Winterkönig in Eger

Im Cramerhaus, wo man dem Winterkönig im Jahre 1619 den ersten festlichen Empfang in Böhmen bereitete, befindet sich heute eine sehenswerte Galerie für künstlerische Fotografien und eine Musikalienhandlung. Bild: gjb

Mit politischem Geschick war es Bürgermeister Andreas Cramer gelungen, dass Eger die kurze Episode der Regentschaft des "Winterkönigs" als weitgehend neutrale Stadt überstanden hatte. Dafür erhielt die Stadt am 23. Mai 1623 eine Urkunde ausgestellt.

Kraft derer wurde ihr "dasjenige, worin sie in zeit gewester rebellion den sachen zu viel gethan oder zu weit gegangen sein möchten," verziehen. Diese Generalamnestie des Kaisers kostete allerdings die beträchtliche Summe von 10 000 Gulden. Nach der grausamen Hinrichtung aller "Aufständischen" in Prag (1621) musste man über diese relativ milde Bestrafung Egers erleichtert sein.

Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, den man später als den "Winterkönig" verspottete, war im Jahre 1619 zum Böhmischen König gewählt worden. Am 23. und 24. Oktober hatte er in Waldsassen mit dem böhmischen Gesandten verhandelt und sollte nun in feierlichem Zug nach Prag geleitet werden. Eger war die erste Stadt in seinem künftigen Königreich - und dies sollte mit einem feierlichen Empfang als besonderes historisches Ereignis gefeiert werden.

Am 24. Oktober 1619 traf Friedrich mit einem Gefolge von 569 Personen und mit mehr als 100 Packwagen in Eger ein und wurde in dem Hause des Bürgermeisters Andreas Cramer zu einem luxuriösen Festmahl eingeladen. Dort huldigten die Vertreter der Stadt dem künftigen König und erhielten gnädig Nachsicht und Bestätigung aller Privilegien.

Göttliche Berufung

Die böhmischen Stände hatten Friedrich V. wegen seines Antikatholizismus und seiner Beziehungen zu protestantischen Fürstenhäusern, von denen sie sich Unterstützung gegen den Kaiser erhofften, als neuen Träger der Wenzelskrone ausgewählt. Aber der künftige König von Böhmen war erst 23 Jahre alt, politisch unerfahren, und leider auch von falschen Beratern beeinflusst.

Mit 17 Jahren hatte er Elisabeth, die Tochter des englischen Königs Jakob I., geheiratet - eine Liebesheirat, gegen den Willen seiner Schwiegermutter, denn als Kurfürst war Friedrich nicht "standesgemäß" für eine Königstochter. Dass er dennoch der Schwiegersohn eines Königs geworden war, betrachtete Friedrich nun als ein Zeichen des Himmels. Als ihm 1619 die böhmische Krone angetragen wurde, bedeutete es für ihn eine "göttliche Vocation", eine Berufung Gottes zum Anführer der Protestanten.

Immer stärker ins Abseits

Sein eigenes Land, die Kurpfalz, war allerdings durch den Calvinismus und den fanatischen Hofprediger Abraham Scultetus immer stärker ins Abseits geraten. Dessen unnachgiebiger reformatorischer Eifer brachte neben den Anhängern des Papstes auch immer mehr Lutheraner gegen den Pfälzer auf.

Auch Mitglieder der protestantischen Union, gegründet von Friedrichs Vater, wandten sich ab. Dennoch war es Abraham Scultetus gelungen, Kurfürst Friedrich - gegen die Zustimmung des englischen Königs und vieler protestantischer Fürsten - zur Annahme der böhmischen Krone zu überreden, was eine Kriegserklärung an den Kaiser bedeutete. Für die Stadt Eger aber war der 24. Oktober 1619, der Besuch Friedrichs im Hause des Bürgermeisters Andreas Cramer, leider nur der Beginn der schrecklichen Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Wegen seiner Lage am nordwestlichen Eingangstor nach Böhmen hatte die Stadt während dieser drei Jahrzehnte des Kriegsgeschehens viel zu erleiden. Denn Eger wurde zum Stützpunkt für die Kriegsrüstung und Sammelplatz der kaiserlichen Truppen.

Häufigster ungebetener Besucher war seit 1622 Albrecht von Wallenstein. Seine Ermordung am 24. Februar 1634 brachte aber noch lange nicht das Ende dieses entsetzlichen Krieges. Im Dezember 1640 schrieben die Egerer an Kaiser Ferdinand III.: "Ein Stein könnte sich erbarmen, was wir schon alles erlitten und ausgestanden haben..." Am Ende des Dreißigjährigen Krieges, im Jahre 1648, war die glanzvolle Zeit Egers als Freie Reichsstadt nur noch Vergangenheit. (Info-Kasten)
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