Woos dees "o" niat ales oarichtn koa
Kleiner Exkurs in den Stiftländer Dialekt

Bei den meisten Zoiglwirten habe ich es schon verschi..en, weil ich sie immer wieder nerve. Unser Nordoberpfälzisch ist ja bekanntlich ein schöner und feinsinniger Dialekt, den auch die Zoiglwirte gewöhnlich sehr schätzen.

Wie gut tut das selbstverständliche Du in der Zöiglstube , das sogar im ausführlichen Satz bei der Bedienung noch verborgen ist, der da lautet: "Woos mächst?". Freundlich-direkt ist die Ansage beim Zoigl. Jede Zoiglstu(b)mm lässt sich identifizieren durch ihre zwar meist kleine, aber charakteristische Speise-/Brotzeitkarte.

Aber ein bestimmtes kaltes Gericht enthält jede schriftliche Zoigl-Speisenanpreisung: Den angemachten Käse, der fast ausnahmslos ausgerechnet in uns überflutendem Südbayerisch als "Obatzter" bezeichnet wird - und das in einer stiftländischen Zöiglstu(b)mm! Ich bestell' ihn nicht, weil mir die Schreibweise stinkt, obwohl er (der Käse) gerade das nicht tut, sondern mir sehr schmecken würde.

Mit allen erdenklichen sprachlichen Tricks gehe ich auf den Wirt zu, um ihn an seiner nordost-oberpfälzischen Ehre zu packen. "Schreib' doch nou däan "o" einfach nu a "a" dazou, daas ma woiß, woss iis." "Oa" heißt bei uns im Stiftland und meist auch im Sechsämterland außer dem "Ei" soviel wie "an", und "o" bedeutet "ab" oder "aus". Und einen abgebatzten Käse mag ich bei Gott nicht, einen, der vielleicht als Baatz gerade im "Ab"-falleimer gelandet ist. Denn, wenn ein Bursche verliebt zu seinem südbayerischen Moidl sagt, "Zöich de halt ganz o, Eva(r)l, es wiadda gfaln", dann meint er bei uns sicherlich nicht, dass sich seine Allerliebste alles "an"-ziehen soll, sondern eben drastisch das Gegenteil.

Nur in Südbayern würde die Angebetete wahrscheinlich enttäuscht-beleidigt das Weite suchen, weil dort eindeutig "an" gemeint wäre. "Draa alle La(a)mmpla o" (südbayerisch für "mach alle Lichter an") würde dort im vielleicht bereits erreichten liebes-heimeligen licht-gedimmten Zustand die Verknallte völlig verwirren. Mit so einer Südfreundin müsste ein Stiftländer Bursch mit seinen Worten schon vorsichtig sein.

Denn ein "Draah an Sicherungsschalta o" kann bei den südlicheren Bajuwaren richtig lebensgefährlich werden! Deshalb auch ist in unserer Ecke "Ozapft iis" das sinnlos-genaue Gegenteil von dem, was man eigentlich sagen möchte, nämlich "Oazapft iis" . Einzig das eher mitteloberpfälzische (ab etwa NEW) "Ahzapft iis" könnte man noch gelten lassen.

Dieses uncharmant uns okkupierende Südbayerisch - nein, ohne mich! Aber ich weiß: Das ist ein Kampf "David gegen Goliath", den ich da mit Zähigkeit am Ausfechten bin. Die Zoiglwirte wären meine einzigen Verbündeten, denen ich am ehesten das Stehen zu unserem Dialekt zutrauen würde.

Deshalb gebe ich nicht auf, so wie beim "Haferl" im Gegensatz zum heimischen "Dipfl" , das man kaum noch liest im Angebot unserer Cafés, ja sogar mancher Zoiglschdu(b)mm. ("A Haferl?" - "Naa, lous göi, aafs Haaferl göie dahamm!")

Kürzlich bestellten einige weibliche Zoiglbesucher an meinem Tisch "Büchsenfleisch" , ausgesprochen als "Bixnfleisch" . Ich fragte die reizende Bedienung, ob das wohl nur Fleisch für Frauen sei. Nach kurzer Überlegung und einem Riesenlacher am Tisch fragte sie dann schlagfertig, wie wohl dann das Fleisch für Männer heißen könnte. Ich hätte schon eine Bezeichnung auf Lager gehabt - etwas mit dem kastrierten Stier -, habe das Wort jedoch aus züchtiger Zurückhaltung nicht rausgelassen. Der Zoigl ist halt fast die einzige Oase, in der sich unsa Schbrouch noch nach Herzenslust ausbreiten kann. Schöi, da(a)ss nan gitt!
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