"Wie cool, endlich Flüchtlinge"

"Wir wollen diese Kinder aufnehmen": Das ist die klare Aussage der Präsidentin des Lehrerverbandes zu den jungen Flüchtlingen. Dazu wird eine Menge Geld benötigt. Die Schüler sehen die Problematik ohnehin ganz locker.

"Kein Vortrag ohne Flüchtlingsproblematik", sagt seufzend Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) bei der Schulleitertagung am Freitag in Paulsdorf. Die Kastlerin leitete bis vor kurzem eine der größten Grund- und Mittelschulen des Freistaats und kennt die Probleme vor Ort. Vergangene Woche hatte Fleischmann Gelegenheit, dem Ministerpräsidenten, der sich vor der Kabinettsentscheidung am Freitag auch über die Lage an den Schulen informieren wollte, die Sicht des BLLV näher zu bringen.

"Integration geht nur vor Ort", habe sie vermitteln wollen. "Sollte es so kommen, dass dieses fette Fass von Mitteln, das Seehofer versprochen hat, mit 1000 Stellen, die nicht woanders weggenommen werden, kommt, werde ich das loben." Schließlich habe schon die Drohung im Raum gestanden, Kapazitäten ausgerechnet von den Förderschulen abzuziehen. Aber selbst wenn diese Verstärkung kommen sollte, sei immer noch entscheidend, wie sie verteilt würde. "Was nutzt uns der fette Topf, wenn das alles ein Mann, Dr. Geiger, verwaltet?", glaubt die Präsidentin nicht an den Segen zentralistischer Entscheidungen. "Wie wird jetzt ein fetter Topf so verteilt, dass wir es vor Ort spüren?"

Viele Traumatisierungen

Fleischmann habe versucht, Seehofer die Lage der Schulleiter vor Augen zu führen: "Wenn ein Flüchtlingsvater mit seinen beiden Kindern zu mir kommt, hätte ich rechtlich die Möglichkeit, sie wegzuschicken und zu sagen, kommt in drei Monaten wieder", erläutert sie die Situation. "Aber könnten Sie das? Sind wir Lehrer, damit wir das tun?", fragt sie rhetorisch in die Runde.

"Du schaust die zwei Kinder an, und denkst: am besten gleich jetzt in den Deutschunterricht." Und dann habe sie bemerkt, wie schwierig das noch werden könne: "Ein Kind wollte meine Hand nicht nehmen, das andere wollte nicht, dass man die Tür zumacht." Traumatisierungen, die künftig viel Betreuungsaufwand erfordern würden. Das alles trägt Fleischmann aber nicht mit dem Tenor vor, man wolle sich dieser Herausforderung verweigern, im Gegenteil: "Wir sind rein in die 2c und die Schüler sagen, ,wie cool, endlich kriegen wir auch welche'", freut sich die Pädagogin über die Offenheit ihrer Schützlinge. "Die Spitze des Freistaats soll wissen, wir wollen diese Kinder aufnehmen."

Aber der Mehraufwand werde Geld kosten: "Wir fordern 125 Millionen Euro im Nachtragshaushalt für 2016." Keine spekulative Zahl sei das. Man rechne tatsächlich mit 50 000 Flüchtlingen, woraus sich die Notwendigkeit von 2500 Stellen ableite: "Die kosten so viel."

Nicht in Akten "ersaufen"

Ob es gelinge, die Flüchtlingskinder zu integrieren, hänge auch davon ab, ob der Freistaat bereit sei, auf bürokratische Rituale zu verzichten: "Wir haben gesagt, keine Evaluation dieses Schuljahr", fordert die Präsidentin. "Ich kann nicht in Akten ersaufen, wenn ich was ganz anderes tun müsste." Viele im Kultusministerium wüssten, dass die Schulleiter gezwungen seien, eine doppelte Statistik führen, damit die gewünschten Ergebnisse herauskämen. "Trauen Sie den Schulleitern endlich selbst zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen", verlangt sie mehr Vertrauen in die Kompetenz vor Ort.
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