Zum Jubiläum
Simultan

November 2014 konnte der Schachclub Sulzbach-Rosenberg sein 50-jähriges Vereinsjubiläum begehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass nicht schon zuvor Schach gespielt wurde. Schon in den 50er und frühen 60er Jahren traf man sich am Loderhof oder im Gasthaus Köferl. Der Wunsch, am oberpfälzer Mannschaftsleben teilzunehmen, führte schließlich zur Vereinsgründung.

Schon damals war es üblich, bei Jubiläen einen bekannten Großmeister zu einer Simultanvorstellung zu gewinnen. Diesen Brauch ließen die Sulzbach-Rosenberger wieder aufleben und luden den bekannten deutschen Großmeister mit ukrainischen Wurzeln Michael Prusikin ein. 19 Spieler, darunter die komplette erste Mannschaft und der Vorsitzende des Schachverbandes Oberpfalz, Dr. Dieter Braun, sowie dessen Seniorenreferent, Max Riedl, stellten sich dem Wettkampf, bei dem der Meister allein gegen alle spielt. Für vier Schach-Kids des Vereins dürfte es das Highlight überhaupt gewesen sein.

Nach knapp vier Stunden war der Zauber vorüber. 18 Spieler mussten die Segel streichen. Lediglich Max Riedl gelang ein ehrenhaftes Remis.

Das Jubiläum wurde mit einem Festakt unter Anteilnahme des Landerates des Landkreises Amberg-Sulzbach, Richard Reisinger, und des Ersten Bürgermeisters von Sulzbach-Rosenberg, Michael Göth, beschlossen.

Und bemerkenswert: Vorstand und Spitzenspieler des Vereins, Hermann Hese, ist Gründungsmitglied!

Kurz und schmerzlos heißt es in dieser Partie aus der 2. Bundesliga-Ost 2012.

Weiß: Thomas Höpfl

Schwarz: Manfred Böhnisch

1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 dxc4 7.Lxc4 Dxd4 8.Dxd4 Sxd4 9.0-0-0 e5 10.f4 Lg4 11.Sf3 Sxf3 12.gxf3 Lxf3 13.fxe5 Lxh1 14.exf6 Lc6 15.Sb5 Tc8 16.Sc7+ 1-0

Tagesnotizen: Die Taktikaufgabe Nr. 85a zeigt eindrucksvoll, dass der am 24. November 1900 in Berlin geborene Kurt Richter, der sich als Schachredakteur und Schachbuchautor einen Namen gemacht hatte, nicht zu Unrecht als "Scharfrichter von Berlin" gehandelt wurde.

Bei der in seiner Heimatstadt gespielten Partie krankt die schwarze Position erheblich daran, dass der schwarzfeldrige Schutzläufer fehlt, zumal neben den Dominatoren, Läufer f6 und Bauer h6, auch die übrigen weißen Figuren günstig postiert sind. Sehen Sie, wie Weiß seinen Stellungsvorteil siegreich verwertet?

Mit dem Fünfzüger in Aufgabe Nr. 85b stellen wir den Lesern der Schachecke erstmals den renommierten Problemschachkomponisten und Mediziner Dr. Thomas Woschnik aus dem bayerisch-schwäbischen Haldenwang vor. Der Autor ist bekannt dafür, kniffelige und hintergründige Schachaufgaben zu schaffen, von denen sich rund 50 Stück in dem heute vorgestellten Buch "Kniffelige Schachaufgaben Band IV" finden. Und kniffelig ist auch diese Aufgabe, bei der eine Portion Logik gefragt ist. Wie zwingt Weiß den schwarzen König in fünf Zügen in die Knie?

Lösungen: Mit Taktikaufgabe Nr. 84a (Abrahamyan-Milliet, W: Kg1, Dc3, Td1, Lb3, Lg5, Bc2, f2, g2, h3 [9], S: Kg7, Da8, Tf8, Lc6, Sd7, Bb4, c7, e4, f6, h7 [10]) sahen wir eine Position, die sich bei der letzten Olympiade im Damenwettkampf USA - Frankreich ergab. Die dreifache französische Damenmeisterin IM Sophie Milliet, mit Schwarz spielend, hatte gerade mit 0...b4 die den Bauern f6 fesselnde Dame c3 angegriffen.

