Zungenkuss mit Wein

Gläser unterstützen den Geschmack des Weines - das wollte Maximilian Josef Riedel in der Stadthalle Neustadt seinen Zuhörern in 90 unterhaltsamen Minuten beweisen. Bilder: sbü (2)

Eine solche Veranstaltung ist in der Region nicht alltäglich. Maximilian Josef Riedel nannte es Training. Aber es ging nicht um Sport, sondern um Gaumenfreuden. Für die meisten Besucher war es ein überaus lehrreicher und zugleich amüsanter Abend.

Neustadt/WN. (sbü) "Chardonnay, Pinot Noir und Super-Toskaner" hießen die Stars in der Stadthalle, allesamt Spitzenweine aus Südafrika, Napa Valley in Kalifornien und der Toskana. Zusammen mit den Weingläsern von Riedel und Nachtmann standen diese Tropfen im Mittelpunkt eines vergnüglichen Abends mit dem Titel "Wein-Tasting für Serviceclubs". Als Präsident des Rotary Clubs Weiden hatte Nachtmann-Geschäftsführer Alois Kaufmann 140 Mitglieder von 8 Service-Clubs der Region nach Neustadt eingeladen.

Was auf dem Programm stand, nennen manche vielleicht nur Weinprobe. Das trifft das Geschehen jedoch nur teilweise. Tatsächlich handelte es sich um eine Weinprobe in Verbindung mit unterschiedlichen Gläsern. Die Rotarier verkosteten ein- und denselben Wein aus verschiedenen Weingläsern. Das Ergebnis war völlig unterschiedliche Geschmacksempfindungen, je nach Form des Glases.

Werkzeuge des Genusses

Maximilian Josef Riedel, Geschäftsführer des gleichnamigen Weinglasunternehmens aus Kufstein, führte wie ein professioneller Entertainer mit viel Humor durch das 90-Minuten-Programm. Mit dem Satz "Gläser sind Werkzeuge des Genusses" stimmte er die Gäste ein. Auf jedem Platz standen vier unterschiedliche Weingläser: Ballon- und Riesling-Glas, Pinot-Noir- und Cabernet-Glas.

"Verteilen Sie bitte den Wein Nummer 1 aus dem Becher gleichmäßig auf drei Gläser", lautete das erste Kommando. Dann hieß es "schwenken und hineinriechen", schließlich durfte getrunken werden. 140 Arme hoben im Gleichtakt, zuerst das Ballon-Glas zum Mund, später die anderen edlen Gefäße. Beim Ballon schwärmte der Österreicher von Aromen wie "Ananas, tropische Früchte und auch ein bisschen Vanille". Bei anderen empfand er nur einen stechenden Alkoholgeruch. Widerspruch aus dem Publikum kam nicht, offensichtlich stimmten die Geschmacksempfindungen. Weil die Weine vorher "unter Eis gelegt waren", hatten sie die richtige Temperatur.

Dann gab Riedel noch zahlreiche Empfehlungen zur Geschmacksempfindung bei Weingenuss. "Passen Sie auf, wie der Wein fließt" oder: "Wo trifft der Wein auf den Gaumen?" oder "Rollt der Wein über die Seiten der Zunge ab?" Nachgeschmack sei essenziell, stellte der Experte fest.

Ähnliche Vorgänge spielten sich bei den beiden Rotweinsorten ab. Als der Pinot Noir im "richtigen" Glas war, sprach Riedel vom "Zungenkuss, wenn der Wein auf die Zungenspitze trifft". Nach dem "falschen" Glas empfahl er einen Reparaturschluck. Als dann der Super-Toskaner aus dem vorher exakt passenden Pinot-Noir-Glas verkostet wurde, "ging die Frucht verloren".

Erlös für guten Zweck

Ganz nebenbei bot der Geschäftsführer eine Lehrstunde über Weinkunde. Pinot Noir sei der beste Wein der Welt, er passe zu jedem Gericht. "Wir trinken den Wein viel zu jung, gute Weine schmecken auch noch nach 150 Jahren sehr frisch." Für Riedel gibt es "nichts Schlimmeres als warmen Wein". "Vergessen Sie die Zimmertemperatur!" Dass sogar Schweizer Schokolade zum Wein passt, durften die Besucher selbst erproben. Ebenso wurde die Funktionsweise eines Dekanters vorgeführt.

Abschließend stellte Riedel fest: "Selbst unsere Gläser können einen schlechten Wein nicht zum guten machen." Der Reinerlös der Veranstaltung kommt einem sozialen Zweck zugute.
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