Wo der Böhmische Wind schnurrt

Die "Windschnurrn" ist Magdalena Keilhauer zur Heimat geworden. Bilder: Grüner
 
Picobello steht die "Windschnurrn" da und ist den Sommer über Forum für kulturelle Abende.

"Wenn draußen der Sturm ums Haus fegt und ich im gut geheizten Arbeitszimmer durch die große Fensterfront blicke, fühle ich mich wie Leo Tolstoj. Es fehlen nur die Wölfe in der rauen Landschaft."

Vielleicht ist Magdalena Keilhauer in der Zukunft auch dieser Anblick vergönnt, denn die einsamen Wälder entlang des Grenzkamms, durchstreift Isegrimm schon längst wieder. Die gebürtige Budweiserin, die in Regensburg, Eltville, Mainz, Frankfurt und anderen Orten aufgewachsen ist und dabei in zehn Jahren fünf Mal umgeschult wurde, liebt die strengen Winter dort oben an der Grenze. Seit 2003 lebt sie in ihrem Vierseithof, dem sie den bezeichnenden Hausnamen "Windschnurrn" gegeben hat. "Das ist meine Heimat", sagt sie.

Dabei fing alles gar nicht so gut an. "Im April haben wir das leerstehende Anwesen gekauft, im Mai sind wir eingezogen und im Juni abgebrannt", erinnert sie sich mit Schrecken. Mit "wir" meint sie sich und ihren Sohn Fred, der Rummelsberger Diakon in Waldkraiburg am Inn ist und für seine Mutter dieses Domizil geschaffen hat.

Drei Höfe, die alle von alleinstehenden Frauen bewohnt waren, fielen damals dem Feuerteufel zum Opfer. "Klar, dass wir da verdächtig waren und immer wieder verhört wurden." Ein viertel Jahr lebte Magdalena Keilhauer im Wohnhaus, das Wasserschäden aufwies, dessen Fensterscheiben und Türen kaputt waren und das fürchterlich nach Rauch stank. Aber sie und ihr Sohn bauten wieder auf, darunter den Stadl, der den Flammen komplett zum Opfer gefallen war. Daraus machte sie die "Windschnurrn".

Die ist gleichermaßen Aktionshaus des Kulturvereins, den sie ins Leben gerufen hat, und Präsentationsfläche für Produkte aus dem eigenen "Andra-Danu-Verlag". Magdalena Keilhauer ist in Budweis geboren, hat ihre Ferien immer im Bayerischen Wald bei der Großmutter verbracht und Entwicklungshilfeprojekte in Afrika und Brasilien begleitet. Eine Reisende war sie lange Zeit, die stets auf der Suche nach einem echten Zuhause war. Das fand sie das erste Mal in Weiden, wo sie 14 Jahre am Stück gelebt hat.

"Da gehen Sie nie hin"

Heimat - diese Rolle spielt schon längst ihr jetziges Domizil. "Das spüre ich ganz deutlich. Ich habe schon immer gewusst, dass ich mich irgendwann in der tiefsten Oberpfalz niederlassen werde." Als ihr der Immobilienberater einer Bank das Objekt anbot, habe er schüchtern gesagt, " ...aber da gehen Sie nie hin ..."

Es war ein eiskalter Tag im März, als sie, ihr Sohn und der Banker in Hermannsreuth anreisten. Mit dem Auto schafften sie es nicht ganz. Zu viel Schnee. "Wir gingen zu Fuß hinauf, ich sah das Haus, die majestätischen Bäume und wusste, hier hat dich der Herrgott hingeführt."

Auflage der Brandversicherung war, dass der Stadl wieder genauso aufgebaut werden musste, wie er ursprünglich war. "Dass wir keine Heizung einbauen durften ist bis heute ein Problem, wenigstens konnten wir Toiletten durchsetzen." Magdalena Keilhauers großes Vorbild ist Albert Schweitzer. Als freie Journalistin arbeitete sie für diverse Entwicklungshilfswerke, verfasste Pressemappen, drehte Videofilme und fotografierte Diaserien. Ihr Wohnsitz war zu dieser Zeit München. Ab Anfang der 1990er Jahre verstärkte die gelernte Journalistin (sie arbeitete vier Jahre als Redakteurin bei den Oberpfälzer Nachrichten) neun Jahre lang die PR-Abteilung unserer Zeitung.

Fernstudium

Per Fernstudium bildete sie sich als Journalistin und Lektorin bei der Münchener Schreibschule weiter und merkte sehr schnell, dass Lektorin ihre absolute Lieblingstätigkeit war und ist. Gesundheitliche Gründe zwangen sie, ihre Karriere beim "Neuen Tag" zu beenden. Sie war damals 58 Jahre alt und lobt die Regionalzeitung bei der Abwicklung ihres Ruhestandes als äußerst kulantes Haus.

"Ich konnte mir aber nicht vorstellen, nichts mehr zu tun." Ihr Filius hatte die Idee und sagte, "das machen wir jetzt so, dass du in deinem Tempo weiterschreiben kannst und nur das, was du willst." Das sei schließlich auch der Grund für die Verlagsgründung gewesen. 2008 rief Magdalena Keilhauer mit sechs Gleichgesinnten den Kulturverein ins Leben, dem heute 30 Leute angehören, Deutsche und Tschechen. Neben Wanderungen zu Kulturgütern hüben und drüben und dem Bestreben, deutsch-tschechische Partnerschaften aufzubauen, sind die literarisch-kulturellen Themenabende im Obergeschoss der "Windschnurrn" die Höhepunkte.

Angelehnt an Fantasyroman

Nur in der warmen Jahreszeit, versteht sich. 40 Plätze sind dafür vorhanden. Ein Ambiente mit Club-Charakter. Bei der Planung des jeweiligen Jahresprogramms unterstützt sie ihre Stellvertreterin Ute Demmer. Mit ihrem Verlag versteht sie sich auch als Begleiterin für Autoren, die mit den Tücken des Verlagswesens nicht alleine sein wollen. Der Name "Andra-Danu-Verlag" kommt übrigens aus einem Fantasyroman für Jugendliche. Zwei der Protagonisten darin heißen Andra und David. Einen Namen hat sich der Verlag vor allem mit seinen Kinderbüchern gemacht.

Familienchroniken

Künftig will sich Magdalena Keilhauer mehr auf Dienstleistungen im Bereich Lektorat festlegen. "Da sind wir gerade im Umbruch." Außerdem erstellt sie Familienchroniken. Da kommen die Leute mit Schuhkartons voller Fotos und Dokumenten, die sie sortiert und dann zum Beispiel in einem Fotobuch veredelt.

Viel Zeit für Hobbys bleibt da nicht. Eines ist ihr rund 2000 Quadratmeter großer Garten, den auch ihr Sohn für seine Jugendprojekte nutzt. "Mir gefällt es, wenn das Areal wild ist", deutet sie dabei auf den Übergang der Grundstücksgrenze in die freie Natur.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hermannsreuth (85)September 2015 (7742)
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