Zur "Madonna im Wiesengrund"

Die Banneux-Kapelle wurde frisch gestrichen, Dach und Umfeld gereinigt. Zum Jubiläum wird am Sonntag Oktoberrosenkranz gefeiert. Bild: Völkl

Die Banneux-Kapelle hat einen besonderen Reiz - auch auf die Diözese Regensburg: Als es im Jubiläumsjahr um die Renovierung ging, wurde spontan die Übernahme der Gesamtkosten in Höhe von rund 1800 Euro signalisiert.

Wernberg-Köblitz. Damit nicht genug: Der Wernberger Frauenbund legte noch 300 Euro für ein neues Butzenglas drauf. Pfarrer Markus Ertl, Pfarrgemeinderat und Bauhof haben später noch vor, den Umgriff der Kapelle zu pflastern.

Vor 60 Jahren wurde die kleine Marienkapelle östlich von Wernberg - versteckt zwischen Wald, Wiesen und Schilterbach - gebaut. "Madonna im Wiesengrund" oder "Maria im Tann" wurde sie manchmal genannt. Der offene Rundbau ist der Mutter Gottes von Banneux geweiht. Wenn der Frauenbund am Sonntag um 15 Uhr zum Jubiläum-Oktoberrosenkranz einlädt, gehen die Gedanken zurück an die Rosenkranzandacht in der St. Anna-Kirche am 27. Oktober 1955: Hunderte von Gläubigen zogen in einer Lichterprozession mit der Marienstatue von der Pfarrkirche zur neu erbauten Kapelle am Schilterbach, um diese der Hl. Jungfrau der Armen und Kranken zu weihen. Geschichtsforscher Hans Bäumler hat in Archivbeständen nachgelesen. Demnach war Joan Jacob, der Pfarrer von Banneux in Belgien, wo die Muttergottes zwischen 15. Januar und 2. März 1933 achtmal der zwölfjährigen Mariette Beco erschienen sein soll, eigens zur Weihe angereist und hatte die Statue mitgebracht.

Lange Jahre war gerade die Wernberger Kapelle am Schilterbach immer wieder Treffpunkt für Maiandachten, Oktoberrosenkränze oder Bittprozessionen. Die Errichtung von mehreren Kapellen und die Entstehung von Marien-Verehrungsorten geht auf die Initiative von Schwester Sophie Breu zurück. Sie betrieb in Wernberg das bekannte Schlenzkurheim. Die heute noch vorhandenen vielen Dankesschreiben ihrer Patienten zeugen von vielen Heilerfolgen. Geworben wurde mit dem Schlagwort "Operation ohne Messer und Blut".

Sophie Breu, eine gebürtige Wernbergerin, war nach einer Ausbildung als Säuglings- und Krankenpflegerin 1928 zum Orden der Barmherzigen Schwestern gegangen. Von Maria Schlenz erwarb sie die Methoden der Heilkräuter- und Überwärmungsbäder. Aus kleinsten Anfängen machte sie sich ab 1937 selbstständig und arbeitete mit Beharrlichkeit und Zähigkeit an ihrem Lebensziel, den Kranken mit dieser Methode zu helfen.

Ganzheitliche Methode

Dazu hatte sie an der Vohenstraußer Straße ein Kurheim errichtet, das sie ständig erweiterte. Anfang der 50er Jahre sah sich Wernberg schon als aufstrebender Kurort, da gleichzeitig Dr. Loew auf der Burg eine Schroth-Kuranstalt errichtet hatte. In den 60er Jahren war das Haus oft mit vielen Stammgästen voll belegt. Die Leiterin legte auf ganzheitliches Wohlbefinden Wert. Gerade bei den "geistlichen Herren" hatte sich die Heilmethode herumgesprochen. Am 16. Januar 1968 verstarb Sophie Breu unerwartet im 67. Lebensjahr. Sie hatte als Erbe das bischöfliche Ordinariat in Regensburg eingesetzt. Ab Mai 1968 versuchten die Franziskanerinnen aus Aiterhofen die Bademethoden von Schwester Sophie Breu weiterzuführen. An die früheren Erfolge konnten sie nicht mehr anknüpfen.

Am 10. Dezember 1988 stand dann im Neuen Tag: "Das Schlenzkurheim schließt zum Jahresende seine Pforten". Als Ursache wurde Schwesternmangel angegeben. Kurz vor Weihnachten 1988 wurden die Schwestern aus der Pfarrei verabschiedet. Heute befindet sich eine Arztpraxis in den Gebäudlichkeiten. Bilder und Gästebücher übergab die Nichte der Sophie Breu, Katharina Schmid, dem Marktarchiv.
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