Wiedervereinigung der Herzen

Die Schauspieler Marcus Mittermeier, Sophie von Kessel und Benjamin Sadler (von links) bei den Dreharbeiten des ZDF-Films "Zwischen den Zeiten". Der Streifen erzählt eine Dreiecksgeschichte vor dem Hintergrund deutsch-deutscher Geschichte. Bild: dpa

Verrat, Erpressung, Stasi, Liebe, Schuld: In dem TV-Drama "Zwischen den Zeiten" werden große moralische Fragen aufgeworfen. Der Fernsehfilm wird passend zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am Sonntag um 20.15 Uhr im ZDF gezeigt.

Sophie von Kessel spielt die westdeutsche Ingenieurin Annette, die mit ihrem Team am Fraunhofer-Institut die Rekonstruktion zerrissener Stasi-Akten vorantreiben soll. Dabei stößt sie auf ein Foto ihrer Jugendliebe Michael. Sie hatte ihn einst auf einer Klassenfahrt in die DDR kennengelernt. Doch seine Flucht in den Westen scheiterte, die Staatssicherheit fing ihn ab. Annette fühlt sich schuldig und sucht im Rückblick nach Erklärung: "Ich hatte nichts als Angst, ich war 17."

"Erlebbare Geschichte"

Sie geht auf eine Achterbahn der Gefühle, als sich die Ingenieurin und der Arzt Michael wieder begegnen. Schnell ist klar: Nichts lässt sich mehr beiseiteschieben. "An der Figur ist vieles nachvollziehbar - das ist eine sensible, dünnhäutige Frau, die mit den Schuldgefühlen in ihrer Biografie kämpft", sagte die 46-jährige von Kessel beim Dreh.

Schauspieler Marcus Mittermeier, Film-Partner von Annette, ist eins mit dem Film: "Wir haben Geschichte erlebbar gemacht." Er habe zuvor wenig über die DDR-Staatssicherheit gewusst und nun viel gelernt. Der 45-Jährige sagt: "Wir müssen die Vergangenheit weiter aufarbeiten - dann wird auch das Zusammenleben besser."

Benjamin Sadler spielt Michael, der vom Opfer der Staatssicherheit zum Spitzel wird. Die Rolle habe viele Fragen für ihn aufgeworfen, so der 43-Jährige. Eine davon: Wie hätte man sich selbst verhalten, wenn es ums Überleben geht? Der Schauspieler zeigt sich beeindruckt von Menschen, die in den Knast kamen, weil sie Nein zur Stasi sagten.

Auch wenn der Schluss des Streifens etwas plakativ daherkommt, gibt es doch nachdenkliche Zwischentöne. So verachtet sich Michael für seine damalige Stasi-Verpflichtung: "Ich bin der Letzte, der mit mir zu tun haben will." Und sein Vater sagt bitter: "Die Macht der Stasi war das Schweigen."

Der Streifen greift auch die Vermutung auf, dass DDR-Bürgerrechtler bei Verhören der Staatssicherheit radioaktiv verstrahlt worden sein könnten und Krebserkrankungen ausgelöst wurden. Der Schriftsteller und DDR-Bürgerrechtler Jürgen Fuchs starb 1999 an Leukämie. Vor vier Jahren erlag auch Bärbel Bohley einem Krebsleiden. Dazu kommt eine Professorin ins Spiel, die von Katharina Thalbach verkörpert wird. Ihre Vergangenheit wird auf überraschende Weise aktuell. Die Ambivalenz ihrer Figur habe sie fasziniert, sagt Thalbach laut ZDF-Pressetext. "Vielleicht hat diese Frau ihre Schuld tatsächlich vergessen?"

Zerfetzte Unterlagen

Das Drehbuch stammt von Sarah Schnier und Carl-Christian Demke. Gedreht wurde auch im Berliner Fraunhofer-Institut, wo Forscher seit Jahren im Auftrag der Stasi-Unterlagenbehörde an einem gigantischen Puzzle arbeiten. Zerfetzte Unterlagen der Staatssicherheit aus mehr als 15 000 Säcken sollen elektronisch zusammengesetzt werden sollen.

Das Ministerium für Staatssicherheit hatte es nach dem Mauerfall nicht mehr geschafft, seine Unterlagen komplett zu vernichten. Reißwölfe liefen heiß, zum Schluss rissen Offiziere per Hand die Papiere auseinander. Bürgerrechtler retteten sie vor der Vernichtung. Doch das Projekt stockt. Es sei technisch schwieriger als gedacht. Wie es weiter finanziert wird, sei unklar, hieß es in der Behörde.

Produzent Ivo-Alexander Beck lobt die Zusammenarbeit mit dem Chef der Stasi-Unterlagenbehörde, Roland Jahn. Er habe den früheren DDR-Oppositionellen für das Filmprojekt mehrmals getroffen und Anregungen bekommen. Beck, Anfang 1989 über Ungarn aus der DDR in den Westen geflüchtet, sagt: "Versöhnung setzt Verzeihen voraus, verzeihen kann man nur, wenn Unrecht einen Namen erhält." Wer sich ehrlich entschuldige, sollte aber eine neue Chance bekommen. "Ich bin davon überzeugt, dass das Entstehen einer Diktatur sich am besten durch ein lebendiges Erinnern verhindern lässt."
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