"Würden sie vermissen"

Zu gefährlich, zu schwer, zu technisch - der Dienst in der Feuerwehr ist nichts für Mädchen. Auf dieses Vorurteil geben die Verantwortlichen der Punreuther Wehr wenig. Seit 1998 nehmen sie Frauen mit offenen Armen auf.

Frauen in der Feuerwehr hatten es lange schwer. In den Brandschutzgesetzen der Länder gab es den Begriff "Feuerwehrfrauen" nicht. Der Eintritt in eine aktive Wehr war nicht leicht oder blieb ganz verwehrt. Heute heißt es im Bayerischen Feuerwehrgesetz: "Feuerwehrdienst können alle geeigneten Personen vom vollendeten 18. Lebensjahr leisten".

___ ___

Dass auch Frauen zu diesem geeigneten Personenkreis zählen, beweist die Wehr in Punreuth (Gemeinde Immenreuth, Landkreis Tirschenreuth). Kommandant Gerhard Popp ist froh, seine Damentruppe zu haben: "Ohne unsere Frauen könnten wir die Tagesalarmsicherheit nicht aufrecht halten." Ähnliche Töne schlagen andere Punreuther an. "Wir würden sie vermissen. Es würde ein Eck fehlen." Sie bescheinigen den Frauen auch, das Feuerwehrleben aufzulockern und sie anzuspornen.

Die Erfolgsgeschichte der Feuerwehrfrauen begann 1998. Das Trio Tanja Scheitler (geborene Brunner), Sabine Busch (Brunner) und Karin Kirchberger (Dötterl) wollte einfach mitmachen und setzten sich den Feuerwehrhelm auf. Ihre Entscheidung fand im Vorstand der Wehr Unterstützung. "Ja, wir wollen Frauen", sagten die Verantwortlichen. Dies war im Hinblick auf die Alarmsicherheit vorausschauend.

"Eine Extrawurst haben wir nicht bekommen, und bei den Übungen wurden keine Unterschiede gemacht. Auch nicht beim Gerätehausneubau", erinnert sich Tanja Scheitler. Die ersten Jugendleistungsprüfungen waren bald abgelegt. Die Damengruppe wuchs. Heute umfasst sie zwölf Aktive: Simone Braun, Ramona Braun, Barbara Brunner-Müller, Sabine Busch, Simone Dötterl, Kathrin Dötterl, Anke Frauenholz, Karin Kirchberger, Marina Pocker, Monika Prechtl, Tanja Scheitler und Lisa Wolf.

Im Landkreis Tirschenreuth gab es bei der Wehr in Höflas bereits eine reine Frauen-Löschgruppe, erinnert sich Kreisbrandinspektor Otto Braunreuther. An die Kompetenz der Punreuther habe die aber nicht herangereicht. Sie sei einmalig. Alle besitzen das Leistungsabzeichen "Feuerwehr im Löscheinsatz". Tanja Scheitler hat bereits die höchste Stufe "Rot auf goldenem Grund" erreicht. Über die Ausbildung Truppmann, Truppführer, Funk und Gruppenführer 2005 qualifizierte sie sich für höhere Aufgaben: Seit 2012 ist sie die erste und einzige stellvertretende Kommandantin einer Feuerwehr im Landkreis Tirschenreuth.

___

Im Ernstfall unabhängig

___

Elf Jugendleistungsprüfungen und neun Truppmannausbildungen weist das muntere Dutzend auf. Dazu fünf Frauen mit Truppführer- und vier Funkausbildungen. Das machte die Frauen noch nicht unabhängig. Bei der Leistungsprüfung 2013 brauchten die Damen noch ihren "Gockel" - Maschinist Michael Schroller. In diesem Jahr absolvierte Sabine Busch den Maschinistenlehrgang, Ramona Brunner und Kathrin Dötterl unterzogen sich der Ausbildung zu Atemschutzträgerinnen.

Auch das neue Löschfahrzeug mit 7,49 Tonnen können sie im Ernstfall fahren. Sabine Busch und Kathrin Dötterl haben in diesem Jahr den Feuerwehrführerschein bis 7,5 Tonnen erworben. Sie sind damit autark von den Männern - wenn sie wollten. Wenn ein Baum auf der Straße liegt, sind die Frauen in der Lage, sich den Weg freizumachen. Dafür haben sie im Winter Motorsägekurse absolviert. Sie verwirklichten damit ihre Vorgabe: "Wenn aktiv, dann mit allen Konsequenzen."

Ganz selbstverständlich stehen die Frauen ihren Mann, wenn die Wehr zu Unfällen oder Bränden gerufen wird, zuletzt im September bei einem Dachstuhlbrand im Nachbarort Ölbrunn. "Da war es sehr gut, mit Simone Dötterl eine examinierte Krankenschwester zur Seite zu haben", sagt Tanja Scheitler. Dötterl kümmerte sich um einen Schockpatienten. Die Routine hat sich Simone Dötterl bei den Einsätzen im Rettungswagen der BRK-Bereitschaft Kemnath geholt. "Wir nehmen das Ganze sehr ernst", unterstreicht auch sie.

___

Männer auf Trab halten

___

Verantwortung übernehmen - das schreiben die Ladys der Wehr ganz groß und denken an die Zukunft. Katrin und Simone Dötterl bilden als Jugendwarte den Nachwuchs aus. Es sind zurzeit mit Stefanie Braun, Kerstin Kneissl, Aileen Schmidt, Jasmin Popp und Julia Stich fünf Mädchen. Am Interesse der Jungen liege es nicht, erklärte Kommandant Gerhard Popp. Es gebe derzeit einfach keine in der Altersgruppe ab 12 Jahren. "Aber die Durststrecke ist in vier Jahren überwunden", gibt er sich zuversichtlich. Bis dahin halten die Frauen die Stellung: "Es macht Spaß, bei der Feuerwehr zu sein und die Männer auf Trab zu halten", finden die Punreuther Feuerwehrfrauen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Magazin (11335)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.