"Willst du diesen Ring?"

ek20rn-adler_bild1245.jpg

Der Stadtwald als Fernsehstudio. Ein Team des Bayerischen Rundfunks interessierte sich für die Ergebnisse der Pflege- und Erhaltungsarbeiten der Waldjugend und begleitete auf der Adlerinsel im Obersee die Beringung junger Fischadler.

Sozusagen hautnah rückte der Kameramann zwei Jungvögeln auf den Leib, als sie Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, Diplombiologe und Leiter des NABU-Vogelschutzzentrums Mössingen, am Fuße des Horstbaums mit jeweils zwei Ringen "verzierte". Das ungewohnte Geschehen verursachte bei den Jungvögeln leichte Schnappatmung. Der Biologe ließ sie kurz gewähren. Sie beruhigten sich schnell und die Aktion konnte beginnen.

Der erste Ring mit Größenkennzeichnung ist der Vogelwarte Radolfszell zugeordnet. Der zweite Ring ("6 Ma" und "6 Ms") enthalten eine große Code-Nummer, die für den Beobachter mit Fernrohr erkennbar ist. Dr. Schmidt fühlte sich wohl in seinem Element, im "Vogelstandesamt", und fragte: "Willst du diesen Ring?" Er gab auch die Antwort dazu: "Ja!" Schicksalsergeben nahmen die künftigen Könige der Lüfte den "Schmuck" entgegen.

Wiegen und Messen

Als weiterer Erfassungsakt stand Wiegen und Messen an. Die Waage zeigte 1322 und 1310 Gramm. Schmidt maß Flügel und die ersten Ansätze der Steuerfedern. Die Länge der Schnäbel lag bereits bei 54 Millimetern. Der Beringer hatte bei den Vögeln einen "vollen Kropf" erkannt und prophezeite daher einen möglichen plötzlichen Auswurf "bis auf die Entfernung von zwei Metern". Einer der Jungvögel ließ sogleich die Tat folgen. Der weiße Strahl hätte jeden der Umstehenden treffen können. Die "besondere Premiere der Förstertaufe" galt Martin Gottsche, dem Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Vor der Beringung zeigte sich Schmidt als routinierter Kletterer. Mit speziellen Schuhkrallen und Sicherungsseilen erklomm er den Horstbaum und seilte die Vögel in einem Spezialsack zu seiner Mitarbeiterin am Boden ab.

Beim ersten Betrachten der beiden Jungadler fiel die freudige Bemerkung: "Zwei stramme junge Adler." Der Biologe beurteilte sie als "bereits stark entwickelt". Als Vorteil wertete er es, dass sie noch nicht zu alt und widerstrebig sind. Zufrieden sei er, wie friedlich alles verlaufen ist.

Die erste Station im Naturschutzgebiet Großer Rußweiher war der Mönch an der Dammstraße gewesen. Von hier aus bot sich ein freier Blick zum Horstbaum. Dr. Schmidt sprach von bayernweit zehn Adlerpaaren, die ihre Brutstätte ausschließlich in der Oberpfalz haben. Er erachtete es daher als "exklusiv, einen Adler in seinem Wald zu haben".Die Brutzeit beträgt zwischen 38 und 42 Tagen.

Geboren am 21. Mai

Die Beobachtungen von Martin Gottsche deuten darauf hin, dass das Schlüpfen der kleinen Adler am 21. Mai erfolgte. Den Fischadler stellte er als Zugvogel vor, der im März aus Afrika zurückkehrt, bis zu zwei Kilogramm wiegt und eine Flügelspannweite von zirka 1,70 Metern hat. Während der Beringung umkreisten die beiden Altvögel in sicherem Abstand mit Warnrufen den Horst.
Weitere Beiträge zu den Themen: Eschenbach (13379)Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.