Für ihre Gegnerin, WGM Tatev Abrahamyan, US-Amerikanerin mit armenischen Wurzeln, war das der Startschuss für eine taktische Lösung. Mit 1.Dg3! baut Weiß eine Läufer/Dame-Batterie auf, entfesselt jedoch gleichzeitig den Bauern f6, der nun den Läufer g5 schlagen könnte. Nicht "könnte", Schwarz muss den Läufer schlagen. Nach 1...Kh8 brächte 2.Lh6 mit der Mattdrohung 3.Dg7# Weiß in entscheidenden Vorteil. Also: 1...fxg5. Präzise setzt Weiß mit 2.Txd7+! den Angriff fort. Sinn dieses Qualitätsopfers ist, die Kontrolle über Feld e5 zu erhalten.

Dagegen wäre zunächst 2.Dxg5+? Kh8 und dann erst 3.Txd7 fehlerhaft gewesen. Zwar droht Weiß nun 4.De5+ Tf6 5.Dxf6#, doch Schwarz kontert mit dem Zwischenschach 3...Da1+. Nach 4.Kh2 Lxd7 verbliebe Weiß mit einem Minusturm und könnte aufgeben.

Doch nach 2.Txd7+ passt alles zusammen: 2...Lxd7 3.Dxg5+ Kh8 4.De5+ nebst Matt im nächsten Zug. Auch 2...Kg6, wie in der Partie geschehen, rettet nicht: 3.Tg7+!, wonach Schwarz die Waffen streckte. 3...Kxg7 4.Dxg5+ mündet in das eben beschriebene Matt und ein anderer Königszug (3...Kf6/Kf5/Kh6/Kh5) führt zum sofortigen Matt 4.Dxg5#.

Eine bemerkenswerte Gewinnkombination der US-Amerikanerin und exakt vorgetragen.

Mit dem Zweizüger in Aufgabe Nr. 84b(Höller, S: Kb5, De3, Lg4, Se8 [4], S: Kd5, Dg2, Tg6, Bb3, d3, e6, g3 [7]) legte uns der renommierte oberbayerische Problemschachkomponist sein jüngstes Werk vor. Für die Lösung von Zweizügern ist es meist hilfreich, die Satzspiele unter die Lupe zu nehmen. Also lassen wir probeweise Schwarz den ersten Zug. Wir erkennen, dass nach 1...e5 mit 2.Dxd3# und nach 1...De4 mit 2.Dc5#, jeweils nach Block eines Fluchtfeldes, und nach 1...Tg7 mit 2.Lxe6# ein Matt bereitliegt.

Weiß kann diese Satzmatts jedoch weder durch einen Wartezug noch durch das Aufstellen einer Drohung erzwingen. So verfällt Weiß auf 1.Df4! Dieser Zug, der nichts daran ändert, dass der schwarze König kein Fluchtfeld besitzt, droht 2.Sc7# Schwarze Paraden des Drohmatts führen zu folgenden Abspielen:

a) 1...e5 (Block, soll Fluchtfeld d6 verschaffen) 2.Dc4#,

b) 1...De4 (Block, soll Fluchtfeld d4 verschaffen)2.Dd6# und

c) 1...Tg7 (deckt Mattfeld c7, gibt jedoch Feld f6 frei) 2.Sf6#.

Sehen wir uns die schwarzen Paraden näher an, erkennen wir, dass gegenüber den Satzspielen bei gleichen schwarzen Zügen ein Wechsel der Mattbilder eingetreten ist. Außerdem

d) 1...Dc2 (deckt Mattfeld c7, gibt jedoch Feld f3 frei)2.Lf3#.

Eine Meredith (so nennen Problemisten Zweizüger mit acht bis zwölf Steinen) mit schönen Mattwechseln. Fein gebaut vom Nußdorfer!
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