Werte nicht im Supermarkt kaufen

Pfarrvikar Dr. Jacob Kudilumgal. Bild: mez

Vier Jahre war Pater Jacob in der Seelsorgeeinheit zusammen mit Pfarrer Markus Bruckner tätig. Am Sonntag, 23. August, verabschieden die Pfarrgemeinden Kulmain und Immenreuth Pfarrvikar Dr. Jacob Kudilumgal mit einem Gottesdienst und einer Feier in der Mehrzweckhalle.

Pater Jacob erzählt von seinem Leben, über Eindrücke während seiner Zeit als Pfarrvikar in Immenreuth und gibt einen Einblick in seine Zukunft.

Pater Jacob, was fällt Ihnen spontan zu Ihrer Zeit als Pfarrvikar in Immenreuth und Kulmain ein?

In beiden sehr aktiven Pfarreien gibt es ein intaktes und harmonisches Zusammenleben. Ich erinnere an den KAB-Weihnachtsbasar in Immenreuth, zu dem nicht nur Mitglieder aus den beiden Pfarreien kommen, oder auch an die monatlichen Seniorennachmittage in Kulmain, die Arbeit der Pfadfinder dort und vieles mehr. Das ist leider nicht überall in Deutschland so. Dies ist deswegen ein sehr hohes Gut und es ist umso mehr hervorzuheben, wie gut es hier vor Ort läuft.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Die Menschen, die hier leben und arbeiten. Das sind für mich einerseits die vielen Ehrenamtlichen mit denen ich zusammen arbeiten durfte und zu denen ich großes Vertrauen habe. Wie Sie wissen, bin ich aber auch ein leidenschaftlicher Spaziergänger und habe hier das Gespräch mit den Bürgern, die ich auf der Straße traf, ganz bewusst gesucht. Solche Unterhaltungen haben mich immer erfreut und mir persönlich oft sehr gut getan.

Wie war die Zusammenarbeit mit Pfarrer Markus Bruckner, den Pfarrgemeinderatsgremien, sowie den kirchlichen Institutionen?

Die war super. Pfarrer Bruckner ist in vielen Bereichen der gleichen Meinung wie ich. Er ist aber auch offen für andere Ansichten und akzeptiert diese auch. Die Pfarrgemeinderatssitzungen waren immer sehr locker und entspannt. Die Bereitschaft in beiden Gremien sich zu engagieren ist sehr hoch. Ich erinnere hier nur an die Primiz, die ich in Kulmain mitfeiern durfte. Das Engagement des gesamten Ortes war vorbildlich und man merkte den Leuten ihre ehrliche Freude am gemeinsamen Pfarrleben an.

Was war Ihnen bei Ihrer Arbeit als Seelsorger besonders wichtig?

Ich erinnere gerne an das Johannesevangelium, wo geschrieben steht: "Ich kenne die meinen und die meinen kennen mich." Dies soll im Grunde nichts anderes heißen, dass ich stets viel Wert auf den Kontakt mit den Menschen in beiden Orten legte. Und zwar bei allen möglichen Gelegenheiten, die sich mir boten. Sei es auf Festen, Veranstaltungen oder beim Spazierengehen. Ich wollte mich dabei nie aufdrängen, aber jedem die Gelegenheit geben, sich auszutauschen.

Woraus schöpfen Sie persönlich Ihre Kraft für Ihr Wirken?

(lacht) Ganz einfach, aus der Überzeugung, die ich aus dem Glauben schöpfe. Diese stärke ich durch mein tägliches persönliches Gebet und aus der Feier der Liturgie. Auch tausche ich mich regelmäßig mit meinen Mitbrüdern meines Ordens "Vincentian Congregation" aus. Unser Orden ist zwar der zweitgrößte Orden indischen Ursprungs, zählt aber gerade mal rund vierhundert Priester. Mit denen im Bistum Regensburg ansässigen Mitbrüdern tausche ich mich dank Internet und Telefon regelmäßig aus über die tägliche Arbeit und Aufgaben. Auch hier merke ich oft, wie gut beide Pfarreien hier vor Ort aufgestellt sind.

