Wenn es stolpert und flimmert

Zwischen 100 000 und 115 000 Mal schlägt am Tag das Herz eines gesunden Menschen. Bei knapp zwei Millionen Menschen in Deutschland ist das Organ laut Dr. Roland Vogel aus dem Takt - mit tödlichen Folgen für jährlich schätzungsweise bis zu 200 000 Betroffene.

Kastl. (stg) Für Dr. Roland Vogel war sein Vortrag "Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen heute" eine Herzensangelegenheit. Der Fach- und in Kastl niedergelassene Hausarzt referierte auf Initiative der Deutschen Herzstiftung im voll besetzten Vetter-Saal. Es waren weit über 120 Zuhörer - darunter Bürgermeister Josef Etterer und der Kemnather Krankenhaus-Chefarzt Dr. Gerhard Jilge - die sich über das Thema informierten. Rund zwei Stunden lang vermittelte der Mediziner mittels einer Powerpoint-Präsentation grundlegende Erkenntnisse und neue Heilmethoden.

Nach allgemeinen Informationen zu Aufgaben, Funktion und Aufbau des Herzens ("Pumpe") sowie der Diagnose von Herzrhythmusstörungen ging Vogel auf den Herzschrittmacher ein. Dieser werde eingesetzt bei krankhaft langsamen Herzschlägen mit unter 40 Schlägen pro Minute oder bei "Aussetzern" beziehungsweise Schlagpausen von über fünf Sekunden. Ebenfalls notwendig kann er werden, wenn der langsame Herzrhythmus Beschwerden bereitet und Schwindelgefühl oder kurze Bewusstlosigkeit auslöst. "Das Einsetzen eines Herzschrittmachers beseitigt den langsamen Herzschlag und die dadurch bedingten Beschwerden", erklärte Vogel. Störeinflüsse seien bei einem Schrittmacher sehr selten.

Besonderes Augenmerk legte der Referent auch auf das "gutartige Herzjagen" sowie das "Stolperherz". Ausführlich widmete sich der Mediziner zudem dem sogenannten Vorhofflimmern. "Das ist die häufigste Herzrhythmusstörung." Schätzungsweise 1,8 Millionen Deutsche litten daran. Das Risiko steige mit dem Lebensalter. In den Herzvorhöfen kreisten elektrische Erregungswellen mit einer Flimmerfrequenz von bis zu 350 Schlägen pro Minute. Der sogenannte Atrioventrikularknoten (Vorhof-Kammer-Knoten) filtert diese Impulse, so dass eine "ungeordnete chaotische Herzschlagfolge mit bis zu 160 Schlägen pro Minute oder mehr entsteht.

Beschwerden bei Vorhofflimmern seien unter anderem Herzrasen und Herzstolpern, eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit, Atemnot, Schwindel und Brustschmerzen. Bei vielen Patienten trete Vorhofflimmern auch ohne Beschwerden auf. Wer, ohne es zu wissen, Vorhofflimmern habe, sei gefährdet, einen Schlaganfall zu erleiden. Es gebe aber auch Möglichkeiten, Vorhofflimmern aufzudecken: So könne jeder lernen, selbst den Puls zu fühlen. Auch einige Blutdruckmessgeräte wiesen auf einen unregelmäßigen Herzrhythmus hin. Bei Patienten über 65 Jahren sollte bei jedem Arztbesuch der Puls gefühlt werden.

Oft Bluthochdruck

Ein wesentliches Ziel der Behandlung des Flimmerns liegt laut Vogel im Vermeiden von Schlaganfällen. "Etwa 30 000 Schlaganfälle gehen in Deutschland pro Jahr auf Vorhofflimmern zurück", stellte er fest. Ursachen für Vorhofflimmern seien meist andere Krankheiten wie hoher Blutdruck (70 Prozent der Patienten), Herzklappenerkrankungen, Überfunktion der Schilddrüse und Lungenerkrankungen.

"Die beste Strategie ist die Behandlung der Grundkrankheit. Außerdem sollte Übergewicht abgebaut werden, da es das Risiko für Vorhofflimmern erhöht", informierte der Redner. Auch verschiedene Therapien wie Medikamente gegen Vorhofflimmern sowie operative und nicht-medikamentöse Verfahren wie Katheterablation erläuterte der Arzt. Elementar sei die Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten, um dem Schlaganfall vorzubeugen.

In seinem Vortrag ging Vogel auch auf lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen ein. "Jedes Jahr erliegen, je nach Definition, zwischen 65 000 und 200 000 Menschen, in Deutschland einem plötzlichen Herztod", machte er deutlich. Schutz vor dem plötzlichen Herztod könne beispielsweise ein Defibrillator bieten. Nach der Präsentation stand Vogel für Fragen der Zuhörer zur Verfügung.
Weitere Beiträge zu den Themen: 12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.