Wo der Widerstand gering ist?

Die vom neuen Ostbayernring betroffenen Kommunen sind elektrisiert: Sie befürchten, dass möglicherweise die geplante Gleichstromtrasse gleich "draufgepackt" werden könnte. Sechs Gemeinden haben eine Resolution entworfen, die nun auch Pfreimd mit unterzeichnet.

Pfreimd. (cv) Schwandorf, Wernberg-Köblitz, Nabburg, Schwarzenfeld, Schmidgaden und Fensterbach richten eine Resolution an Bund und Land. Pfreimd geht damit konform, so der Beschluss des Ferienausschusses. Stadtrat Günter Strehl formulierte die Ängste vieler Bürger: Man befürchte, dass Betreiber und Politik die Leitungen im Doppelpack durch die Oberpfalz und Niederbayern führen, wenn sie andernorts nicht durchsetzbar sind und man sich "bei uns" weniger Widerstand verspricht.

Die Kommunen, welche die Resolution unterzeichnet haben, "erkennen die Notwendigkeit eines Neubaus des Ostbayernrings von Redwitz nach Schwandorf zur Energieversorgung des ostbayerischen Raumes an". Den Wünschen der betroffenen Gemeinden zur Leitungsführung sei im bevorstehenden Raumordnungsverfahren und Planfeststellungsverfahren Rechnung zu tragen. In den Gebieten, in denen die Stromtrasse einer bestehenden Bebauung sehr nahe rückt, "ist eine Erdverkabelung vorzusehen". Der Rückbau der bestehenden Leitung sei nach dem Neubau sicherzustellen.

"Unverhältnismäßig hoch"

Die Unterzeichner lehnen einen Neubau der HGÜ-Leitung (Hochspannungsgleichstromleitung) von Wolmirstadt in den Raum Landshut entlang der Trasse des neuen Ostbayernrings, entlang der Trasse des bisherigen Ostbayernrings beziehungsweise entlang der Autobahn A 93 ab. Diese Ablehnung trifft auch dann zu, falls diese Maßnahme als Erdverkabelung vorgesehen ist. "Eine Bündelung dieser beiden Stromtrassen würde die Bürger im Landkreis Schwandorf unverhältnismäßig hoch belasten," heißt es. Außerdem wird die Notwendigkeit einer Gleichstromleitung in den Raum Landshut nicht gesehen: "Schließlich wird im Netzentwicklungsplan der künftige Strombedarf im Raum Grundremmingen - also im Versorgungsgebiet von Amprion - gesehen und nicht im Raum Landshut, dem Versorgungsgebiet von Tennet." Maßgebliche Kriterien für die Auswahl dürften laut der Resolutionsunterzeichner nicht wirtschaftliche Berechnungen des beantragenden Unternehmens ein. "Die Auswahl kann sich auch nicht nach dem Kriterium richten, in welchen Gebieten der geringste Widerstand gegen neue Leitungen zu erwarten ist". Auswahl, Gewichtung und Anwendung der Kriterien müssen vorher bekannt sein "und den Grundsätzen guter fachlicher Praxis folgen".

"Nachprüfbare Fakten"

Die Kommunen fordern die Bundesregierung und die Länderregierungen auf, in ihren jeweiligen Zuständigkeitsbereich dafür Sorge zu tragen, dass bei Alternativenprüfungen alle großräumigen Trassenkorridore und nicht nur der Vorschlagskorridor des Betreibers untersucht wird. Der tatsächliche Trassenverlauf müsse "aufgrund nachprüfbarer Fakten und ohne politische Einflussnahme festgelegt werden."

Einverstanden war der Ferienausschuss, dass Bürgermeister Richard Tischler der Vereinigung "Mayors for Peace" - eine SPD-Initiative gegen Atomwaffen - beitritt. Das Ganze hat symbolischen Charakter. Bürgermeisterkollegen unterschiedlicher Couleur sind dabei.

Stadtrat Klaus Summer fragte nach, ob damit zu rechnen sei, dass die Stadt erneut Flüchtlinge aufnehmen müsse. Weder von der Regierung der Oberpfalz noch vom Landratsamt liegen entsprechende Informationen vor, so Bürgermeister Tischler. Als die Gemeinschaftsunterkunft in der Wernberger Straße bezogen wurde, hieß es, dass die Zahl von 100 zentral und dezentral untergebrachten Flüchtlingen in Pfreimd nicht erhöht werden sollte. Damals sei die Regierung aber auch nicht davon ausgegangen, dass die Flüchtlingszahlen so dramatisch steigen, so Bernhard Baumer.
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