie beschreibt den Frühlingsbeginn, wenn alles anfängt, auszutreiben und es "aussewarts göiht". Gertrud am 17. März und natürlich Josefi am 19. März sind weitere hohe Namenstage.

Vollmond bestimmt Ostern

Schmaußer erklärte auch, warum Ostern alljährlich an einem anderen Datum gefeiert wird. Darüber bestimmt der erste Vollmond nach dem Frühlingsanfang am 21. März. Heuer leuchtet der Mond am Samstag, 4. April, wieder als runde Scheibe am Himmel. Die Ostertage fallen demnach auf den 5. und 6. April. Als ein weiterer Vorbote der warmen Jahreszeit gilt der 25. März. Dann feiern die Gläubigen "Maria Verkündigung, da kehr'n die Schwalben um!"

Zu den Bräuchen in der Fastenzeit gehörten das "Ratschn" mit besonderen Holzinstrumenten oder das "Klappln", das an den Kartagen das Geläut zur Wandlung ersetzte - "übrigens auch heute noch in der Pfarrkirche in Auerbach", ergänzte Schmaußer. Hasensymbolik, Osterbrunnen, das Eierfärben und viele weitere Traditionen streifte der Heimatpfleger in seinem Vortrag und weckte bei manchen Besuchern Erinnerungen an die Kindertage.

Was ist eine Guggan?

Zuletzt widmete sich Schmaußer Dialektausdrücken wie "Guggan" für Tüte oder "Orschkritzerlstrauch" für den Weißdorn. Oft klingen sie in der Oberpfalz von Ortschaft zu Ortschaft etwas anders.
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