Willy weint wegen Winnetou

Männer in Strumpfhosen heißen nicht immer Robin Hood, sondern manchmal auch "Sound of Thunder". Manche kennen Letzeren auch als Willy Michl, vor allem am Schafferhof, wo der Münchner Indianer inzwischen eine treue Fangemeinde hat. Bild: fvo

Am Tag von Winnetous Beisetzung stand Willy Michl auf der Schafferhof-Bühne. Der Isar-Indianer spielte, sang und erzählte den Menschen, dass sie einander lieben und respektieren sollen. Das Konzert war eine Hommage an den Kino-Apachen, den großen Bruder im Geiste.

"Es ist mir heute eine Ehre, hier im Fütterer-Wigwam auch für Winnetou zu singen", meinte die Münchner Rothaut gerührt. Winnetou fliege nun auf den Schwingen des Adlers in den Himmel. "Er war eine Traumfigur, mit dem Spirit eines sächsischen Schriftstellers. Pierre Brice war einer von uns."

An diesem Abend brannte es lichterloh - beim Künstler und in den Herzen der Zuhörer. Der Einstieg in das Konzert mit vielen Lebensweisheiten erfolgte mit "Al you need is love". Michl stand auf der Bühne wie ein großer Baum. Dazu trug er Mokassins, auf denen das bayerische Wappen und das Münchner Kindl abgebildet sind.

Die Besucher bemerkten, dass der Künstler mittlerweile viele Sommer hinter sich und ein paar Pfunde mehr auf den Indianerrippen hat. "Mein Weib sagt nicht, ich sei zu fett - sondern unglaublich mächtig."

Zum Gassenhauer "Isarflimmern" erzählte der Liedermacher von einer Floßfahrt und einer Begegnung mit einem wunderschönen Fisch: "Dich lassen wir drin - du bist unser Bruder". "Una bella Signorina" erinnerte ebenfalls an Zeiten, als Michl noch eher in Schwabing denn im Tipi zu Hause war. Dabei flocht er "Blue Bayou" mit ein und entschuldigte sich beim Tontechniker für seine Spontaneität.

Neben dem Wildpferd, das er auf seinem Lendenschutz trägt, kam auch "Bruno, der Bär", kombiniert mit dem Jennerwein-Lied, vor. Michl sang von seiner Traumstadt Kathmandu und gedachte der nepalesischen Erdbebenopfer. "Gebete helfen, wenn sie aus einem guten Herzen kommen."

Er griff mit den langen Fingernägeln in die Gitarrensaiten und ließ diese in Perfektion von allen Gefühlslagen erzählen. "Canoe" war der Song der Ehre, Liebe und Respekt für die Erdenmutter und deren Bewohner. "Du bist mein erster Gedanke" von Julio Iglesias war die Liebeserklärung an seine Frau. Willy Michl ist ein Erlebnis, eine Erscheinung, ein Freigeist und ein positiver Spinner. Sagt er mehr oder weniger selber: "Es ist aufregend und entzückend, Indianer zu sein. Folgen wir dem roten Weg."
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