Zwei kleine Räume

Seit 250 Jahren bemühen sich die Freimaurer um Humanität in Regensburg. Was bisher eher im Verborgenen geschah, präsentiert sich nun der Öffentlichkeit: Eine Ausstellung im Historischen Museum nimmt sich des Themas an.

Nein, Geheimniskrämerei wollen die Freimaurer nicht betreiben. Ihre Grundsätze legt die Bruderschaft ganz offen dar. Die im Menschen angelegte Humanität herauszubilden und diese zu fördern - das hätten alle Freimaurerbrüder im Sinn, heißt es in einer öffentlichen Erklärung. Eine vollends entmystifizierende Offenlegung gibt es aber nicht. "Das Geheimnis der Freimaurerei erfährt man erst, wenn man Mitglied ist", heißt es aus internen Kreisen. Mit Verlaub, das ist leider nicht zu ändern.

Dass sich die legendäre Bruderschaft wohl gerade aufgrund des Geheimnisvollen eines regen Interesses erfreut, beweist derzeit eine Ausstellung zum Thema in Regensburg. Rund 1000 Besucher innerhalb der ersten 14 Tage kann man dort verzeichnen. Keine Frage, die Schau über 250 Jahre Regensburger Freimaurerloge im Historischen Museum ist ein Besuchermagnet.

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"Johannis Freimaurerloge ,Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht'. Freimaurerei - eine allgegenwärtige Kultur. 250 Jahre Logengeschichte", lautet der volle Titel der Ausstellung, die nun verlängert wurde. Dabei ist er gar nicht so viel, was die Bruderschaft der Loge mit dem Namen "Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht" preisgibt. Schriftliche Erläuterungen zum Thema Freimaurerei im Allgemeinen und in Regensburg im Speziellen, eine Art Regensburger Ahnengalerie und interne Gerätschaften: All das passt in zwei kleine Museumsräume.

"Öffentlichkeit ja, aber nicht zu viel", so fasst Dr. Wolfgang Neiser das Anliegen der Freimaurerloge zusammen. Der Zuständige für Kunst- und Kulturgeschichte am Historischen Museum hat die Schau gemeinsam mit Dr. Dr. Maximilian Ohneis, dem Meister vom Stuhl der Johannis Freimaurerloge, und der Kuratorin Tanja Leiminger realisiert.

Die grundsätzliche Frage lässt sich dabei relativ einfach klären: Was genau ist Freimaurerei? "Die Freimaurerei basiert auf der mittelalterlichen Tradition der Bauhütten", erfährt der Besucher anhand der Ausstellungstexte. Im Laufe der Zeit habe sich der Kreis der Bauhütten immer mehr von anderen Handwerkern und Zünften abgegrenzt - und zwar durch die Verwendung von geheimen Zeichen und Symbolen.

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Gebildete Männer

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Parallel zum Untergang der Steinmetzbruderschaften - die Nachfrage nach kirchlichen Großbauten schwand - fanden sich in der Gruppierung immer mehr "angenommene Maurer" ein. Die Folge: Gebildete Männer aus anderen Berufsfeldern führten die Beschäftigung mit sozialen, kulturellen und philosophischen Themen ein. Als Gotthold Ephraim Lessing die Freimaurerei als "etwas Notwendiges" bezeichnete, war der Schritt von der handwerklichen Vereinigung zur elitären Gruppe längst vollzogen.

Auch in Regensburg waren es hochrangige Personen, die die dortige Freimaurerloge ins Leben riefen: 1765 stiftete dort Erbprinz Carl Anselm von Thurn und Taxis die Johannis Freimaurerloge. Rund 50 Jahre zuvor war in England die erste Großloge überhaupt gegründet worden, Hamburg war 1737 als erste deutsche Stadt gefolgt. Zum 250-jährigen Jubiläum gewähren die heute 35 Mitglieder der Johannis Freimaurerloge "Drei Schlüssel zum aufgehenden Licht" nun im Historischen Museum Einblicke in ihre Geschichte, Inhalte und Rituale.

Den Beginn macht eine Nachbildung des Tempels, in dem sich die Freimaurer einmal im Monat versammeln. Dieser in Anlehnung an den Salomonischen Tempel gestaltete Raum befindet sich in Regensburg in der Neuen Waag.

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Spitzhammer und Zirkel

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Wie im Original liegt in der Ausstellung der sogenannten Arbeitsteppich im Zentrum des Raumes. Dieser zeigt die grundlegenden freimaurerischen Symbole: Werkzeuge wie Spitzhammer, Maßstab und Zirkel erinnern an die Ursprünge in den Steinmetzbruderschaften. Hinzu kommen Elemente der Astronomie und Geometrie. Drei Säulen an den Ecken des Teppichs stehen für Weisheit, Stärke und Schönheit.

Rund um die Inszenierung sind in der Schau eine Reihe symbolbeladener Gegenstände der Freimaurerloge zu sehen. Lehrlingsschurz, Gesellenschurz und Meisterschurz markieren die verschiedenen Grade einer freimaurerischen Laufbahn. Der Kubische Stein steht unter anderem für das soziale Element der Freimaurerei. Die Kelle ist das Symbol der Brüderlichkeit - verbindet doch der Mörtel gestoßene Steine und bildet gleichzeitig die Grundlage für folgende Mauerschichten.

Eine eigene Welt eröffnet sich dem Besucher auch im zweiten Raum der Ausstellung. Hier befindet sich die Nachbildung einer "Dunklen Kammer". An diesem Ort der Vorbereitung hat der "Suchende", also der potentielle neue Freimaurer, die Möglichkeit, vor seiner Initiation nochmals in sich zu gehen. Ein Totenschädel, eine Sanduhr und eine Kerze gemahnen ihn dabei an die Vergänglichkeit - und an eine bewusste Lebensweise als Konsequenz.

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Historische Persönlichkeiten

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Auch die Gründungsurkunde der Regensburger Freimaurerloge ist hier zu sehen. Es gibt ferner Gegenstände aus dem Leben als Freimaurer - eine Pfeife, einen Meisterbrief und medaillenartige "Bijous". Hinzu kommen Fotografien von architektonischen Elementen der Freimaurerei, etwa im Dittmer'schen Gartenpalais in Regensburg.

Porträts von historischen Persönlichkeiten wie Graf Kaspar von Sternberg oder Johann Emanuel Schikaneder, dem Librettisten von Mozarts "Zauberflöte", führen durch die Geschichte der Regensburger Freimaurer. Im Dritten Reich durch eine Zwangsauflösung unterbrochen, ist diese bis heute lebendig. Die Zielsetzung hat sich dabei nicht verändert. "Die Welt ein Stück humaner und lebenswerter machen" - das ist das Geheimnis der Freimaurer.
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