Wieder ein Ort der Ruhe

Vor einem Jahr wurde in der Kalvarienberg-Kapelle ein Gästebuch aufgelegt, in das Gläubige ihre Gebetsbitten eintragen können. Auch der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick hat dies 2014 getan, im Beisein von Pater Samuel Patton. Bild: loo

Die Regentropfen, die auf die rechte Dachhälfte fallen, fließen über die Donau ins Schwarze Meer. Die, die auf der linken Dachhälfte landen, über den Rhein in die Nordsee.

Hoch oben über dem Ort mitten auf dem geometrischen Vermessungspunkt der europäischen Wasserscheide thront die Kalvarienberg-Kapelle. Zahlreiche Besucher und Wanderer zieht es dorthin. Und viele von ihnen verweilen, die Ruhe und die wunderschöne Aussicht genießend, in der Kapelle, die erst vor einigen Jahrzehnten innen hergerichtet und renoviert worden ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg war sie nämlich komplett ausgeraubt worden.

Für die Jugendlichen, die damals an einem grauen Novembermorgen bei der Feldarbeit das ausgeraubte Gotteshaus entdeckten, war das ein Schock: Das Altarbild war herausgeschnitten, viel Wertvolles gestohlen, alles verwüstet, die kunstvollen Ornamente an den Bänken abgesägt. Aber es kam noch schlimmer: Die amerikanischen Truppen nutzten die Kapelle als Verpflegungsstation, schürten Feuer in den großen Ölöfen und kochten. Total vermüllt haben die GIs das Gotteshaus oft hinterlassen.

Dessen Ursprung liegt in einem der düstersten Kapitel der europäischen Geschichte, in den Pestjahren des 17. Jahrhunderts. Es gab nur 26 Überlebende dieser Epidemie in Thurndorf. Zum Dank dafür, diese Katastrophe überlebt zu haben, vielleicht aber auch zur Verarbeitung dieser Ereignisse wurde eine Kreuzigungsgruppe auf dem Kalvarienberg errichtet. Erst 1797 wurde daraus eine Kapelle. Wer dort am 14. September, dem Fest der Kreuzerhöhung, und am 25. März (Verkündigung des Herrn), betet und den Gottesdienst mitfeiert, dem wird sogar - päpstlich garantiert - das Gewissen erleichtert.
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