Zuflucht bei Fliegerangriffen

Ein Bild aus dem Archiv, das beim Einmarsch der Amerikaner entstand. Bild: Archiv Berberich

Bier aus dem "braunen Brauhaus" wurde hier kühl gelagert. Im Krieg suchten die Bürger bei Fliegerangriffen in den Felsenkellern an der Weidener Straße Zuflucht. Wer Interesse hat, kann am 9. Mai in die Geschichte eintauchen.

Wernberg-Köblitz. (cv) Mit der Neugestaltung der Weidener Straße rückten auch die Felsenkeller wieder ins Blickfeld. Für Orts- und Kreisheimatpfleger Leo Berberich sind sie "ein gebautes Geschichtszeugnis von besonderem Wert". Ihn erkannte auch die Marktgemeinde. Sie kaufte den "Felsenkeller auf Plan Nr. 154" und sanierte ihn mit einem Kostenaufwand von rund 20 000 Euro behutsam. Es gibt keine genaue Baugeschichte, doch laut Berberich kann davon ausgegangen werden, dass die Keller Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts, gebaut wurden. Erste archivalisch greifbare Hinweise sind mit dem Urkataster und dem zugehörigen Ortsblatt von Wernberg im Jahre 1836 entstanden. Der Geometer Joseph Schreiner hat die Keller unter den Plan-Nummern 152, 153 und 154 an der Straße nach Weiden eingetragen. Im Urkataster sind sie als "Felsenkeller, Sommerkeller und Kellergebäude" bezeichnet. Die damaligen Besitzer hießen Sebastian Schmiedl, Georg Dotzler, Gottfried Dotzler, Josef Kehrer und Johann Lengfelder. Sie waren Mitglieder der in Wernberg seit 1793 bestehenden "bierbrauenden Gesellschaft".

Vier bis zehn Grad

Der Hinweis auf die in Wernberg vor über 200 Jahren entstandene "bierbrauende Gesellschaft" lässt den früheren Hauptzweck dieser Keller erkennen: die Lagerung des im "braunen Brauhaus" gebrauten Bieres. Aus dem überlieferten Braubuch - mit Eintragungen ab 1896 - geht hervor, dass bis 1912 nur in den Monaten Oktober bis April gebraut wurde. "Für die Sommerzeit waren deshalb diese Keller für die Bierlagerung von besonderer Bedeutung", erzählt Leo Berberich. Wolfgang Geitner vom Bauamt des Marktes nahm im jetzigen Gemeindekeller Temperaturmessungen vor. Sie ergaben Werte zwischen vier und zehn Grad Celsius. Der zum Brauhaus gehörende Keller unter dem Stall des Anwesens Schloßbergweg 2, dem ehemaligen "weißen Brauhaus", führte die Bezeichnung "Bürgerkeller". Im Wernberger Brauhaus wurden Ende des 19. Jahrhunderts durchschnittlich an 60 Tagen pro Jahr etwa 520 bis 570 Hektoliter Bier gebraut. Dabei wurde die höchste Menge mit 115 bis 160 Hektolitern in den Monaten Februar und März erreicht.

Mit Notküchen

Doch dann bekam der Keller eine gänzlich andere Bedeutung. Die Bedrohung durch Fliegerangriffe, die Ungewissheit über den Ausgang der letzten Kriegstage und die Einnahme von Wernberg durch die US-Armee am 22. April 1945 machten die Keller zum Zufluchtsort. Nach Aussagen von Zeitzeugen befanden sich Notküchen und Schlafstellen in den Kellern. In Erinnerung ist noch das Entsetzen der Wernberger über den Plan, den Einmarsch aufzuhalten, und der sinnlose Tod eines jungen deutschen Soldaten, der mit einer Pistole bewaffnet die Kampfpanzer stoppen wollte.
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