"Wir sind keine Event-Partei"

SPD-Ortsvorsitzender Günter Sertl, Fraktionssprecher Dr. Edmund Goß und 3. Bürgermeister Norbert Gradl (von links) sprachen über die Arbeit der SPD in Auerbach. Bild: swt

Die Auerbacher SPD nach Helmut Ott, die zunehmende Schwierigkeit, junge Leute für Politik zu begeistern und die gestellten Anträge im Gemeinderat: Wie sieht's mit dem Profil der Partei aus? "Wir haben noch genug Einfluss", sagen drei ihrer Vertreter.

In der Reihe "Sommergespräche" standen nach den Freien Wählern und der Christlichen Umland Union (CUU) nun auch die SPD mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Dr. Edmund Goß, 3. Bürgermeister Norbert Gradl und Ortsvorsitzenden Günther Sertl der SRZ Rede und Antwort.

Bei Anträgen ist die SPD in letzter Zeit eher zurückhaltend geblieben, gestellt wurden nur zwei zu Fragen der Dorfplatzerneuerung in Nitzlbuch und zur Veränderung der Einfahrt Rosenhof. Welche Vorstellungen hat die SPD?

Die Freien Wähler haben wie wir zwei Anträge gestellt, einmal zu den Vereinsrichtlinien und dann zum Spielplatzkonzept.

Mit letzterem greifen die Freien Wähler Themen auf, um die sich die SPD schon jahrelang erfolgreich kümmert. Denn viele Spielplätze wurden ja auch gut und sehr gut bewertet. Das ist eine Bestätigung der Arbeit von Elisabeth Kolleng. Die Ideen zur Neugestaltung sind nicht neu, auch Kolleng hat bereits solche Vorschläge vorgelegt. Zu den Vereinsrichtlinien haben wir unseren Standpunkt klar gemacht: Man sollte so wenig wie möglich regulieren, damit genug Entscheidungsspielraum bleibt. Letztlich wurden die Richtlinien so verabschiedet, wie die SPD es vorgeschlagen hatte.

Das Bahnhofsgelände als Neubaugebiet haben sich der Bürgermeister und die Freien Wähler als ihre "Idee" auf die Fahnen geschrieben. Wie geht Ihre Fraktion damit um?

Wir sind nach wie vor die tragende Partei in Auerbach und bringen uns erfolgreich ein. Wir haben auch kein Problem damit, wenn unsere Ideen aufgegriffen werden und sich dann etwas tut. Unsere Arbeit wird damit nicht schlecht gemacht.

Ich kann dem Bürgermeister nicht verbieten, ebenfalls die gleiche Idee zu haben, zuletzt zählt das Ergebnis. Wir brauchen keinen Ärger, es zählt das gemeinsam Erreichte.

Nach Helmut Ott tut sich die SPD scheinbar schwer, ein eigenes Profil zu finden. Wie möchten sich Fraktion und Ortsverein in Zukunft präsentieren?

Das sehe ich nicht so. Es treten Personen, die für andere Parteien 2014 kandidiert haben, an uns heran, um etwas zu erreichen, so im Fall Dorfplatz Nitzlbuch. Das würden sie nicht machen, wenn wir kein "Profil" hätten. Auch die Schwimmsparte hat sich an uns gewandt, weil sie einen neuen Kraftraum brauchen.

Zwei SPD-Mitglieder, Günther Himmelhuber und Norbert Gradl, haben sich darum gekümmert, auf deren Initiative stellt die Stadt nun einen Raum hinter der Schwimmhalle zur Verfügung. Und unter dem Strich zählen nicht die eigenen Anträge, sondern die Ergebnisse. Die werden vor allem auch in den Ausschüssen erzielt, auch mit und durch viel Arbeit und Vorschläge unserer Fraktion. Im übrigen hat der Fraktionssprecher der SPD bei der Kommunalwahl 2014 das fünftbeste Ergebnis eingefahren.

Wir haben 2008 sicher den Heimvorteil verloren, denn die Partei, die den Bürgermeister stellt, tut sich immer leichter in der Öffentlichkeit. Dennoch haben wir noch genug Einfluss. Seit 1996 prägt die Auerbacher SPD entscheidend die positive Entwicklung der Stadt mit.

Mit großen Veranstaltungen und neuen Medien Mitglieder werben und die Jugend zu begeistern - diesen Weg gehen viele Vereine mit Nachwuchssorgen. Gibt es da auch bei der SPD konkrete Ansätze?

Das Ferienprogramm der SPD-Frauen ist seit Jahren ein Renner, daraus entstand auch das städtische Ferienprogramm. Aber wir sind keine Event-Partei, die auf große Veranstaltungen setzt.

Wir haben seit geraumer Zeit keine Jusos mehr, das ist Fakt. Aber alle etablierten Parteien haben mit der Altersstruktur ihre Probleme. Es ist schwierig, ab morgen eine Jungsozialisten-Gruppe ins Leben zu rufen. Die Frage ist, wer will sich politisch interessieren und welches Potenzial bietet eine Partei dazu? Der Trend geht doch eher dazu, sich für einzelne Projekte zu engagieren, etwa im Ehrenamt. Diesen gesellschaftlichen Wandel können wir nicht aufhalten.

"Wählergruppierungen haben es etwas leichter. Viele engagieren sich lieber in konkreten Projekten.

"In der Kommunalpolitik kommt es weniger auf Parteipolitik an, sondern auf das gemeinsam zu Erreichende für die Gemeinde. Hier wird auch vieles übrigens nicht öffentlich besprochen und erreicht.
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