Wer die Dirndl sehen will, muss am 3. Oktober zum Kommunbrautag kommen
Haute Couture trifft Zoigl

Letzte Anprobe im Atelier in Kirchendemenreuth: Zoiglkönigin Theresa Schönberger (rechts) strahlt übers ganze Gesicht, als sie in das maßgeschneiderte Dirndl von Eva Maria Enslein (links) schlüpft. Bild: mic

Wer die Dirndl sehen will, muss am 3. Oktober zum Kommunbrautag kommen. Dann tragen Theresa Schönberger und Sophia Windschiegl zum ersten Mal die wunderschönen Kleider, die ihnen Eva Maria Enslein auf den Leib geschneidert hat.

Neuhaus/Kirchendemenreuth. Der Blick einer Schneiderin ist besonders. Noch dazu einer, die seit Jahren Haute Couture fertig. Als Eva Maria Enslein im vergangenen Jahr auf dem Bierkulturfestival "The Leading Beers" in Amberg Zoiglkönigin Theresa Schönberger aus Neuhaus kennenlernt, kann sie nicht anders: "Das Mädchen braucht ein ordentliches G'wand", beschließt sie.

"Nicht, dass Theresas Dirndl nicht gepasst hätte", sagt sie. "Doch eine Zoiglkönigin muss repräsentieren, und da reicht ein Kleid von der Stange nicht." Schnell fasst sie den Entschluss, sowohl der Zoiglkönigin als auch der Zoiglprinzessin Sophia Windschiegl maßgeschneiderte Dirndl zu sponsern.

Eva Maria Enslein stammt aus Kirchendemenreuth. Vor 34 Jahren beschloss die damals 18-Jährige, in die Landeshauptstadt zu ziehen. Ein weiser Entschluss - mittlerweile ist "Enslein Haute Couture" in München ein Begriff, ihr Atelier im Glockenbachviertel eine sehr gute Adresse.

Mittags zum Zoigl

Das Handwerkszeug lernte Enslein in der Oberpfalz. "Ich habe meine Schneiderlehre in Windischeschenbach beim Schieder-Schneider gemacht", erzählt sie. Eigentlich wollte sie Schreinerin werden, doch die Mutter habe drauf bestanden, das wenigstens eines ihrer Kinder das Nähen lernt. Aus der Zeit in Windischeschenbach stammt auch ihre Liebe zum Zoigl. "Wir sind in der Mittagspause manchmal in eine Zoiglstube gegangen", erinnert sie sich. "Der Chef war darüber nicht begeistert."

Auch wenn ihr München ans Herz gewachsen ist, zieht es Enslein wieder zurück in die Heimat. Sie richtete sich im ehemaligen Postraum ihres Elternhauses in Kirchendemenreuth eine kleine Dorfschneiderei ein. "Jeder kann zu mir kommen. Immer montags von 10 bis 20 Uhr", sagt sie. Die restliche Woche verbringt sie in München. "Ich hoffe, dass mir der Spagat gelingt." Haute Couture trifft Oberpfalz.

"Schnell, schnell geht bei mir nicht", sagt Eva Maria Enslein. Bevor sie mit dem Nähen beginnt, möchte sie ihre Kunden kennenlernen. "Ein Kleidungsstück muss erarbeitet werden. Man muss sich aufeinander einlassen."

Handwerk in Farbe

Die Haute-Couture-Schneiderin kombiniert alte Handwerkskunst mit modernen Ideen. Die Bodüre an Theresas Kleid nennt sich Froschmäulchen. "Das ist eine alte Technik." Ihre Dirndl ("Eigentlich sagt man G'wand.") haben auch keine Reißverschlüsse, sondern nur Haken und Knöpfe. Von strengen, traditionellen Vorschriften bei Trachten hält Enslein nichts. "Ich mag's ausgefallen", sagt sie. Es schade auch nicht, die Dirndl auf Farbe zu trimmen. Ihr ist auch egal, auf welcher Seite die Schleife getragen wird. "Hauptsache es passt."

Am Freitag, 3. Oktober, dem Tag der Kommunbrauer, werden Theresa Schönberger und Sophia Windschiegl ihre neuen Dirndl das erste Mal in der Öffentlichkeit tragen. Die Zoiglkönigin und ihre Prinzessin zapfen um 10 Uhr am Marktplatz das erste Fass an. Eva Maria Enslein ist an diesem Tag wieder in München. Doch am Sonntag geht sie aufs Oktoberfest - im selbstgeschneidertem Steifmieder und Hut, ganz traditionell.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.evaenslein.de
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