Wieder seltene Klänge

Countertenor Karsten Henschel (Mitte), Hannes Gasteiger (Violone, rechts) und Anna Zauner-Pagitsch (Barockharfe) überzeugten auf der ganzen Liunie. Bild: tie

Im letzten der Hofer Konzerte 2015 erklang unter dem bemerkenswerten Titel "Two loves I have" englische Musik des 17. Jahrhunderts. Allmählich scheint die Burgkapelle in Hof am Regen zur Stätte der Begegnung mit Musik in ausgeklügelter seltener Besetzung zu werden.

War es vor zwei Wochen eine Soiree mit Baryton, Viola d'Amore und Wiener Kontrabass, erklangen am vergangenen Samstag musikalische Kostbarkeiten für Gitarre und Violoncello. Dieses Mal stand "Englische Musik des 17. Jahrhunderts" auf dem Programm, gesungen von dem Countertenor Karsten Henschel, gespielt vom "Delirio Amoroso", nämlich Hannes Gasteiger (Violone) und Anna Zauner-Pagitsch (Barockharfe).

Frühlingsgefühle

Schon im ersten Musikstück, der "Fantazia I" von John Hilton, zog die ungewohnte Klangmischung von Kontrabass und Gitarre die Zuhörer in der ziemlich vollen Kapelle in ihren Bann. Das nächste Stück "Fire! Fire!" von Nicholas Lanier präsentierte die hohe Stimmgewalt des Countertenors in bester Weise. Ebenso erklang das folgende Lied "Come away, come sweet love" von John Dowland in glänzender Stimmführung, der Aussage entsprechend. Lobenswert, dass der Sänger die englischen Verse vor der Gesangsversion in deutscher Übersetzung vortrug.

Dann ein Duo für Bass und Harfe, jetzt beide mit Pizzikato. Henry Purcell lässt nämlich in "Now the Night" keine gehaltenen Töne zu. Wieder der Sänger. Er präsentierte "It was a Lover and his Lass" von Thomas Morley als lustige Frühlingsgefühle zweier Liebender. Erneut im Pizzikato setzten die beiden Instrumentalisten mit Henry Purcells "The Plaint" das Programm fort und bewiesen, dass man eine wirkungsvolle Melodie auch durch gemeinsames Zupfen erzeugen kann.

Mit fester Stimme

Das nächste Lied vermittelte dem Abend sein Thema: "Two loves I have" wurde im Text näher dargestellt "of comfort and despair". Und genau zwischen Trost und Verzweiflung war die musikalische Stimmung gemäß William Shakespeare (Sonett 144) angesiedelt, die Karsten Henschel eindrucksvoll herüber brachte. Das nächste Pizzikato-Stück, die "Fantasia 2" von Henry Purcell, erzeugte weitere Stimmungsschwankungen.

Mit ruhiger fester Stimme sang der Countertenor "Now more shall meads" von Nicholas Lanier. "Semper Dowland semper Dolens", ein Solostück für Harfe, schwankte zwischen Traurigkeit und Opposition dagegen. "Sweete stay a while" sang Karsten Henschel engagiert. Das bezog sich vielleicht auch auf die folgende Pause. Danach ging es ebenso abwechslungsreich weiter. Darunter etwa "The Broken Consort Suite I" von Matthew Locke, worin dem Bass langgezogene Melodietöne erlaubt werden, bis er dann doch wieder eine Harfenmelodie mit Pizzikato begleitete. Thobias Humes Lied "Five knacks for Ladies" handelt von der Einstellung der Frau zum Geld. Beschwingt optimistisch auch sein nächstes Lied "Tobacco", das zum Rauchen eine andere Haltung als heute üblich vertritt.

Das "Air" von Henry Purcell bescherte schließlich dem Bassisten ein atemraubend schnelles Solo, das endgültig von seinem enormen Können überzeugte. Das Lied "Flow my Tears" von John Dowland erzeugte melancholische Stimmung. Herbststimmung in Natur und menschlichem Alter verbreitete das "Sonett 73" von Shakespeare: "That time of year thou mayst in me behold". Von Henry Purcell ertönte schließlich "Sweeter than roses", einerseits melodiös, andererseits der Singstimme etliche virtuose Ausbrüche abverlangend.

Als Zugabe gab es einen Wunsch. "Come again" von John Dowland ist eine sehnsuchtsvolle Bitte - und so wie sich die Stimmung bei den Zuhörern entwickelt hatte, würden sie sich wohl auch ein Wiederkommen der Künstler gut vorstellen können.
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