"Wir sind nicht die Einzigen"

Kohlbergs Bürgermeister Rudolf Götz bekennt sich zur Windkraft. Einem möglichen Bürgerentscheid über einen Windpark im Süden seiner Marktgemeinde sieht er gelassen entgegen. Bild: war

Mit großer Mehrheit hat der Kohlberger Marktrat Anfang des Monats beantragt, Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszunehmen, um Windräder auf Gemeindegebiet möglich zu machen. Seitdem hagelt es nicht nur in Leserbriefen Kritik. Bürgermeister Rudolf Götz steht indes aus einer Reihe von Gründen fest zu dem Beschluss.

Herr Götz, nicht nur eine Bürgerinitiative, auch das Landratsamt empfiehlt, lieber die Finger davon zu lassen, das Landschaftsschutzgebiet für Windräder aufzuweichen. Warum wollen Sie es über die Regierung der Oberpfalz trotzdem tun?

Götz: Zunächst einmal ist jede Gemeinde verpflichtet, Flächen für erneuerbare Energien zu schaffen. Wir wollen mit dem Antrag aber auch Wildwuchs bei Windrädern vor der Haustür verhindern. Sollte die 10-H-Regelung vor Gericht kippen, könnten solche Masten bis auf 300 Meter an Wohngebiete heranrücken. Das wollen wir verhindern.

Aber sollte die 10-H-Regelung fallen würden doch die alten Abstände gelten: 800 Meter zu Weilern und 1000 Meter zu Siedlungen.

Götz: Aber wenn der Gemeinderat zustimmt und es die Gutachten erlauben, können es auch nur 300 Meter sein.

Dann könnten Sie und ihre Gemeinderäte das aber ebenso leicht verhindern.

Götz: Windkraftanlagen-Betreiber haben diese kurzen Abstände schon durchgesetzt. Dafür gibt es einige Beispiele.

Wenn Kohlberg Flächen aus dem Schutzgebiet herausnehmen lässt, betrifft das alle Naturpark-Gemeinden. Dann werden sämtliche Flächen zoniert und nach ihrer Eignung auf Windkraft gerastert. Das betrifft auch Gemeinden, die das gar nicht wollen. Die werden sich sehr bei Ihnen bedanken.

Götz: Erstens haben wir als Kohlberger Marktrat nur über Kohlberg gesprochen. Da kommt wegen der Windhöffigkeit nur die Fläche an der Staatsstraße infrage, die wir ausgewählt haben. Zu den Nachbarn: In Amberg läuft ein Verfahren wegen eines Windrads in Ehenfeld/Kindlas. Wenn das gebaut wird, haben wir es genauso vor der Nase, nur handelt es sich dabei nicht um eine Naturparkfläche. Im Übrigen sind wir nicht die Einzigen. 13 Gemeinden im Landkreis wollen Flächen herausnehmen lassen.

Dann ist es aber eigenartig, dass Sie vor wenigen Jahren noch gegen Windräder in Schnaittenbach gestimmt haben, wie die Bürgerinitiative kritisiert.

Götz: Diese Windräder hätten nur 600 bis 800 Meter entfernt im Süden Kohlbergs entstehen sollen. Dann hätten wir den ganzen Tag Schlagschatten gehabt. Die von uns vorgeschlagenen Flächen liegen aber im Westen, wo höchstens am Spätnachmittag die Sonne hinkommt. Da reicht ein Schlagschatten keine 1800 Meter weit bis zu den nächsten Häusern.

In den beiden Infoveranstaltungen zur Windkraft im Mai und Juni war von einer Bürgerversammlung zum Thema die Rede. Im Veranstaltungskalender im Internet steht davon aber nichts.

Götz: Doch, wir werden eine Bürgerversammlung Ende November machen, aber nicht zur Windkraft. Denn wir wissen nicht, ob der Kreistag sich für die Herausnahme der Flächen entscheidet oder das an die Regierung weitergibt. Ich weiß aber auch nicht, wann die nächste Kreistagssitzung ist.

Sie sind selbst Kreisrat. Ihre CSU hat zusammen mit der SPD eine satte Mehrheit. Wie ist dort die Stimmung?

Götz: Ich schätze mal halbe-halbe.

Von einem Bürgerentscheid ist auch schon die Rede gewesen.

Götz: Wenn Bürger das verlangen, habe ich nichts dagegen. Wir haben uns auch schon mal Gedanken über einen Ratsentscheid gemacht. Das ist aber doch alles noch zu früh, weil wir gar nicht wissen, was zur Diskussion steht.

Aber Sie müssen sich vorwerfen lassen, gegen Bürger und Landratsamt zu handeln.

Götz: Meine Meinung ist, dass sich nach Fukushima das Thema Atomkraft erledigt hat. Freiflächen-Photovoltaikanlagen sind hässlich, Kohlekraftwerke und Wasserhochspeicher will auch keiner. Biogasanlagen verbrauchen meiner Meinung nach mehr Energie als sie produzieren. Zudem bringen sie mehr Verkehr für den Transport auf die Straßen. Also bleibt die Windkraft als einzige Energiequelle, die sich auch ohne Belastung zurückbauen lässt. Wer weiß, vielleicht kennen wir in 20 Jahren ganz andere Energieformen?

Was sagen Sie zum Vorwurf der Befangenheit? Sie sind selbst einer der Grundeigentümer der Flächen, auf denen die Münchner Firma "Green Energy City" Windräder bauen will?

Götz: Ich kann auch nichts dafür, dass meine Vorfahren dort schon Grund hatten, den sie mir vererbt haben. Aber ich war schon weit bevor diese Flächen ausgesucht wurden, Anhänger der Windenergie.

Was tun Sie, falls der bayerische Verwaltungsgerichtshof die 10-H-Regel durchwinkt?

Götz: Dann dürften die Windräder halt nicht höher werden als 180 Meter.

In Pamsendorf bei Pfreimd hat ein Investor vor Gericht einen Windpark durchgesetzt, allerdings hatte er schon weit vor der 10-H-Regelung angefangen zu planen. Wie sehen Sie die Entscheidung?

Götz: Das macht uns schon Mut, es gilt jedoch die alte Regel: Vor Gericht und auf hoher See bist du machtlos.
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