Zukunftsmodell für Indien

Hochinteressiert verfolgt Professorin Dr. Lourdu Mary (rechts) aus Indien im HPZ in der Förderschule den Unterricht von Lehrer Markus Göhler. Bild: fz

Die Betreuung und Arbeit von und für Menschen mit geistiger Behinderung ist für die indische Professorin Schwester Dr. Lourdu Mary ein Herzensanliegen. Zwei Wochen lang beobachtet sie bei ihrem Gastbesuch am Heilpädagogischen Zentrum die Arbeit aus dem europäischen Auge.

Irchenrieth. (fz) Die Schwester vom französischen Orden "Sisters of the Cross of Chavanod" lehrt am Holy Cross College in Tiruchirappalli in Südindien. Man kann hier Audiologie studieren. Es ist eine erziehungswissenschaftliche Fakultät, an der auch der Zweig Rehabilitationswissenschaft angesiedelt ist.

Schwester Lourdu hat über Autismus promoviert, den es in Indien bei Kindern nicht mehr und weniger als in Deutschland gibt. Nur die Reaktion der Gesellschaft und Politik gegenüber Menschen mit geistiger Behinderung ist dort anders. "Das sind Welten zwischen Deutschland und Indien", stellt sie vom ersten Schritt an im HPZ fest.

Guten Ruf in Frankreich

Ihr zweiwöchiger Auslandsaufenthalt kam zustande, weil in ihrem Mutterhaus in Frankreich das HPZ in Irchenrieth als gute Adresse in der Betreuung von Menschen mit geistiger Behinderung bekannt ist. "Dieses Ansuchen ist für uns eine große Ehre, und wir haben das natürlich gerne angenommen", freut sich stellvertretende HPZ-Geschäftsführerin Brigitte Krause, die den indischen Gast 14 Tage betreut und ihr die Einrichtung näher bringt. "Sie durchläuft alle Bereiche", sagt Krause. Angefangen von der Schule über die Werkstätten bis zum Pflege- und Altenbereich.

Die Ordensfrau hatte auch andere Optionen. Dass in Irchenrieth Menschen mit geistiger Behinderung von der Geburt an bis zum Tod betreut werden und die Oberpfälzer sehr katholisch sind, gab den Ausschlag für das HPZ. Ihr erster Eindruck war überwältigend. Die erste Woche kam sie nur mit Kindern zusammen, der Kontakt mit den Erwachsenen der Werkstätten folgte in dieser Woche.

Die Betreuung ist für die Professorin allererste Güte. Dabei stellt sie fest, dass sich die Kinder hier wohlfühlen. Zudem äußert sie sich anerkennend über das Engagement der Mitarbeiter, die zur Betreuung der Menschen ihr Bestes gäben. Beeindruckend sei für sie die Zentralität in Irchenrieth, wo sämtliche Therapien angesiedelt sind.

Läppische Preise

An ihrer Uni gebe es auch einen Bereich mit 125 geistig behinderten Kindern, da sei das nicht der Fall. Große Wege über Tage zu Behandlungen, wenn überhaupt finanzierbar, stünden an der Tagesordnung. Die Eltern erhielten aber wenig Unterstützung von der Regierung. Die Stunde Therapie koste 1,30 Euro, die Schule im Monat 13 Euro. Das sind für deutsche Verhältnisse läppische Zahlen, die sich aber relativieren, wenn ein Lehrer in Indien mit 130 Euro im Monat bezahlt werde. Die Professorin erklärt, dass der Konvent Eltern von behinderten Kindern kräftig mit Spendengeld unterstütze, wenn sie sich ein Schule oder Unterbringung nicht leisten könnten.

Die optimale Betreuung von Menschen mit Behinderung rund um die Uhr sowie die Versorgung mit Hilfsmitteln - Rollstühle in der Form hat sie noch nie gesehen - nimmt sie mit nach Indien als Zukunftsmodell für einen der völkerreichsten Staaten der Welt. Dieses Level zu erreichen, werde noch Jahrzehnte dauern, wenn überhaupt.
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