Zahltag für die Dienstboten

Hatte der Bauer etwas für die Pferde übrig, so hatten es in der Regel auch die Dienstboten gut. Das Bild zeigt einen Bauernknecht mit Pferden um 1930. Repro:Wolfsteiner

Das Fest Mariä Lichtmess am 2. Februar heißt eigentlich "Darstellung des Herrn im Tempel" - und damit endet die Weihnachtszeit. Dieser Tag war auch ein Tag der Reinigung und Erneuerung. Bis 1912 war Mariä Lichtmess sogar ein kirchlicher Feiertag.

"Stephani an Hahnaschritt, Dreikini an Hirschnsprung, Sebasti a ganze Stund, Lichtmeßn zwoa": Mit diesem Spruch pflegte meine Mutter die geänderte Tageslänge seit der Wintersonnenwende mit einem Merkspruch zu umschreiben.

Nach den jüdischen Kultvorschriften musste 40 Tage nach der Geburt der Erstgeborene vor Gott "dargestellt" und mit einem Opfer ausgelöst werden. Heute ist "Lichtmess" nur einer von vielen Tagen im kirchlichen Jahreslauf. Früher hatte er aber eine besondere Bedeutung für die Landbevölkerung, und er war einer der wichtigsten Tage im Jahr: An diesem Tag wurde der Vertrag zwischen dem Lehensherrn und dem Lehensnehmer gekündigt. Ebenso wichtig war dieser Tag für die Dienstboten, denn sie bekamen an diesem Termin ihren Jahreslohn und wechselten - falls gewünscht - die Arbeitsplätze. Zum Wechsel standen ihnen mehrere freie Tage zur Verfügung, die sogenannte "Schlenkl- oder Kälberweil". Die Knechte bekamen mindestens drei Tage frei, die Mägde eine Woche oder auch mehr - je nachdem, was man sich ausbedungen hatte.

Zusätzliche Leistungen

Auch wurde das "Ausgemachte" übergeben, also jene Sachleistungen, die man zusätzlich zum Bargeld ausgehandelt hatte, zum Beispiel Schuhe, Socken und Arbeitskleidung. Ein Knecht konnte sich auch das Waschen und Flicken seiner Kleidung dingen. Ansonsten brachte er am Sonntag seine schmutzige Wäsche ins Elternhaus. Neben dem Jahreslohn gab es am Sonntag noch das "Feidageld" von ein bis drei Mark. Beim Verkauf eines Tieres aus dem Stall gab es für die Mägde das "Schwanzgeld".

Besuch bei den Eltern

In der "Schlenklweil" hatten die Dienstboten keine andere Arbeit zu verrichten, als das Vieh zu füttern. Dazu ging es in den Wirtshäusern hoch her, denn das Geld saß an dem auf den Lichtmesstag folgenden Abend, in der "Scheidenacht" oder "Schoidlnacht" sehr locker. Dienstboten richteten am Vormittag der Schlenklweil das Viehfutter und besuchten an diesen Tagen ihre Eltern. Nicht selten hatten sich Dienstboten für diese Tage auch einen Laib Brot ausgenommen. Diese "Ausnahm" wurde noch bis zum Zweiten Weltkrieg gereicht, obwohl sie schon im 17. Jahrhundert von der Obrigkeit verboten worden war. Mägde nutzten diese freie Zeit auch, um ihre Kleidung in Ordnung zu bringen. Georg Semmler, ein Bauer aus dem Jura, der auch als Pferdeknecht gearbeitet hatte, erzählte mir: Bereits im Vorfeld des Lichtmess-Tages hatte es für die Zukunft der Dienstboten einige wichtige Termine gegeben. Am "Portiuncula-Sonntag" (Sonntag nach dem 2. August) oder am "Frauentag" (Mariä Himmelfahrt, 15. August), wurde das Erntegeld ausgezahlt, das zwischen 5 und 15 Mark betragen konnte. Bei dieser Gelegenheit wurden die Dienstboten gefragt, ob sie auf dem Hof bleiben wollten. Bestand gegenseitiges Einverständnis, dann war als Vertragsbestätigung das "Haftgeld" fällig, das zwischen 10 und 20 Mark betragen konnte.

Zubrot verdient

Hatte der Bauer bis zu diesem Termin nicht gefragt, so wusste der Dienstbote, dass er sich eine neue Stelle suchen musste. Die Arbeitsvermittlung übernahm dabei eine "Verdingerin". Nicht selten war dies die Leichenbitterin, die im Lauf des Jahres in alle Anwesen kam und sich damit ein Zubrot verdiente. Auch Viehhändler, die weit im "Gäu" herumkamen, betätigten sich entsprechend.

Begehrte Dienstposten

Begehrt waren Dienstposten in der Brauerei oder in der Mühle, dort gab es reichlich Trinkgelder. Auch hatte sich bald herumgesprochen, wo die "guten Plätze" waren und wo es zusätzlich Trinkgeld gab. Mit der beginnenden Industrialisierung verließen viele Dienstboten ihre Stellen und arbeiteten lieber in den Städten. Der Mangel an Dienstboten war eine ständige Klage der Bauern vor dem Ersten Weltkrieg. Mit der Mechanisierung der Landwirtschaft hatte sich das Dienstbotenproblem weitgehend erledigt, und der "Lichtmess-Tag" verlor seine einstige Bedeutung.

(Quelle: Georg Semmler/Alfred Wolfsteiner : Seinerzeit - Leben und Arbeiten auf dem Kevenhüller Berg. 1998)
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