Zum 150. Geburtstag des britischen Schriftstellers Rudyard Kipling Texte erstmals vollständig ...
Arbeit, Schweiß und Spucke

Rudyard Kipling: "Von Ozean zu Ozean. Unterwegs in Indien, Asien und Amerika" (768 Seiten, Leinenband mit zwei Lesebändchen im Schuber, 48 Euro, mare-Verlag): "Ich will nach Hause! Ich will zurück nach Indien! Mir ist elend zumute. Der Dampfer Nawab hätte zu dieser Jahreszeit leer sein müssen, aber wir haben hundert Passagiere in der ersten Klasse und sechsundsechzig in der zweiten. Alle hübschen Mädchen sind in der zweiten." - Obwohl er es mit seinen Dschungelbüchern zu Weltruhm brachte und ihm 1907 der Nobelpreis zugesprochen wurde, ist ein entscheidender Teil von Rudyard Kiplings Werk weitgehend unbekannt: seine Reisebriefe und Reportagen, die er in den Jahren 1887 bis 1889 aus Indien, Fernost und Amerika schrieb.

Dabei offenbart sich hier ein Autor, der sprüht vor Witz und Ironie, der mit spitzer Feder stets das Groteske, das Unerwartete beschreibt, der scharf beobachtet und urteilt - und auch nie davor zurückscheut, seine eigenen kulturellen Vorurteile zu entlarven und beherzt an den Pranger zu stellen. Anlässlich seines 150. Geburtstags liegen diese originellen, fesselnden, manchmal derben, sehr oft amüsanten Texte Kiplings erstmals in einer vollständigen deutschen Übersetzung vor.

Rudyard Kipling: "Über Bord" (300 Seiten, bedruckte Leinen mit Einstecktasche auf dem Buchdeckel und Seekarte, Fadenheftung und Lesebändchen, 25 Euro, Edition Büchergilde):Harvey Cheyne ist der junge Erbe eines Millionenvermögens. Eines Tages fällt er von Bord eines Passagierdampfers und damit aus der verwöhnten Welt der Privilegierten in den harten Kampf ums Dasein an Bord der "We're Here", eines Kabeljaufischers vor Neufundland. Wie Mowgli aus dem "Dschungelbuch" muss sich Harvey Cheyne über Nacht auf eine neue Umgebung einstellen. Das Buch reißt den Leser mit, erzählt vom Leben zur See, vom Fischfang, spielt mit der Poetik nautischer Begriffe und mit den Dialekten der Matrosen.

Cheyne Jr., zu Beginn verwöhnt, unsympathisch und schwach, reift auf seiner Reise über das Meer zu einem ernsten jungen Mann heran. Seine Entwicklung erfolgt nicht wie im Bildungsroman üblich durch Liebe, Literatur und Kunst, sondern durch harte Arbeit, Spucke und Schweiß. So verändert zurückgekehrt, gewinnt Harvey Cheyne den Respekt seines Vaters.

Christian Schneider hat zu dem Roman von Rudyard Kipling beeindruckende Illustrationen geschaffen. In minutiöser Detailillustration gelingt es ihm, die besondere Atmosphäre auf mehreren ineinander verschränkten Ebenen einzufangen. Er erweckt die Naturgewalten zum Leben, zeigt das raue Leben der Seefahrer und zieht den Leser in den Bann. Die Reise beginnt, sobald man das Buch in den Händen hält. Denn die Tasche im Einband, in der eine Seekarte steckt, erinnert an ein Logbuch.

Robert Louis Stevenson: "Der merkwürdige Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (124 Seiten, 22,95 Euro, Reclam-Verlag):Robert Louis Stevensons 1886 entstandene Novelle, die zu den berühmtesten Schauergeschichten der Weltliteratur zählt, erscheint in der meisterhaften Neuübersetzung von Mirko Bonné mit Illustrationen von Robert de Rijn.

Eine rätselhafte Gestalt taucht in den nächtlichen Straßen Londons auf - und ist ebenso schnell wieder verschwunden. Sie erscheint als Verkörperung all der dunklen Leidenschaften, die in den Tiefen der menschlichen Seele schlummern, eine Ausgeburt des Bösen, die auch vor einem Mord nicht zurückschreckt. Alles, was man über sie weiß, ist ihr Name: Mr. Hyde. Doch wer ist dieser Mann?
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