Windkraft bleibt möglich

Ob auf Kohlberger Gebiet mal Windräder stehen, entscheidet die Bezirksregierung mit. Der Marktrat beharrt auf Flächen an der Staatsstraße 22 38, die 2000 Meter von Häusern entfernt seien. Bild: war

Der Tagesordnungspunkt "Windkraft" war erneut ein Zuhörermagnet in der Marktratssitzung. Die Fraktionen hielten sich mit großer Mehrheit die Option offen, weiterhin Windräder in Kohlberg zuzulassen. Doch auch die Regierung der Oberpfalz darf künftig kräftig mitreden.

Landrat Andreas Meier hatte Mitte September zwölf Gemeinden angeschrieben, ob sie auf ihren Anträgen auf Herausnahme von Flächen aus den Landschaftsschutzgebieten aufgrund möglicherweise neuer Gesichtspunkte beharren. Jawohl, entschied der Marktrat mit 11:1. Nur Ursula Fischer war dagegen.

Mit Blick auf die laufende Popularklage vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof gegen die 10-H-Abstandsregelung von Windrädern trug Martin Beyer von der Verwaltungsgemeinschaft einen Aktenvermerk vor, was passieren würde, falls die Abstandregelung kippt. Dann würden wieder die Abstände nach bauordnungs- und immissionsschutzrechtlichen Vorgaben greifen. Sie liegen bei 800 Metern für ein allgemeines Wohngebiet, bei 500 für ein Mischgebiet und bei 300 bei Wohnnutzung im Gewerbegebiet. Um größere Abstände festzulegen, könnte der Markt aber in einem sogenannten Teilflächennutzungsplan Konzentrationszonen für Windräder ausweisen und damit das Areal eingrenzen. Daran orientierte sich Bürgermeister Rudolf Götz bei seinem Beschlussvorschlag: "Wir sollten die ausgewählten Flächen beibehalten. Sie sind mit 2000 Metern weit genug von unserer Ortschaft weg. Ob gebaut wird oder nicht, steht auf einem anderen Blatt."

"Unsere Meinungsbildung sollte beim Bezirk nicht außer acht gelassen werden", hofft Hermann Prechtl (UPW). Gerhard List sah den ursprünglichen Antrag bestätigt. "Wir haben damals schon eine wegweisende Entscheidung getroffen und bleiben dabei." "Das Vegetationsgutachten spricht gegen unsere Auswahl", merkte Adrian Blödt (CSU) an.

Langwieriges Verfahren

Als Zeitraum für das Ausgrenzen von ungewollten Flächen durch einen Teilflächennutzungsplan nannte der Bürgermeister drei bis vier Jahre. Richtungsweisend werde zunächst sein, wie sich die 13 betreffenden Landkreis-Gemeinden im Schnitt verhalten. Beyer hatte eingangs darauf hingewiesen, dass nun der Bezirk für Änderungen der Landschaftsschutzgebiete zuständig ist. Eine punktuelle Herausnahme der beantragten Flächen sei nicht möglich. Denkbar sei aber eine sogenannte Zonierung. "Sie bezieht sich auf das gesamte Landschaftsschutzgebiet und richtet sich ausschließlich nach naturschützerischen Kriterien", betonte Beyer.

Es sei durchaus möglich, dass im Zonierungsverfahren andere Flächen freigegeben werden, auch zusätzliche. Das Verfahren dauere aber mindestens zwei Jahre.

Vögel und Fledermäuse

Dem Marktrat lag eine Karte vor, in die Radien von 2000 und 1400 Metern eingezeichnet waren. Entscheidend seien seitens der Regierung naturschutzfachliche Aspekte. Eine Vorprüfung durch das Landratsamt wies auf Fischadler-Horste innerhalb des Prüfradius' hin, zudem läge die Fläche innerhalb regelmäßiger Flugrouten zu Nahrungsgebieten. Vermutet werden ferner Schwarzstörche. Zudem gilt der Landstrich als fledermausreich.

Auch die Höhere Naturschutzbehörde kartiert das Gebiet als "für den Vogelschutz von besonderer Bedeutung". Landrat Andreas Meier schreibt dazu: "Vor dem Hintergrund erscheint eine Freigabe der beantragten Flächen für Windkraftanlagen als nicht wahrscheinlich. Die endgültige Entscheidung obliegt allerdings dem Bezirk, der sich in fachlichen Fragen auch eines Fachbüros bedienen dürfte." Götz wies gegenüber dem NT allerdings darauf hin, dass noch nicht einmal ein Gutachten vorliege, sondern lediglich die Vorprüfung erfolgt sei.
Weitere Beiträge zu den Themen: Kohlberg (1535)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.