Wert der wahren Freundschaft

Eine ungewöhnliche WG (von links): Uschi (Marie Gruber), Harry (Paul Fassnacht), Eckart (Hans-Uwe Bauer), Ricarda (Charlotte Schwab) und Philip (Walter Sittler). Bild: ARD Degeto/Martin Menke

Wie kann man in Würde altern, wie kommt man mit den ganzen Schwierigkeiten zurecht, die das Alter mit sich bringt? Was für eine Alternative zum Alleinsein und Versauern es geben kann, darum geht es in dem Film "Alleine war gestern", der heute um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen ist.

Fünf Damen und Herren um die 60, die miteinander befreundet sind, tun sich hier zusammen und ziehen gemeinsam in eine große Kölner Wohnung ein. Die hat Philip (Walter Sittler) von seiner Mutter geerbt, und nach 30 Jahren, die er als Arzt in Afrika zugebracht hat, kehrt er nun zurück.

Wer mit ihm einzieht? Die Psychologin Ricarda (Charlotte Schwab) ist genau die Frau, die Philip immer wollte, aber nie bekam - und wegen der er damals wegging. Dann sein Studienfreund Harry (Paul Faßnacht), ein Taxifahrer und eingefleischter Single; der trauernde Witwer Eckart (Hans-Uwe Bauer), der auch gleich den Grabstein seiner verstorbenen Frau mitbringt, und die fidel-flotte Fleischereifachverkäuferin Uschi (Marie Gruber).

Ohne Kitsch und Klischee

Alles okay soweit - außer der Tatsache, dass das Haus keinen Fahrstuhl besitzt, die Treppen sehr steil sind und die Wohnung im ersten Stock liegt. Zunächst geht ja alles einigermaßen gut, doch dann erleidet Uschi einen Schlaganfall, ist halbseitig gelähmt, kann kaum noch sprechen und wird zum Pflegefall.

Harry wird das alles zu viel und zieht aus, Eckart erstickt ohnehin schon fast an seiner eigenen Trauer, und auch die anderen fühlen sich alsbald überfordert. Als Uschi fast die Treppe hinunterstürzt und das Haus in Brand setzt, entscheidet sie sich für den Umzug in ein Pflegeheim.

Der Film zeigt das alles ganz genau, angefangen von den kleinen Reibereien im Alltag (Zigarettenkippen im Blumentopf, vertauschte Zahnbürsten, offener Toilettendeckel, Verschimmeltes im Kühlschrank) bis hin zu dem Eingeständnis, dass so viele ganz eigene Charakterköpfe unter einem Dach sich immer wieder neu zusammenfinden müssen. Drehbuchautorin Beatrice Meier hat ihren gleichnamigen Debütroman fürs Fernsehen etwas umgeschrieben, und gemeinsam mit Regisseurin Dagmar Seume setzt sie dabei auf eine berührende und klischeefreie Mischung aus etwas Melancholie und viel Leichtigkeit.

Die Schauspieler geben ihren Figuren reichlich Glaubwürdigkeit, insbesondere Marie Gruber spielt die gelähmte Uschi mit großer Intensität, von enervierender Fröhlichkeit bis hin zur völligen Verzweiflung. Ihre Figur ist nicht nur der Katalysator, sondern auch ein ganz wesentlicher Bestandteil der Geschichte.

Hilfe holen keine Schande

Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur sagt Walter Sittler (62) zum Thema Freundschaft: "Man muss sich immer wieder versichern, dass man sich wohlgesonnen ist. Das muss man im Freundeskreis und natürlich mit Partnern auch machen, freundlich sein und möglichst oft seine Zuneigung erklären. Man sollte sich einfach gegenseitig versichern, dass man miteinander sein will. Damit kann man auch Klippen besser überwinden. Auch ein Streit muss auf der Basis von Zuneigung geschehen. Es ist keine Niederlage, sich Hilfe zu holen - das gilt insbesondere für Männer. Ganz im Gegenteil, das ist eine kluge Entscheidung."

Die realitätsnahe Tragikomödie greift ein aktuelles Thema auf und zeigt, dass es durchaus Alternativen zu einem Leben im Heim gibt - zumindest solange, wie alle von schweren Krankheiten verschont bleiben. Aber er erzählt auch vom hohen Wert der wahren Freundschaft, von Liebe, Zuneigung - und einfach füreinander da zu sein. Und er zeigt eben auch, dass der Mensch manche Dinge im Leben offenbar nie begreift - oder erst dann, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat.
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