Wo kein Auto hinkommt

Ganz begeistert sind die Alberts von den Formationen an der Felsentour. Bilder: swt
 
Paul und Wilma Albert laufen fast täglich durch die Natur. Als Wanderwart kümmert sich der Rentner um die Instandhaltung der Wege.

Der Duft von nassem Laub liegt in der Luft, die Sonne schickt ihre letzten wärmenden Strahlen durch die Bäume. Der herbstliche Wald erstrahlt ein letztes Mal im bunten Kleid. Tief atmen Paul und Wilma Albert ein, als sie ihre Wanderung rund um Auerbach beginnen.

Drei bis vier Mal in der Woche macht sich das Wellucker Ehepaar auf den Weg. "Wir kennen fast jeden Weg rund um die Stadt", schmunzeln beide. Sie halten sich mit den regelmäßigen Märschen fit und beobachten dabei die Natur und den Wegesrand.

Da fällt es ihnen immer wieder auf, wenn Schilder kaputt gehen oder fehlen, die Orientierung für Wanderer nicht ausreicht: Ein Grund, warum Paul Albert seit neuestem als städtischer Wanderwart fungiert. Bürgermeister Joachim Neuß hat ihn dazu offiziell berufen. Er geht dabei Werner Purkl zur Hand, der seit Jahren die Wege instand hält.

Wandern hält sie fit

Allerdings ist Purkl meist mit dem Auto unterwegs, hat Werkzeug dabei für kleinere Reparaturen. Die Alberts dagegen laufen seit fast 15 Jahren Kilometer um Kilometer der wunderbaren Wege. Zum einen mit der Nordic-Walking-Gruppe um Sylvia Felser, zum anderen aber auch nur zu zweit. "Damit halten wir uns fit," meint der 75-jährige sportliche Rentner, der wie Gattin Wilma (72) kaum einen Arzt braucht, geschweige denn Tabletten.

Schon immer sportlich

Wenn es nach dem Rathauschef gegangen wäre, dann hätte Paul Albert das Museum 34 unterstützen sollen. "Aber ich war beruflich jahrelang im Bau, ich muss raus in die Natur." Albert arbeitete sich vom Schneiderlehrling zum Betriebsleiter hoch. Sportlich war er schon immer, spielte Handball, fährt Inliner und ist glühender Anhänger der Handballer des SV 08 Auerbach. Dass er und seine Frau viel laufen, war auch im Rathaus bekannt: "Wir haben immer schon dort Bescheid gegeben, wenn uns was auffiel."

So fiel die Wahl des Wanderwartes auf ihn. "Wir kommen halt dahin, wo sonst kein Auto hin kann", erklären die Alberts der SRZ. Wir begleiten die beiden auf einem gemächlichen Spaziergang durch die Felsentour oberhalb von Sackdilling.

"Hier ist es fast noch schöner als im Krottenseer Wald", schwärmt Albert und zeigt uns bizarre Felsformationen, Höhleneingänge und steinerne Pfade. Leider hat keiner der Felsen einen Namen, bedauert er und zeigt uns den steilen Aufstieg zu einer Aussichtsplattform, die im städtischen Flyer zur Felsentour beschrieben ist.

Doch von "der weiten Sicht in den Truppenübungsplatz ist leider nicht viel übrig, stattdessen schweift der Blick in dichtes buntes Blattwerk des herbstlichen Waldes. Das müsste halt im Flyer geändert werden, meint der aufmerksame Beobachter, dem auch nicht entgeht, wenn alte Wegschilder plötzlich weg sind oder eine Hinweistafel an der Weggabelung fehlt.

Das Wirtshaus fehlt

"Schade, dass die Wege hier bei den Bürgern so wenig bekannt sind. Kaum ein Auerbacher begegnet uns auf den Wanderungen." Dafür treffen die Alberts auf Touristen aus Nürnberg oder Erlangen, die mit dem Zug bis Neuhaus fahren und dann in Richtung Sackdilling unterwegs sind. "Dass es das schöne Wirtshaus nicht mehr gibt, ist schade. So könnte man eine Brotzeit oder einen Kaffee genießen", meint Wilma Albert.

Außerdem vermissen die Alberts die ausreichende Werbung für die tollen Wege und die Naturschönheiten, die sie erschließen. Felsformationen, Höhlen, markante Waldpunkte wie den Herrnschlag oder den Allmannsberg kenne kaum jemand. "Der Stadt ist es schon ein Anliegen, das besser zu vermarkten." Aber da brauche es Anschauungsmaterial, Pflege und die Identifikation der Bevölkerung mit den Naturschönheiten rings um die Bergstadt.

Damit geben die Alberts auch Katja Schmidbauer recht. Die Regensburger Studentin an der Hochschule in Deggendorf hat eine Bachelorarbeit zum Thema Eisenstraße verfasst. Dazu gehören auch Wege rund um Auerbach. Auf den Punkt gebracht bemängelt die Tourismusmanagerin vor allem die mangelnde regionale Identifikation, die fehlende professionelle Organisation. Sie empfiehlt, die Themen Bergbau, Natur- und Kulturerlebnis zu verknüpfen. Dazu hat sich eine Arbeitsgemeinschaft gefunden, die diese Themen wiederbeleben soll.
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