Wie gnadenlos der Verbraucher abgespeist wird - Produkte unter die Lupe genommen
An einem Tag 94 Würfelzucker

Die Inhaltsstoffe in Nahrungsmitteln beleuchtete Sebastian Wurmdobler, pastoraler Mitarbeiter beim Kolping-Diözesanverband in Regensburg. Bild: hm
Pfreimd. (hm) Von der Optik darf sich der Verbraucher nicht in die Irre führen lassen: Sebastian Wurmdobler, pastoraler Mitarbeiter beim Kolping-Diözesanverband, zeigte auf, "was wirklich in Produkten drin ist".

Pferdefleisch in Lasagne, mit Keimen belastete Erdbeeren aus China - diese Themen beherrschten die Schlagzeilen. "Wir sollten hinterfragen, was wir essen" meinte Kolpingvorsitzender Alfred Hammer bei der Begrüßung des Referenten im Pfarrsaal. Kolpingsfamilie und Frauen-Union hatten zum Vortrag "Wie wir abgespeist werden - Irreführung bei Lebensmittel" eingeladen.

"Die Aktualität zeigt, dass wir gnadenlos abgespeist werden", betonte Wurmdobler. Schuld daran seien die Verbraucher, die alles so billig haben wollen. Mit einem riesigen Sortiment an Lebensmitteln veranschaulichte der Referent seine Ausführungen. Die Manipulation der Kunden beginnt bereits bei der Form des Einkaufswagens, der wegen seiner Größe dem Kunden das Gefühl gibt, noch sehr wenig eingekauft zu haben. Die Supermärkte haben das Einkaufsverhalten der Konsumenten genau studiert und "Bremszone, Einkaufsweg nach links, teure Markenprodukte auf Augenhöhe und entsprechende Musik" genau auf die Verbraucher ausgerichtet, um die Kauflust zu steigern. Sebastian Wurmdobler ging näher auf die einzelnen Produkte ein. Die mit "Natur, Sport und Intelligenz" beworbenen Produkte werden von den Verbrauchern besonders gerne gekauft. Besonders Geschmacksverstärker sind in Tütensuppen und Fertigprodukten oft unter anderem Namen versteckt.

Lebensmittel für Kinder sind zum Teil wahre Fett- und Zuckerbomben. Nachdenklich machte der Referent die zahlreichen Besucher als er schätzen ließ, wie viel Zucker der Konsument zu sich nimmt, wenn er zum Frühstück 30 Gramm Frühstücksflocken, vormittags einen Becher Fruchtjoghurt, mittags Nudeln mit Ketchup und Salat und eine Reihe Schokolade isst. Werden nachmittags ein Müsliriegel, Fruchtmilch und nach dem Abendessen eine Handvoll Gummibärchen neben einem Liter Eistee oder Spezi konsumiert, kommt man auf 94 Würfelzucker. Nach einer Kostprobe mit Erdbeerjoghurt aus dem Kühlregal und selbstgemachten Erdbeerjoghurt stellte der Referent fest, dass im gekauften Erdbeerjoghurt nur "eine Erdbeere und 6 Würfelzucker", im selbst gemachten 5 Erdbeeren und kein Zucker vorhanden ist.

Die Lebensmittelbranche gibt im Jahr 2,8 Milliarden Euro für Werbung aus, erläuterte Wurmdobler. Dabei setzen die Werbefachleute auf "bio, light, natürlich, gesund, traditionell, artgerecht und regional" um Kunden zu gewinnen. Mit diesen Begriffen haben die Produkte aber in den meisten Fällen wenig zu tun.

Frauen-Unionsvorsitzende Brigitte Hammer bedankte sich beim Referenten Sebastian Wurmdobler für den informativen Abend und riet den Anwesenden, ab jetzt genauer das Kleingedruckte zu lesen.
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