"Wenn wir Dich nicht hätten"

Ehrenamtlich und vor allem mit viel Freude bieten Rita Meiller (links) und Anneliese Fiedler (rechts) den Wernberg-Köblitzer Senioren ein ansprechendes Programm. Bild: Völkl

Sie sind die Jüngsten in der Runde, doch die Älteren sind froh, dass sie auf Anneliese Fiedler und Rita Meiller zählen können: Die beiden Seniorenbeauftragten sorgen für Tapetenwechsel.

Wernberg-Köblitz. (cv) Couragiert und engagiert leiten die gemeindlichen Seniorenbeauftragten ehrenamtlich die Seniorenkreise St. Anna und St. Josef.

Seit 2009 ist die 61-Jährige Rita Meiller, unterstützt von ihrem Mann und "Sekretär" Hermann Meiller, Ansprechpartnerin für die rund 60 Senioren, denen die Mischung aus Ausflugsfahrten und Vorträgen gut gefällt. Im Frühjahr und Sommer geht es zu Kirchen, in eine Bäckerei oder Stickerei, in den Wintermonaten gibt es einen Kaffeeplausch im Pfarrheim St. Anna mit Vorträgen und Unterhaltung.

Bei der 64-jährigen Anneliese Fiedler finden sich seit knapp zwei Jahren im Schnitt 40 Senioren im Oberköblitzer Pfarrheim ein, nahezu ausschließlich Frauen. Auch hier eine Mischung aus geselligen Fahrten und Kaffeetrinken mit Lesungen, Erzählcafé, Basteln oder Vorträgen zu Themen, die ältere Menschen interessieren. Kommen kann jeder. Wir stellten den beiden Frauen einige Fragen:

Was brauchen alte Menschen?

Anneliese Fiedler: Dass man sich für sie Zeit nimmt und ihnen Zuneigung und Liebe entgegen bringt. Alte Menschen brauchen Nähe, Berührung, jemanden, der auch zuhört.

Seniorenbetreuung - was hat sie daran gereizt?

Rita Meiller: Ich bin gesund, dafür bin ich dankbar und deshalb möchte mich für andere einbringen. Unnütz sein und nichts tun, das ist nicht mein Ding. So kann ich abends sagen, dass ich anderen eine Freude gemacht habe. Ich mag die alten Menschen, bemuttere sie gerne. Und von ihnen kommt so viel zurück.

Wie muss man als Seniorenbetreuer gestrickt sein?

Anneliese Fiedler: Senioren betreuen, das kann nicht jeder. Wir brauchen Geduld, wenn manches halt langsamer geht. Und wir müssen auch manche Eigenschaft, die vielleicht etwas strapaziös ist, einfach tolerieren können.

Was schätzen die Senioren an den Seniorenbeauftragten?

Rita Meiller: Ich hör oft "Rita, wenn wir Dich nicht hätten, dann kämen wir nirgends mehr hin". Unsere Senioren schätzen an uns die Ruhe und Geduld, die Organisation der Ausflüge und des Programms. Auch so Kleinigkeiten wie eine Einsteighilfe oder dass das Essen schon bestellt ist. Und sie freuen sich, dass sie einen Tag gehabt haben, über den sie was erzählen können, an dem sie was erlebt haben".

Die "Alten" gestalten ihren Ruhestand immer aktiver. Ändert sich damit auch das Konzept?

Anneliese Fiedler: Warum sollen wir etwas ändern? Unsere Teilnehmer - zwischen 70 und 90 Jahre alt - sind mit dem Programm zufrieden, freuen sich jedes mal darauf. Ich habe allerdings bewusst Aktiv-Bausteine eingearbeitet, damit die kleinen grauen Zellen in Bewegung bleiben.

Was fehlt in Kommunen mit immer älter werdenden Bürgern?

Rita Meiller: Sie brauchen eine unkomplizierte Anlaufstelle, jemanden, den sie spontan anrufen können, wenn sie zum Arzt oder auf die Bank müssen, einfach einen Fahrdienst. Wenn Senioren keine Angehörigen im Haus haben, sind sie oft wirklich aufgeschmissen. Man kann doch nicht jedes Mal das Taxi rufen.
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