Wo alle Zahnräder greifen

Kinderkrankheiten sind ausgemerzt, bei der ersten Bürgerwindkraftanlage im Landkreis läuft alles rund. Und das fast 200 Meter hohe Bauwerk bei Penting wird sogar von den Nachbarn akzeptiert. Warum das so ist, das war am Freitag auch Thema bei der Einweihung

Mit Glühwein statt mit Sekt stießen am Freitagnachmittag Politiker, Gesellschafter und Vertreter der beteiligten Firmen auf die erste Bürgerwindkraftanlage im Landkreis Schwandorf an. "Die meisten Beteiligten kommen aus der Umgebung", verkündete Neunburgs Bürgermeister Martin Birner stolz und erklärte damit auch die enorme Akzeptanz gegenüber dem Projekt.

"Großes Miteinander"

Von Anfang an hätten sich alle zu einem "großen Miteinander" verpflichtet. "Alle Zahnräder griffen optimal ineinander", rekapitulierte der Bürgermeister und fügte hinzu: "Akzeptanz durch Beteiligung ist hier das Schlagwort." So könne man nun ein einmaliges Vorzeigeprojekt präsentieren, gestalte vor Ort die Energiewende mit und leiste einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz. "Früher war die Regel, dass nichts höher sein darf als der Kirchturm. Das hat sich glücklicherweise geändert, heute ist ein Umdenken nötig"," so die Bilanz des Rathauschefs.

Wie hoch der Beitrag zum Klimaschutz ist, dafür hatte Erich Wust, Geschäftsführer der Bürgerwindenergieanlage und der mit der Betriebsführung betrauten "Wust - Wind&Sonne GmbH&Co KG, Zahlen parat: Die Anlage soll jährlich 5,8 Millionen Kilowattstunden liefern. Wer sich als Gesellschafter mit 10 000 Euro an der Anlage beteiligt hat, liefert nach seinen Berechnungen somit 40 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Mit dieser Energie könne man 178 000 Kilometer mit dem Auto fahren oder per Flugzeug nach New York und zurück fliegen.

Respekt nötigte das Projekt, für das erst im Mai Spatenstich war, auch stellvertretendem Landrat Joachim Hanisch ab. "Jeder Euro, der für regenerative Energie ausgegeben wird, ist ein Euro für die Zukunft", stellte er klar. Als "Wahrzeichen der Energiewende" pries Peter Scheitinger, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Sparkasse im Landkreis, das Windrad: "Man sieht jetzt von weitem, dass die Windenergie in unserer Region Einzug gehalten hat." Auch Stefan Trummer von der für den Bau verantwortlichen Firma Voltgrün lobte die außergewöhnlich gute Akzeptanz des Windrad-Projekts in der Umgebung.

Er versprach für die kommenden 20 Jahre die gewaltige Energiemenge von 100 Millionen Kilowattstunden und hatte ebenfalls einen Vergleich parat: Diese Windenergieanlage könne 1500 Haushalte mit Strom versorgen. "Ich hoffe, dass das 10-H-Abstandsgesetz wieder kippt", meinte er in Hinblick auf weitere mögliche Windräder, die dann doch noch realisiert werden könnten.

Gondelfahrt verschoben

Dass diese technische Errungenschaft nun der Gemeinschaft dienen möge, wünschte sich Pfarrer Stefan Wagner, der zusammen mit seinem evangelischen Kollegen Gerhard Beck die Anlage segnete. Laut Vertrag sollte die Anlage erst zum 31. Dezember ans Netz gehen, sie habe aber bereits jetzt den Gesellschaftern ein "sattes Polster" beschert, verkündete Geschäftsführer Wust. Verschoben werden musste aller eine geplante Gondelfahrt zur Nabe des Windrads. Drei solcher Fahrten wurden unter den Gäste bei der Einweihung verlost, dazu noch fünf Liegestühle. Der Erlös soll unter den drei Neunburger Kindergärten aufgeteilt werden.
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