Winbuch ist mit seiner Schmiede erstmals Thema beim Tag des offenen Denkmals
Dorfgeschichte höchst lebendig

Nicht nur einen Blick in die Vergangenheit werfen konnten die Besucher der alten Dorfschmiede: Die Beteiligten erweckten die Geschichte zum Leben, so dass man sie sogar riechen konnte. Bild: pop
Nicht zum ersten Mal, aber zum ersten Mal in Winbuch, beteiligte sich Schmidmühlen am Tag des offenen Denkmals. Diesmal gewährte die ehemalige Dorfschmiede Einblick in vergangene Zeiten. Georg Koller und Erwin Gural gaben den rund 500 Besuchern, die am Sonntag aus der ganzen Oberpfalz kamen, einen Einblick in die Arbeit des Schmieds anno dazumal.

Vergangenheit bewahrt

Die Geschichte dieser Werkstatt war und ist auch die des Dorfes. Als 1965 der Dorfschmied von Winbuch, Josef Schaller, krank wurde, und sein Handwerk nicht mehr ausüben konnte, drohte dieser Epoche Winbucher Geschichte das Ende. Doch Erwin Gural, Schallers Schwiegersohn, bewahrte sie für die Nachwelt.

Eine Stunde pro Pferdefuß

Die Schmiede war wohl der wichtigste Betrieb in einem Dorf. Letzteres war damals ein Mikrokosmos, der sich selbst versorgte: Noch bis in die 50er- und 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts musste das Allermeiste, was im Dorf gebraucht wurde, hier auch hergestellt werden. An die Arbeit in der Schmiede konnten sich noch viele Besucher erinnern. Josef Schaller hat die Werkstatt 1940 gebaut, mit französischen Kriegsgefangenen, die in Winbuch untergebracht waren - darunter ein tüchtiger Maurer. Arbeit gab es für einen Dorfschmied damals zuhauf, zumal Schaller in den Nachbardörfern für seine hervorragende Arbeit bekannt war. Zusammen mit dem Wagner Michael Feuerer fertigte er die Fuhrwerke an, die die Landwirte brauchten.

Wenn er Gaul und Ochsen beschlagen musste, war er einen guten halben Tag beschäftigt - rund eine Stunde pro Pferdefuß. Die Dauer war auch vom Durst des Schmieds und des Knechts abhängig: Letzterer bekam vom Bauern immer auch etwas Geld mit, um sich für die Zeit des Wartens und Mithelfens mit Bier zu versorgen. Ein Schwerpunkt der Arbeit war vor allem die Instandhaltung der bäuerlichen Arbeitsgeräte wie Pflug oder Egge. So konnte man in Winbuch auch allerlei altes Werkzeug bewundern. Das alles passte perfekt zum Thema des europaweit begangenen Denkmal-Tags: "Handwerk, Technik, Industrie".
Weitere Beiträge zu den Themen: Winbuch (206)September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.