Wiener Blues ganz ohne Schmäh

Auf das gemütliche "Servus Mitanand" folgte sofort reiner, tiefschwarzer Mississippi-Blues. Der aber kam nicht von Farbigen aus den Südstaaten, sondern von fünf Wienern.

Vom ersten Ton an versetzte die Mojo Bluesband die Gäste im Schafferhof in Begeisterung. "So a junges Publikum hamma söltn", witzelte Erik Trauner, Gründer, Kopf, Sänger und Gitarrist der Band. Das Quintett begeisterte mit heißem Blues, Boogie und Rock'n'Roll. Der Wirt durfte die Heizung abstellen, der Schweiß drang Musikern und Zuhörern auch so aus den Poren.

Weinen und Wimmern

"Hier ist es wie daham. Seit zwei Tagen kein Heimweh", bekannte Trauner, der bis zur Blockhütte gewandert war. "She's a hot mamacita from a Mexican border town" sang er anschließend und ließ die Gitarre jaulen mit einem silbernen Bottleneck am kleinen Finger. Bei einem Blues von Muddy Waters schien Trauner mit und durch seine Gitarre zu sprechen, während sie wimmerte und weinte. Das Kribbeln in der Magengrube der Zuhörer kommentierte er mit einem verschmitzten Lächeln.

Dabei tanzten die Finger von Charlie Furthner, dem Genie auf dem Piano, über die Tasten. Trauner setzte mit der Bluesharp noch eins drauf, donnernder Blues-Boogie-Stomp rüttelte auf und brachte Köpfe, Hände und Füße in Bewegung. "For all Chicas", kündigte Trauner einen erotischen Blues an, zu dem er verführerisch mit dem Becken rollte - was ihm vor allem von Frauen begeisterte Pfiffe und Zurufe einbrachte.

Ein Ausnahmemusiker auf der Gitarre ist auch Siggi Fassl mit seinem Rockabilly-Haarschnitt. "You don't know that I love you", jammerte der Blueser, während er seiner Gitarre ebensolche Töne entlockte. Gänsehautfeeling pur. Die Musiker schienen mit dem Publikum zu verschmelzen.

Die drei alten Hasen wurden begleitet von den nicht minder umwerfenden Musikern Didi Mattersberger (Schlagzeug) und Herfried Knapp (Kontrabass). Besonders bei den zahlreichen Soli bewunderte das Publikum ihr Können.

Der Wechsel von langsamem Blues über schnellen Boogie bis zu schnellstem Rock'n'Roll machte die Dynamik aus. Vom Blues "Everybody needs somebody" ging der Weg über den flotten Boogie "Let it rain" bis nach "Down in the Alley". Das Publikum sang immer wieder mit oder wiederholte den Refrain wie bei "The Crawl" oder "Movin' out of Town".

Die Band stachelte die Fans immer wieder an. "It's Rock'n'Roll Time", kündigte Trauner einen temperamentvollen Louisiana Rock'n'Roll an, bekannte sich aber meist zum Memphis Blues. Lustige Gags auf der Bühne, etwa als Erik Trauner mit der Blues Harp (davon hatte er einen Gürtel mit 11 Stück dabei) das Rattern einer Dampflok spielte und hinter ihm Siggi Fassl aus einer Dampfpfeife Rauch aufsteigen ließ, machten den Gigg noch lebendiger.

Die flinken Finger des Pianisten lockten Jubeltöne aus dem Instrument und aus dem Publikum. Ein Ausflug nach New Orleans ("Troubles, troubles") fehlte ebensowenig wie der Chicago Blues "Strange Rumours". Ob Songs von Jimmy Reed oder Chuck Berry - die Gaste waren begeistert und zappelten strahlend mit.

Drei Stunden auf Bühne

Das Repertoire der 1977 gegründeten Band ist vielseitig, ebenso wie die Liste der bekannten Musiker, mit denen Trauner schon auftrat. Axel Zwingenberger, Katie Webster, Champion Jack Dupree oder Louisiana Red sind nur einige davon. Für die Qualität der Band sprechen auch die von weit her angereisten Fans. Locker, ungezwungen und nicht müde werdend trieb die Mojo Bluesband die Stimmung auf die Spitze. Erst nach mehreren Zugaben durfte sie durchgeschwitzt nach fast dreistündigem Spiel die Bühne verlassen.
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