Willkommen vor Gericht

Sabine Lagies will in diesem Gebäude eine Betreuungseinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge unterbringen. Die Behörden sträuben sich bislang dagegen. Zudem klagen frühere Mitarbeiter des Vereins "Willkommen e.V." gegen ihre frühere Chefin. Bild: bey

Der Verein "Willkommen e.V." stellt sich in Person der Vorstandsvorsitzenden Sabine Lagies durchaus streitbar dar. Nicht nur gegen die Regierung zieht der Verein vor Gericht. Wie nun bekannt wurde, haben ehemalige Mitarbeiter von Lagies vor dem Arbeitsgericht geklagt, weil sie kein Gehalt erhalten hatten.

"Willkommen e.V." will sich durch eine Klage beim Verwaltungsgericht die Betriebserlaubnis für eine Einrichtung zur Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen erstreiten (wir berichteten). Lagies hatte erklärt, dass sie ihr noch neunköpfiges Personal "bei vollen Bezügen" freigestellt habe.

Dem widerspricht Dr. Aydin Findikci vehement. Der in München lebende Lehrer und Dozent für Wirtschaftswissenschaften, Sozialkunde und Sozialwesen meldete sich beim "Neuen Tag", um seine Sicht der Dinge darzulegen. Nicht so stehen lassen will der 52-Jährige vor allem die Aussagen seiner ehemaligen Vorgesetzten zur Bezahlung der Mitarbeiter: "Es stimmt nicht, was Frau Lagies sagte. Die Leute kriegen kein Gehalt."

Polizei ermittelt

Auf erneute Anfrage teilt die Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende des Vereins mit: "Die Mitarbeiter wurden schriftlich freigestellt - bei vollem Anspruch auf Lohn und Urlaub." Sie habe die Löhne nicht mehr zahlen können, "weil wir seit mittlerweile acht Monaten im Genehmigungsverfahren verhungern". Mit dieser Situation sei sie immer offen umgegangen. Drei ehemalige Angestellte hätten laut Findikci ihre ausstehenden Löhne beim Arbeitsgericht in Weiden eingeklagt. Insgesamt acht hätten Ende Oktober gegen den Verein Antrag auf Insolvenz gestellt. Außerdem, so weiß der 52-Jährige, hätten einige seiner Ex-Kollegen Anzeige wegen Betrugs erstattet.

Die Polizeiinspektion Vohenstrauß bestätigte auf Anfrage, dass strafrechtliche Ermittlungen laufen. Er sei, so Findikci, von dem Verein im Mai 2015 als Schulleiter eingestellt worden. "Frau Lagies hat mir damals die Einrichtung als Schule verkauft." Nach und nach sei ihm aber klar geworden, dass es sich keineswegs um eine Schule handelte. Seine Stelle in Nürnberg habe er zu diesem Zeitpunkt bereits aufgegeben. Der Umstand, dass sich die Überweisung des Gehälter über Monate verzögerte und dass die Arbeit nicht mit den Versprechungen der Vorsitzenden übereinstimmte, hätten die Situation im Haus zunehmend belastet. Eine ehemalige Mitarbeiterin, die sich in der vergangenen Woche vor dem Arbeitsgericht ihr ausstehendes Gehalt erstreiten konnte, bestätigt diese Aussagen. Das Personal sei von der Chefin immer wieder vertröstet worden. Man warte nur noch auf die Betriebsgenehmigung. Das Haus werde sich schnell mit Klienten füllen. Und dann könnten auch wieder die Gehälter in vollem Umfang überwiesen werden. "Wir haben ihr immer wieder geglaubt", sagte die Frau.

Am 31. August erhielt Findikci die fristlose Kündigung. Lagies erklärt, dass diese Entscheidung nichts mit der "finanziellen Schieflage" des Vereins zu tun gehabt habe, sondern: "Wir haben Herrn Findikci fristlos gekündigt, weil er 31 unentschuldigte Fehltage hatte." Dem widerspricht der 52-Jährige, der in einem Vergleich vor Gericht die Überweisung seiner Bezüge in monatlichen Raten zugesprochen bekam: "Die Kündigung ist nicht wegen der angeblichen 31 unentschuldigten Fehltage ausgesprochen worden, sondern wegen einer Dozententätigkeit, der ich angeblich nachgegangen sein soll."

Das Kündigungsschreiben, das dem NT vorliegt, beweist Findikcis Behauptung. Der Vorwurf würde aber nicht der Wahrheit entsprechen. Er habe nur nach Absprache mit Lagies von zu Hause aus für den "Willkommen e.V." gearbeitet. Dieses mündlich vereinbarte Home Office sei ihm aber am Ende von seiner Arbeitgeberin zur Last gelegt worden.

Insolvenz ein Thema

Wann und von wem die ausstehenden Gehälter bezahlt werden, hängt auch davon ab, ob "Willkommen e.V." in Insolvenz geht. Aufgeben will Lagies aber auch in diesem Fall noch nicht: "Dann gründen wir eben einen neuen Verein."
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