Wie sich Demenz äußert - Tests zeigen Grad der Krankheit
Wenn der Geist geht

Dr. med. Jens Trögner. Bild: hfz
Pfreimd. Die Amerikaner haben Angst vor Übergewicht, die Brasilianer vor schlechterem Sex, die Inder vor grauen Haaren und die Deutschen befürchten Gedächtnis-schwund. Der Begriff "Demenz" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "ohne Geist". Dr. med. Jens Trögner, Chefarzt für Geriatrie am Klinikum St. Marien in Amberg, stellte zu Beginn seines Vortrages "Demenz - Daten und Fakten" den über 60 Zuhörern im Pfarrsaal die Ängste vor, die verschiedene Völker bei dem Gedanken an das Alter beschleichen.

Von Demenz kann jeder betroffen sein. Allerdings steigt die Häufigkeit mit zunehmendem Alter kontinuierlich an. Aber, und das ist erfreulich, von allen bei Personen mit einem Alter von 90 Jahren und mehr leiden 70 Prozent nicht an Demenz. Eine weitere erfreuliche Tendenz ist, dass zwischen den Jahren 1990 und 2000 Demenz spürbar rückläufig war.

Folge der Demenz sind eine Reihe von Störungen wie Gedächtnisverlust, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Auftreten können allerdings eine gestörte Tiefenwahrnehmung sowie der Verlust der Gesichts- und Personenerkennung. Eingehende Untersuchungen haben gezeigt, dass schon Monate vor der Diagnose "Demenz" Veränderungen der Persönlichkeit wie sozialer Rückzug, Depression, gestörter Schlaf-/Wachrhythmus bis hin zu Suizidgedanken zu beobachten sind. Es gibt Tests, den Grad der Erkrankung abzuschätzen.

Die Frage, ob die Demenz behandelbar ist, kann laut Dr. Trögner mit einem schwachen "ja" beantwortet werden. Medikamente können den Verlauf der Krankheit verzögern, aber es gibt keine grundsätzliche Heilung. Auch die Frage, ob man selbst vorbeugend gegen die Krankheit etwas unternehmen kann, darf man vorsichtig mit "Ja" beantworten. Grundsätzlich gilt es, die internistischen Basiswerte wie Blutdruck, Gewicht und Blutwerte im Auge zu behalten. Häufige Bewegung und ständige geistige Betätigung sind leicht zu leistende Vorbeugungsmaßnahmen.

"Unbestritten ist: zuerst leidet der Patient, dann die Umgebung", betonte Dr. Trögner. Deshalb müssen sich die Angehörigen eines Erkrankten auf die Situation einstellen: "Widerstand hilft nicht. Klare Sprache, keine Reizüberflutung, keine - sinnlosen Diskussionen, Anschuldigungen überhören und ähnliches helfen die komplizierte Situation zu entspannen".
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