Wurzeln bleiben unvergessen

Eine Auszeichnung für langjährige Zugehörigkeit in der Sudetendeutschen Landsmannschaft erhielten (vorne, von links) Helga Frohnhöfer, Hilde Hasenkopf, Pauline Amschler und Dietlind Richter sowie (hinten, von links) Rudolf Morgenstern, Peter Hübl, Helmut Amschler und Dieter Kies (für Schwiegervater Otto Dilling). Verhinderten Mitgliedern werden die Urkunden nachgereicht. Bild: rn

Insgesamt bringen sie es auf 685 Mitgliedsjahre: Die Neujahrsfeier der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) nutzte Obmann Walther Hermann dazu, um 16 Frauen und Männern Ehrenurkunden für 20 bis 60 Jahre Zugehörigkeit zu überreichen.

Pauline Amschler und Otto Dilling sowie den Familien Bachmann-Lehl, Gröger-Hasenkopf, Helzel und Seidl-Frohnhöfer dankte der Obmann für 60-jährige Mitgliedschaft. Seit einem halben Jahrhundert halten die Familien Hübl und Möhler-Schwarzer der SL die Treue.

Auf 45 Jahre blickt die Familie Pleyer zurück, seit drei Jahrzehnten sind Robert Dotzauer, Rudolf Morgenstern und Erika Zitzmann dabei. Vor einem Vierteljahrhundert traten Otto Giesel und Dietlind Richter, vor 20 Jahren Helmut Amschler und Framilda Seifert der Volksgruppenorganisation bei.

Weltweit erstes Radiumbad

Die Übergabe der Urkunden begleitete Rudolf Morgenstern mit Informationen und geschichtlichen Rückblicken zu den Heimatorten beziehungsweise -kreisen der Geehrten. Er berichtete von Falkenau, dem Zentrum des Braunkohleabbaus und früherem Zentrum des Hopfenanbaus, der königlichen Bergstadt St. Joachimstal mit dem weltweit ersten und bedeutendsten Radiumbad, von Steinschönau mit seiner 1856 gegründeten Glasfachschule und von Tachau, dessen Stadtrechte Kaiser Karl IV. im Jahr 1358 der Rußweiherstadt verliehen hat.

Die "Rundreise" durchs Sudetenland führte weiter nach Nordböhmen, wo Rumburg mit seiner Webereifachschule, vielfältigen Textilerzeugung und Krippenschnitzerei hohen - auch industriellen - Stellenwert hatte, und in die freie Bergstadt Freiwaldau in Sudetenschlesien, der Heimat des Kaltwasserheilpraktikers Vinzenz Prießnitz. Endstation war die königliche Bergstadt Schlaggenwald im Kaiserwald, in der 1792 die erste Porzellanfabrik Böhmens gegründet wurde.

In "Kuchelbemmisch"

Obmann Walther Hermann verband die Ehrung mit Rückschauen auf die Eintrittsjahre der Mitglieder, beispielsweise 1964: Arafat an der Spitze der "Fatah", Tod von Hans Moser. Heiter wurde es, als Dietlind Richter in "schenem Kuchelbemmisch" die Vertreibung aus dem Paradies lebendig werden ließ.

Dieter Kies, der Vorsitzende des Stadtverbands, erinnerte an seinen Egerländer Großvater, der sich nach der Vertreibung um das Eschenbacher Musikwesen verdient gemacht hatte. In den Bayerisch-Böhmischen Kulturtagen in Weiden sah er eine gute Gelegenheit für ein Zusammentreffen von jungen Tschechen und Deutschen, die sich alter Traditionen bewusst werden.
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