Wo ist die Zeit?

"Wie entschleunige ich meinen (Familien-)Alltag?" Die Antwort auf diese interessante Frage gab es im Kolpinghaus Riglasreuth. Pastoralreferent Andreas Dandorfer vom Referat Ehe und Familie des Bistums Regensburg sprach auf Einladung der Pfarrgemeinderäte Neusorg und Pullenreuth.

Zu Beginn las Pfarrer Hans Riedl geistliche Texte aus der Gründonnerstagspredigt. Pastoralreferent Dandorfer hob hervor, dass die Zeit begrenzt sei. Dies betreffe schöne und schlechte Phasen. Er schickte seinen Ausführungen voraus, er könne den Gästen keinen Zehn-Punkte-Plan mitgeben, jeder müsse den Umgang mit der Zeit individuell handhaben.

Auf der Suche

Der Redner präsentierte in seinem mit Lichtbildern untermalten Vortrag auch ein Plakat des Films "Speed - auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Dieser Film berichte von einem Leben im Hamsterrad. Dandorfer bekräftigte, das Phänomen der fehlenden Zeit gebe es schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Das Reisetempo sei seitdem um das Hundertfache gestiegen, das Kommunikationstempo sogar um das Zehnmillionenfache. Die Menschen hätten mehr Freizeit als je zuvor, klagten aber trotzdem über Stress. Auch die Krankheitszahlen aufgrund von Stress hätten sich verdreifacht. Vielen helfe eine Auszeit, um Abstand zu gewinnen. Davon berichte auch Hape Kerkeling in seinem Buch "Ich bin dann mal weg".

Unter einen Hut

Die Geburt von Kindern verändert das Leben, erklärte Andreas Dandorfer. Auszeiten seien dann nicht mehr ohne weiteres möglich. Arbeit und Familie sind oft nur schwer unter einen Hut zu bringen und gleichen einem Balanceakt. Er stellte den Gedanken des Zeitbudgets in den Raum und zeigte anhand von Statistiken, wie der Tag verbracht wird.

Der Referent sprach auch von einer "Rushhour des Lebens", gerade zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Dies bedeute ein rast- und ruheloses Leben, in dem alles gleichzeitig gemacht werden soll. Stress entstehe durch Ungleichgewicht und Anforderungen aus vielen Bereichen. Zuviel Stress verursache einen Burnout. Warnzeichen dafür seien Müdigkeit, Aggressionen, Angst, Panik oder Erschöpfung. Besonders gefährdet seien Perfektionisten und notorische Ja-Sager. Als erstes Hilfsmittel empfahl Dandorfer, den Stress hinter sich zu lassen und Entspannung zu suchen. Auch früher gab es keine perfekten Familien. Deshalb warnte er vor so genannten "Helikopter-Eltern", die ihr Kind unter einer "Käseglocke" schützen wollen. Kinder hätten schon heute zu viele Termine. Der Stress der Eltern mache aber auch die Kinder krank.

Stress beeinflusse ebenso die Kommunikation in der Partnerschaft und treibe die Scheidungsrate nach oben. Wichtig sei hier eine Zeit, die gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen hervorbringe. Ebenso dürfe die Entfremdung zwischen den Partnern nicht zu groß werden. Zur Entfremdung beitragen könnten Fernsehen und Computer.

Hilfreiche Rückschläge

Niederlagen seien keine deprimierenden Ereignisse, denn Rückschläge können jemanden wachsen und reifen lassen. Hilfreich ist eine positive Lebenseinstellung, nach Lösungen zu suchen und Verantwortung zu übernehmen. Es sei wichtig das Leben zu vereinfachen und nach mehr Qualität als Quantität zu streben, schloss Andreas Dandorfer. Als Dank für seinen Vortrag bekam er von Irene Ritter ein Präsent.
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