Wolfgang Schleicher vom Referat für Agrarangelegenheit in der Bayerischen Vertretung berichtet ...
Direkter Kontakt zu Brüssel

Harlesberg. (bgm) Seit fünf Jahren leitet Johann Kick aus Grünau die 1973 gegründete Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft im CSU-Kreisverband. In der Kreisversammlung schenkten ihm die Mitglieder erneut einstimmig das Vertrauen.

In den vergangenen beiden Jahren diskutierte die Arbeitsgemeinschaft mit Landtagsabgeordneter Petra Dettenhöfer den Ausgleichsflächenzwang sowie Tierschutzthemen und sprach mit Albert Füracker über die Nachrüstung von Güllegruben oder über Otterprobleme in der Fischereiwirtschaft. Beim Gesprächskreis mit Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht stand die Novellierung der Düngemittelverordnung auf der Tagesordnung. Bei den Kommunalwahlen warben die CSU-Landwirtschaftsvertreter mit eigenen Flyern für ihre Ziele. "Die Landwirte ernähren die Bevölkerung mit hochwertigen Lebensmitteln und nachwachsenden Rohstoffen", betonte Kick.

Tierschutz: Keine Einigung

Über Aktuelles aus der EU-Agrarpolitik sprach Wolfgang Schleicher, der das Referat für Agrarangelegenheit in der Bayerischen Vertretung in Brüssel leitet. Der gebürtige Amberger lebt mit seiner Familie in Schwandorf und pendelt wöchentlich die 700 Kilometer in die belgische Hauptstadt. EU-Recht bestimme 80 Prozent der Agrarpolitik, erklärte Schleicher die Notwendigkeit einer bayerischen Vertretung, die direkte, informelle Kontakte zum Europäischen Parlament und zur Kommission unterhalte. Eine ihrer Hauptaufgaben sei die frühzeitige Information der Staatsregierung in München über die Politik in Brüssel. In der Milchdebatte forderten britische Abgeordnete weitere Kriseninstrumente, ohne aber konkrete Vorschläge zu unterbreiten. "Wir haben eine sehr heterogene Diskussion, von der Wiedereinführung der Milchquote bis hin zu gar nichts machen", fasste Schleicher zusammen. Wenn die Situation angespannt bleibe, werde es wieder zu sehr emotionalen Debatten kommen. Die Molkereien beobachteten den Milchpreis minutiös. "Da müssen Politik und Erzeuger mehr machen", meinte der Referent. Die Einrichtung einer Milchmarktbeobachtungsstelle sei ein guter Schritt.

Die hohen Produktionskosten bereiten den AGL-Vertretern Sorgen. In Irland sei die Produktion vielleicht bei einem Preis von 25 Cent noch rentabel, meinte ein AGL-Mitglied. "Momentan sehe ich keine Möglichkeit, beim Tierschutz zu einer Einigung zu kommen", sagte Schleicher.

Mangelndes Verständnis

"Wir sind gut. Wir haben super Erzeugungsbedingungen. Warum müssen wir immer noch eins draufsetzten?", fragte Hans Winter. Die Tierwohlkommission sei nicht richtig zusammengesetzt, sagte Hans Scharbauer. Erika Sauer regte eine bessere Kommunikation mit der Öffentlichkeit an. "Die Leute sind uns abhandengekommen. Sie haben kein Verständnis für die Landwirtschaft. Wir müssen uns der Diskussion stellen", betonte Sauer.

Das bekräftigte auch Schleicher. Ein Bekannter habe sich bei ihm beklagt, dass die Ställe immer größer würden. Am darauffolgenden Sonntag sei er mit ihm ins Museum nach Neusath-Perschen gefahren. Es hatte 30 Grad, Kuh und Ziegenbock standen gemeinsam im dunklen Stall. "Es stank. Die Augen tränten wegen des Ammoniaks", beschrieb Schleicher die Situation. Da brauche sich ein moderner Stall nicht zu verstecken - auch nicht mit 150 Kühen.
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