Widerstand schnell gebrochen

Am Egerer Marktplatz ist am Samstag der "Kampf uns Egerer Rathaus" nachgestellt worden, wie das Spektakel zum 70. Jahrestag des Kriegsendes überschrieben war. Bild: gjb

Die gezeigten Kampfhandlungen sind historisch nicht ganz korrekt: Im richtigen Leben wird der fanatische Standortkommandant Major Geißler von einer amerikanischen Gewehrkugel getroffen. Wenig später erklärt Bürgermeister Janka die Kapitulation der Stadt.

(gjb) Das Egerer Rathaus wird somit vor 70 Jahren ohne Widerstand von der 1. Infanteriedivision der USA besetzt (wir berichteten). Anders am Jahrestag des Siegs der amerikanischen Armee am 25. April 1945 am vergangenen Samstag: Die "Kampfhandlungen" am Marktplatz mit der "Eroberung" des Rathauses bilden das spektakulärste Ereignis der Gedenkfeiern: Auf dem Marktplatz Soldaten der Wehrmacht, außerdem Zivilpersonen, gekleidet nach der Mode der Kriegsjahre. Über dem Eingang zum Rathaus der Hinweis "Eingang zum Luftschutzraum".

Daneben sind in einem Schaukasten die Verordnungen des Stadtkommandanten zu lesen. Die Zuschauer hinter den Absperrungen am Marktplatz hören immer deutlicher die Schüsse: In aller Eile werden belastende Dokumente der Gestapo aus dem Rathaus geworfen. Passanten müssen diese Papiere einsammeln und zu einer Feuerstelle bringen. Trotz der aussichtslosen Lage werden alle Männer im Alter von 16 bis 60 Jahren als "Volkssturm" rekrutiert und mit einfachen Gewehren ausgerüstet. Damit sollen sie die Amerikaner aufhalten, die schon von Norden her durch die Steinerne Gasse kommen. Als die Panzer auf dem Marktplatz erscheinen, ist der Widerstand sehr schnell gebrochen. Alle Männer des "Volkssturms" haben in diesem aussichtslosen Kampf ihr Leben verloren.

Parade der Militärfahrzeuge

Erst jetzt kommen die Verantwortlichen des Nazi-Regimes mit einer weißen Fahne und erhobenen Händen aus dem Rathaus. Der Kampf ist vorbei und das Rote Kreuz kann sich um die Verletzten kümmern. Die amerikanischen Militärfahrzeugen formieren sich zu einer Parade und können besichtigt werden.

Mit dieser szenischen Gestaltung können sich die Zuschauer recht gut vorstellen, wie die Situation am Ende des Krieges, auf den Tag genau vor 70 Jahren in Eger war - eine sehr anschauliche und auch beeindruckende Darstellung. Es ist gut, dass sich die heute tschechischen Einwohner von Cheb für die Geschichte der Stadt interessieren. Große Anerkennung verdient auch, dass hier nicht - wie in vielen Filmen über diese Zeit - die Deutschen lächerlich gemacht werden. Stattdessen zeigten die sinnlosen Opfer des Volkssturms, wie für die ehemaligen Bürger der Stadt das Kriegsende schon lange erwartet und sicherlich auch notwendig, vor allem aber doch sehr bitter war.
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