Wo die alten Autos wieder jung werden

Das Geld zerrinnt Horst Linn sicher nicht zwischen den Fingern, aber für seinen Traum vom Speedtreibhaus für die Autos, die er sammelt, hat der Unternehmer ordentliche Summen in die Hand genommen: mehr als 400 000 Euro, wobei die Regierung der Oberpfalz einen Zuschuss von 60 000 Euro beisteuerte. "Ich will mit dem Ding kein Geld verdienen, aber die Einnahmen sollten schon die Kosten decken", stellt sich Linn vor.

Wer den speziellen Humor von Horst Linn nicht kennt, versteht schon nach der ersten Antwort die Welt nicht mehr. "Warum ich das Speedtreibhaus gebaut habe? Tja, das ist aus der Not geboren."

Wie bitte? Not? Horst Linn ist ein erfolgreicher Unternehmer im Industrieofenbau ("Linn High Therm"), mittlerweile 70 Jahre alt und in seiner Firma "nur noch geduldet", wie er mit einem Augenzwinkern sagt, aber welche Not soll das denn sein? "Platzmangel", konkretisiert Linn. Über 50 Rallye-Autos, zum Teil sehr wertvoll, auf sieben Standorte verteilt und keine Möglichkeit, sie ordentlich unterzustellen.

Erste Idee: eine Trapezblechhalle. Hätte man für 60 000 Euro in der erforderlichen Größe bekommen. Aber ohne Fenster, ohne alles eigentlich. "Mensch, mach das doch öffentlich zugänglich, für ein Museum kriegst du Zuschüsse", haben Freunde dann Linn geraten. Das stimmte, 20 Prozent Förderung versprach die Regierung der Oberpfalz. "Aber Linn, tu was für die Region, mach ein Café rein, bei euch gibt's doch zu wenig Wirtshäuser", hätten sie ihm dort gesagt, erinnert sich der Unternehmer.

Damit war der Ehrgeiz des "immerwährenden Kraftwerks" (Armin Nentwig über Horst Linn) angefacht. Innerhalb von zwei Jahren stellte er ein Museum mit über 600 Quadratmetern Fläche in nobler Aufmachung hinter sein Firmengebäude in Eschenfelden. Zum Schluss kostete es nicht wie geplant 300 000 Euro, sondern über 400 000, aber Horst Linn wollte sich nicht lumpen lassen. "Es musste schon was Vorzeigbares sein. Und dann war es mir auch ein Anliegen, der Region was zurückzugeben."

Heute strahlt er, wenn die Besucher mit leuchtenden Augen durch die Halle gehen und ein "Wow" auf das andere folgt. Bloß die Damen mit den Handtaschen, die machen ihm Angst, sagt Linn. Ruck, zuck ist da ein Kratzer im sorgsam restaurierten Lack. Und die Kinder, die meinen, man könnte sich auch jederzeit in ein Auto reinsetzen und da rumspielen. "Drei hab ich schon rausgezogen. Man muss ja den Wert auch schützen."

Natürlich sind die 43 Autos dem ehemaligen Rallye-Fahrer (1967 bis 1983) ans Herz gewachsen. Bei etwa 30 Prozent davon saß er selbst am Steuer. Einige Male hat er "zufällig gewonnen" und bei etlichen Gelegenheiten trat er gegen Walter Röhrl an, der ihm seit dieser Zeit ein Freund ist. Umso mehr hat es Linn bedauert, dass der bekannteste deutsche Rallyefahrer bei der Eröffnung des Speedtreibhauses im Februar krank war und nur per Bildschirm dabei sein konnte.

Ganz oder gar nicht

Wenn Horst Linn durch die Reihen der Autos führt und zu allen jedes technische Detail, jede PS-Zahl, jede Platzierung bei den bedeutenden Rennen im Kopf hat, fragt man sich, wie dieser Unternehmer mit Leib und Seele sich gleichzeitig so in den Rallyesport versenken konnte. Aber irgendwann versteht man: Linn macht alles, was er anfängt, mit dieser Wucht, dieser bedingungslosen Leidenschaft. Ganz oder gar nicht.

Noch heute hört man in seiner Stimme den Nachhall der Enttäuschung, als er bei der Olympia-Rallye 1972 von Kiel nach München aufgeben musste: "Da bin ich im Odenwald mit einem Schaden an der Kopfdichtung meines Skodas rausgeflogen." Aber man sieht ihm auch den Stolz an, wenn er die Vase in Händen hält, die er in den 70ern als bester nicht-skandinavischer Teilnehmer der Hanki-Rallye in Finnland erhielt. Eine zerbrochene Frontscheibe habe ihn damals nicht aufgehalten, erzählt Linn. Als er sich einer Kontrollstelle näherte, habe er dort aus dem Radio den Reporter gehört, der angesichts der Fahrweise des Deutschen ins Schwärmen geriet: "Linn, Linn - he's flying like a Finn."

Horst Linn fühlt sich wohl in seinem zweiten Leben als Museumsleiter und Gastronom. Vor dem Café stecken schon die Markierungen in der Wiese, wo der Erweiterungsbau hin soll. Schließlich muss er noch zwölf weitere Autos unterbringen, die derzeit in Ungarn, in Italien oder sonstwo stehen. Mit Events und Live-Übertragungen von Rennsport-Ereignissen auf Großleinwand will er frisches Publikum locken. Die früheren Formel-1-Fahrer Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass haben Linn versprochen, dass sie vorbeischauen. Und "der Walter" kommt auch. Für ihn macht Linn dann noch einmal eine "kleine Eröffnung".
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