Wie mag eine
Oper wie zu Herzogs Zeiten

Michael Kämmle dirigierte die Musiker sehr bewegt. Im Vordergrund ist Frau Musica (Franziska Lottner) zu sehen. Bild: cog
Opernaufführung am Hofe von Herzog Christian August ausgesehen und geklungen haben? Welche Melodien, welche Themen haben den Menschen vor 350 Jahren gefallen? Die Städtische Sing- und Musikschule brachte "Amoena und Amandus" auf die Bühne und zeigte damit ein Werk wie im Barock.

Sulzbach-Rosenberg. (cog) Michael Kämmle ist Flötenlehrer an der Sing- und Musikschule und Fachmann für Alte Musik. Er hatte aus Motiven des Hirtenromans "Amoena und Amandus" von 1632 mit Melodien von barocken Komponisten wie Sigmund Theophil Staden und Johann Erasmus Kindermann eine Oper geschrieben und mit einem großen, begeisterten Ensemble einstudiert. Sechs Solosängerinnen, der Frauenchor Herznote, ein Orchester und drei Sprecher präsentierten die Geschichte der lieblichen Amoena, die vom Hirten Amandus geliebt wird.

Elfjährige problemlos

Als Komponist Johann Löhner dirigierte Kämmle das Orchester und die Sängerinnen, außerdem erzählte er mit Hofkanzler Christian Knorr von Rosenroth (Günter Haller) und Fama (Felicitas Groth) die Handlung. Vor allem Kämmle und Groth gelang es, die komplizierten Satzperioden transparent zu machen. Es war beeindruckend zu hören, dass gerade das erst elfjährige Mädchen auch die schwierigsten Wörter mit lächelnder Selbstverständlichkeit vortrug.

Marlene Dorfner (Amoena), Elisa Prösl (Amandus), Franziska Lottner (Frau Musica), Bianca Babl (1. Gefährtin), Stefanie Heckmann (Philippus) und Katrina Heckmann (2. Gefährtin) überzeugten mit frischen, süßen Stimmen und sicherem Verständnis. Der Frauenchor gab dem Stück mit Liedern über List und Liebe noch zusätzliche Aussagekraft.

Eine wahre Freude war das Orchester. Die Junge Sulzbacher Hofmusik bestand aus 14 Instrumentalisten vom Kind bis zum Profi und war mit Blockflöten, Geigen, Cello, Fagott, Theorbe, Orgel und Cembalo ungewöhnlich besetzt. Die Jüngsten hatten einfachere Stimmen und wurden von den Profis an Orgel, Cembalo und Theorbe getragen. Kämmle dirigierte bewegt und inspiriert. So waren die alten Melodien farbig und lebendig. Sie malten die liebliche Natur, aber auch den Liebesschmerz des Schäfers. Schön war das Echo, als Flötistinnen hinten im Saal standen, die Klänge der Spieler auf der Bühne aufnahmen und zurückspielten. Ein Augenschmaus war das Stück durch die prächtigen Kostüme, die Sophia Ritz, die Kostümbildnerin der Knorr-von-Rosenroth-Festspiele, für die Akteure geschneidert hatte.

Das Leid hat ein Ende

Schließlich fand das Liebesleid ein Ende. Amoena und Amandus fielen sich in die Arme. Das Publikum applaudierte stürmisch. Die Aufführung war Teil des Rahmenprogramms der Knorr-von-Rosenroth-Festspiele. Deshalb überreichte Steffen Weber, Leiter der Städtischen Sing- und Musikschule, den Akteuren keine Blumen, sondern je eine Freikarte. Zudem wurde das süffige Knorr-von-Rosenroth-Bier kredenzt.

Wer die Aufführung von "Amoena und Amandus" verpasst hat, kann das Opernpasticcio am Sonntag, 28. Juni, um 11 Uhr im Kulturschloss Theuern erleben.
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