Zustand von 1857

Vor sieben Jahren präsentierte Gerald Stelzer zum ersten Mal die Idee, das alte Amberger Landgerichtsgefängnis zu einem Hotel zu machen. Ein Projekt, das eigentlich nicht zu stemmen war. Doch jetzt haben er und seine Partner Peter Voss und Thomas Roidl für die gelungene Sanierung sogar den Bayerischen Denkmalschutzpreis erhalten.

Wahrscheinlich war es von Vorteil, dass Gerald Stelzer und Peter Voss aus der Automobilbranche kommen und vom Denkmalschutz, von Brandschutzauflagen und Bauvorschriften nur wenig Ahnung hatten. Sonst hätten sie sich wohl den mitten in der Stadt gelegenen Steinklotz aus dem 17. und 18. Jahrhundert nicht angetan, hätten den ehrgeizigen Plan erst gar nicht gefasst, aus dem ehemaligen Landgerichtsgefängnis ein Hotel mit Knastambiente zu machen.

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Abgesehen von ein paar kleineren Umbauten in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts "ruhte" das ehemalige Gefängnis am Amberger Paradeplatz seit Jahrzehnten in dem Zustand, wie er seit der Renovierung im Jahr 1857 besteht. Mit den schweren Gittern vor den kleinen Fenstern der schmalen Einzelzellen, den massiven Eichentüren, den kargen Holzböden, dicken Sandsteinmauern und viel Kälte überall.

Doch Gerald Stelzer - er war eindeutig die treibende Kraft - hatte sich da schon verliebt in dieses Monstrum. Kaufte es einem Amberger Kaufmann ab, der dort ein paar Jahre mit seiner Familie gelebt und es nicht immer gut behandelt hatte. Zwei Jahre lang dauerten allein die Voruntersuchungen mit Architekt Georg Roggenhofer, weitere zwei Jahre kämpften die drei Partner um die Finanzierung. Denn euphorisch waren die Banken keinesfalls.

"Man verleiht ja nicht einfach so Geld an zwei Personen, die mit dem Stemmhammer rumlaufen", sagte Gerald Stelzer bei der Eröffnung des Hotels im April 2013 in Anspielung auf die Tatsache, dass er und Peter Voss in den vergangenen Jahren sehr regelmäßig auf der Baustelle zu finden waren, dreckig von oben bis unten, bewaffnet mit schwerem Gerät oder Schubkarren voller Bauschutt vor sich her schiebend. Der ursprüngliche dritte Partner schied schließlich aus, mit Thomas Roidl fand sich aber ein neuer Kompagnon - und die Amberger Sparkasse glaubte an das Projekt und finanzierte es.

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Eine verwegene Idee

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Es war schon die Idee verwegen, die alten Zellentrakte zu erhalten, sie zu Hotelzimmern umzubauen, die zwar modernsten Anforderungen genügen, trotzdem das unverkennbare Flair eines Gefängnisses ausstrahlen. Die Umsetzung aber erwies sich als Abenteuer. Erst sollten beispielsweise die kleinen Fensterchen aufgeweitet werden, um mehr Licht in die Räume zu lassen, dann entschieden sich Voss und Stelzer mit dem Stemmhammer in der Hand, sie so zu lassen wie sie waren.

Dann waren da viele Zwänge und Vorschriften: Die Gitter vor den Fenstern mussten beweglich gemacht werden - notfalls muss sie die Feuerwehr von außen öffnen können. Die Ideen kamen oft erst direkt beim Umbau, wurden diskutiert, verworfen oder umgesetzt. Am Ende waren die ersten Zellen für bis zu 25 Gäste fertig, die Partner konnten Eröffnung feiern. Und der Erfolg gab ihnen Recht. Inzwischen freut sich das Hotel Fronfeste sehr großer Beliebtheit bei Leuten, die in diesem einzigartigen Ambiente übernachten wollen, die viel Spaß daran haben, einmal gesiebte Luft zu atmen, Sträflingskleidung zu tragen oder eine Kette am Fuß zu haben.

Bei Rechtsanwälten, die in Amberg zu tun haben, soll sich das Hotel großer Beliebtheit erfreuen. Natürlich kommen auch viele Radler, die auf dem Fünf-Flüsse-Radweg unterwegs sind, Besucher der Stadt Amberg, aber auch sehr viele Einheimische, die einmal im Knast schlafen wollen.
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