Wir sind wieder etwas mehr

"Kinder sind unsere Zukunft!" Dieser Satz gewinnt in Zeiten des demografischen Wandels immer mehr an Bedeutung. Passt das Umfeld, fällt für Paare die Entscheidung zum Nachwuchs sicher leichter. Deshalb will die Kommune weiterhin gute Bedingungen für Familien schaffen. Bilder: Royer (2)
 

Die Entwicklung der Stadtbevölkerung behalten Bürgermeister und Verwaltung genau im Auge. Dem viel prognostizierten demografischen Wandel soll entgegengewirkt werden. Wie das funktionieren soll und wie die genauen Zahlen lauten, verriet das Stadtoberhaupt im SRZ-Interview.

SRZ: Herr Bürgermeister, es gibt Berechnungen des Landesamtes für Statistik, die Sulzbach-Rosenberg im Jahr 2029 bei nur mehr knapp 18 000 Einwohnern sehen. Stimmt Sie das nachdenklich?

Bürgermeister Michael Göth: Diese Zahlen der Statistiker beruhen auf den Zensus-Hochrechnungen von 2011. Hier hätte die Herzogstadt gegenüber unseren Daten auch 95 Bewohner verloren. Deshalb haben wir uns über den Bayerischen Städtetag einer Musterklage angeschlossen.

Ob die Berechnungen der Experten dann so eintreffen, kann heute nicht einwandfrei geklärt werden. Mit einer leichten Rückläufigkeit ist aber sicher zu rechnen.

Seit 1972 ist in Deutschland die Sterberate höher als die der Geburten. Wie sieht es hier in der Herzogstadt aus?

Göth: Das Phänomen ist bei uns nicht anders. Betrachtet man den Zeitraum von 1990 bis 2014, zeigen sich pro Jahr ungefähr durchschnittlich 150 Geburten gegenüber 250 Sterbefällen. Spitzenjahre waren bei den Geburten 1996 mit 222, bei den Sterbefällen 2014 mit 283. Insgesamt gibt es also hier bei einer zwar insgesamt rückläufigen Einwohnerzahl keine allzu großen Abweichungen.

Die großen Schwankungen resultieren demnach aus den Zu- und Wegzügen. Ist unsere Kommune hier ein Sonderfall?

Göth: In gewisser Weise schon, denn hier wirken sich zwei Faktoren etwas stärker auf die demografische Entwicklung der letzten 25 Jahre aus: Einmal der Konkurs der Maxhütte mit dem massiven Verlust von Arbeitsplätzen, andererseits der Zu- und Wegzug der Spätaussiedler. Als Beispiel nenne ich hier die Jahre von 1991 bis 2006: Hier hatten wir insgesamt 8814 zugezogene und 5965 weggezogene Spätaussiedler in den Übergangswohnheimen.

Fällt in diesen Zeitraum auch der Höchststand der Stadtbevölkerung?

Göth: Genau, die höchste Einwohnerzahl erreichte Sulzbach-Rosenberg im Jahr 2000 mit 21 175 Bürgern. Dann setzte die rückläufige Tendenz, bedingt auch durch die Schließung der Übergangswohnheime, bis zum Jahr 2013 mit Stand 19 305 ein. Im letzten Jahr sind wir aber wieder leicht um zwölf Bewohner angewachsen. Das kann durchaus ein positives Signal sein!

Ob das die Kehrtwende ist, muss sich sicher über einen längeren Zeitraum zeigen. Weiterer Zuzug - auch durch Zuwanderung - würde dabei sicher doch auch helfen?

Göth: Natürlich würden sich hier auch die Zuwanderung von Migranten und Zuzüge insgesamt auswirken. Gerade Sulzbach-Rosenberg ist hier bei den schon erwähnten Spätaussiedlern mit gutem Beispiel bei der Integration vorangegangen. Hier sind wir sicher eine ganz weltoffene Stadt und werden das auch bleiben.

Wenn die Stadt die demografische Entwicklung auch nicht gänzlich aufhalten kann, wird sie doch sicherlich gegensteuern. Wie sieht das konkret aus?

Göth: Unsere Reaktion ist das Vorhalten von Bauland und Wohnraum. Hier gibt es Beispiele in der Sophie-Dürr-Straße beim Waldbad oder in Kropfersricht. Wir erschließen weiter Industrie- und Gewerbeflächen wie 2013 in Kempfenhof. Wir wollen uns insgesamt weiterentwickeln, um den Zuzug zu fördern und als Standort für Firmen interessant zu sein.

Hier kommen sicher auch die "weichen Standortfaktoren" ins Spiel?

Göth: Ohne Bäder, Museen, Kulturangebot und die verschiedenen Freizeitmöglichkeiten läuft natürlich gar nichts. Wir sorgen auch für die Schulen und Kindergärten, wollen Leerstände berücksichtigen und setzen auf kleingliedrige Ausweisung von Bauland.

Es muss ja immer alles auch finanziell darstellbar sein. Wir haben übrigens jetzt schon mehr Ein- als Auspendler, halten Arbeitsplätze vor und können quasi Vollbeschäftigung melden.

An wen sollen sich zum Beispiel bauwillige Familien wenden?

Göth: Die Stadt hat extra ein Programm mit finanziellen Anreizen für Familien und Bauwillige aufgelegt. In unserer aktuellen Broschüre "familie + plus" ist alles detailliert aufgelistet. Hier stehen wir jederzeit als Ansprechpartner bereit.

Was ist Ihrer Meinung nach hier der größte Standortfaktor?

Göth: Die geringen Lebenshaltungskosten gegenüber den Ballungszentren bei gleichzeitig guten Rahmenbedingungen in den Bereichen Kultur, Sport und Bildungmöglichkeiten.
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