Wirkung des Trainerwechsels beim HSV schon wieder verpufft - Knäbels Frust nach dem 0:4
Kaum Männer, viele Memmen

Der letzte Satz, den Peter Knäbel vor dem Hinauseilen zum Mannschaftsbus des HSV sagte, bündelte seinen ganzen Frust. "Heute hatten wir keine elf Männer auf dem Platz", schimpfte der Hamburger Interimscoach nach dem 0:4 bei Bayer Leverkusen und seinem verpatzten Bundesligadebüt. Denn der Liga-Dinosaurier spielte nicht nur wie ein Absteiger, sondern wirkte leblos. "Wenn man so emotionslos verliert, muss einiges schiefgelaufen sein - bei uns ist heute alles schiefgelaufen", stellte Knäbel erschrocken fest.

"Ein Horrorstart"

Die Mission des als Retter auf die Trainerbank beorderten HSV-Sportdirektors hätte katastrophaler nicht beginnen können - im wahrsten Sinne des Wortes. "Das war ein Horrorstart, den Ball schießen wir uns fast selber rein", kommentierte er das 0:1 in der 7. Minute durch den Bayer-Profi Gonzalo Castro. HSV-Kapitän Johan Djourou, der mit einem Fehlpass, das Gegentor verursachte, ärgerte sich nicht nur über den Fauxpas, sondern ebenso über seine Mitspieler: "Schlimm ist, dass wir nicht einmal kämpfen. Das Problem ist, wir gehen zu einfach unter."

Der Selbstkritik konnte Knäbel nur beipflichten. Auch er monierte die mangelnde Präsenz sowie fehlende Einstellung der HSV-Spieler und kündigte personelle Konsequenzen für das Nordderby gegen den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg an. "Ich habe gesehen, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht", sagte der 48-Jährige, der erstmal nach 15 Jahren wieder als Trainer im Einsatz war und trotz des Debakels versicherte: "Ich habe mich da unten sehr wohlgefühlt." Glauben mochte es ihm keiner so wirklich nach der siebten sieglosen Liga-Partie und dem nun vierten Spiel in Serie ohne selbst erzieltes Tor. Die mitgereisten Fans jedenfalls waren außer sich vor Wut über den indiskutablen Auftritt ihrer HSV-Profis. "Dass wir uns nach dem Spiel von den Fans einiges anhören mussten, gehört dazu, genau, wie sich in schönen Momenten von ihnen feiern zu lassen", meinte Hamburgs Keeper Renè Adler, der froh sein durfte, bei der Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte nicht noch mehr Treffer kassiert zu haben.

Am Ende trafen nur seine früheren Bayer-Teamkollegen Stefan Kießling (44./56.) und Castro noch dreimal. "Wir müssen jetzt weitermachen, die Köpfe hochnehmen und die Lehren aus dem Spiel ziehen", forderte der von Knäbel wieder zur Nummer eins beförderte Adler.

Der Übergangscoach hat nur noch sieben Spiele, um mit dem maroden HSV die Kurve zu kriegen und das Traineramt bei einem Klassenverbleib wohl an Thomas Tuchel zu übergeben. Nur wie? "Wir sind voller gut gemeinter Tipps, was das betrifft", sagte Knäbel selbst etwas ratlos. Er will aber nach dem Debakel nicht mit der Hau-drauf-Methode die Wende erzwingen: "Man kann den Profis nicht sagen, Du kannst nichts, musst aber Spiele gewinnen. Wir müssen den Spielern nun im Training das Selbstvertrauen vermitteln."
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