Wie sehen Sie die Zukunft unserer Kirchen in Deutschland, besonders hier bei uns?

Es ist nicht alles so negativ, wie es viele sehen. Es gibt nicht nur bei den Kirchen, sondern überall im Leben ein Auf und Ab. Ich kann nur dazu animieren das Positive zu sehen. Vor allem viele junge Menschen suchen den Weg zu Gott - mehr als viele denken, auch hier vor Ort. Viele Lebenserfahrungen, darunter leider auch Schicksalsschläge, bringen den Menschen oft zum Nachdenken und Innehalten. Wer dabei aber denkt, Glaube ist ausschließlich Privatsache, der irrt. Denn dieser unterschätzt die Kraft und Dynamik, die sich erst in einer Gemeinschaft entwickeln kann. Ein guter Sänger braucht ein Publikum, ein guter Gärtner einen Garten, den alle sehen können - kurz: Der Glaube hat auch eine soziale Dimension, die sich in der Gemeinschaft ausdrückt.

Welche Tipps würden Sie uns als Kirche für die Zukunft geben?

Familienarbeit und die Erziehung von Kindern. Sie sind unsere Zukunft. Sicher war dies früher einfacher, da die Kirche mehr im Mittelpunkt des Lebens stand. Der Pfarrer im Ort war nicht nur in Deutschland eine hohe Respektsperson. Bei uns in Indien war er im Ort der einzige Gelehrte, der Englisch konnte und somit jemanden ein Telegramm, dass immer in englischer Sprache übermittelt wurde, vorlesen und übersetzen konnte. Auch suchte man früher öfter Rat bei einem Geistlichen. Heute ist vor allem in Deutschland der Wohlstand hoch und man denkt, man hat ja alles. Da geht der Glaube und das Bewusstsein an das Wesentliche schnell verloren. Die Weitergabe von christlichen Grundtugenden wie Demut, Geduld oder Fleiß kann man nicht im Supermarkt oder im Internet kaufen, man muss sie vorleben.

Was können wir in Immenreuth/Kulmain noch besser machen, was sollten wir uns abgewöhnen?

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Pfarreien weiter verstärken und den Weg in die Zukunft gemeinsam voranschreiten. Hier gibt es schon viele positive Beispiele anhand gemeinsamer Ausflüge und Veranstaltungen, wie meine Verabschiedung am Sonntag in Immenreuth und die Begrüßung meines Nachfolgers in Kulmain. Mir fiel in den letzten vier Jahren erfreulicherweise auf, dass vor allem junge Familien mit der Seelsorgeeinheit kein Problem haben und den Gottesdienst besuchen. Die Ministranten machen es uns hier eigentlich vor. Als ich vor kurzem einige fragte, was der Aufdruck "Kulmarad" auf deren Trainingsjacken bedeute, teilten sie mir stolz mit, dass so beim Fußball die neue Spielgemeinschaft zwischen den beiden Sportvereinen Kulmain und Immenreuth gerufen wird.

Wie und wo genau geht es ab September für Sie persönlich weiter?

Ich werde in der gleichen Funktion wie Pfarrer Markus Bruckner hier als Pfarradministrator in der rund 1200 Seelen zählenden Gemeinde Weng in Niederbayern meinen Dienst antreten. Dies ist zwar ein kleiner Ort zwischen Landshut und Dingolfing, hat aber eine große Kirche und fünf Kapellen in denen regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Auch ich möchte mich bereits an dieser Stelle bei allen Gläubigen für meine Zeit in Kulmain und Immenreuth mit einem herzlichen "Vergelt's Gott" bedanken und wünsche ihnen allen für die Zukunft ebenso alles Gute.
Weitere Beiträge zu den Themen: Pater Jacob (1)August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.